Fußball

FC Bayern blitzt bei Coman ab Ein durchaus alarmierender Alaba-Moment

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Macht der "King" den Alaba?

(Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur)

Kingsley Coman steht beim FC Bayern noch bis Sommer 2023 unter Vertrag. Dennoch laufen bereits Gespräche über die Zukunft, eine erste Verhandlungsrunde wurde indes abgebrochen. Schlimm ist das nicht, alarmiert dürfte der deutsche Fußball-Rekordmeister dennoch sein.

Die Meldung ist eigentlich völlig banal. Beinahe sogar egal. Aber dennoch sorgt sie für ein kurzes, aber heftiges Zucken in der Seele des FC Bayern (Anmerk. d. Red.: Sollten Seelen nicht zucken können, schreiben Sie uns gerne eine Mail!): Kingsley Coman, der Mann, der die Mannschaft aus München im August zum zweiten Triple der Klubgeschichte geschossen hatte, soll laut "Kicker" ein Angebot zur vorzeitigen Vertragsverlängerung abgelehnt haben. Klingt blöd für den FC Bayern, ist es aber (noch) nicht. Denn der Franzose hat ja ein Arbeitspapier, das bis zum 30. Juni 2023 gültig ist. Handlungsbedarf besteht also tatsächlich erst in der übernächsten Saison.

Aber die Münchner Bosse dürften dennoch mal kurz aufgeschreckt sein. Denn nicht alle großen Verhandlungen über neue Verträge verliefen zuletzt so, wie man sich das wünschen würde. Lediglich die Einigung mit dem klubikonischen Thomas Müller im Frühjahr des vergangenen Jahres ging gesittet vonstatten. Man wusste halt, was man aneinander hat. Und als einer der Bestverdienenden im Kader ging es für den Freigeist schließlich auch nicht mehr darum, künftig noch weiter in den elitärsten Zirkel vorzustoßen.

In diesem Zirkel tobt sich auch Torwart Manuel Neuer schon länger aus, dessen Ansinnen beim harten und unangenehm vorwurfsvollen Rangeln um eine frische Arbeitsgrundlage richtete sich folglich zwar vornehmlich um mehr Langfristigkeit (da spielte auch das Nübel-Theater eine tragende Rolle). Aber klar, ein paar viele Euros mehr wollte er schon auch haben. Man einigte sich nach reichlich Schimpf und Schande schließlich friedlich in der wohl sehr gut dotierten Mitte.

Alaba scheitert krachend

Dieses Vorhaben hatte auch David Alaba. Doch der Österreicher scheiterte damit krachend. Und dieses Scheitern war auch noch von vielen bösen Zwischentönen begleitet. Am lautesten bellte dabei wieder mal Uli Hoeneß. Im offiziellen Ämter-Ruhestand nannte der ewige Klub-Patron Pini Zahavi, den Berater von Alaba, einen "geldgierigen Piranha". Andere Funktionsträger im Klub hinterfragten die generelle Realitätsnähe der Agenten in zornig-schönen Worten.

Noch immer ist nicht klar, was aus Alaba im Sommer wird. Klar ist lediglich, dass er den Klub verlassen wird. Das hat er zuletzt sogar öffentlich in einer Medienrunde bekannt gegeben. Real Madrid und der FC Barcelona gelten als erste Anwärter auf den Zuschlag. Alabas Abgang ist derweil einer, der dem FC Bayern wehtut. Nicht nur sportlich, sondern auch emotional. Denn der 28-Jährige ist seit 2009 im Klub (er war lediglich einmal kurz an die TSG Hoffenheim verliehen), hat den Sprung aus dem Nachwuchs zu den Profis geschafft. War einst genialer Seitenlinien-Kumpel von Franck Ribéry und ist mittlerweile einer der allerbesten Abwehrchefs weltweit.

Ein starker Außenbahn-Erbe

Nicht ganz so romantisch und spektakulär ist derweil die Geschichte von Kingsley Coman beim FC Bayern. Aber auch der 24-Jährige ist bereits seit vier Jahren im Klub und arbeitet daran, das schwere Außenbahn-Erbe der Legenden Ribéry (die gleiche Seite) und Arjen Robben (auf der rechten Flanke) mit eigenen Statements erfolgreich anzutreten. Sein überraschend wuchtiger Kopfball im Finale der Champions League gegen Paris St. Germain Ende August stellte ihn fortan auf ewig in eine Reihe um Uli Hoeneß, Gerd Müller, Franz Roth, Stefan Effenberg, Thomas Linke und Robben. Sie alle waren nämlich die Männer, die für Münchner Triumphe im Europapokal der Landesmeister (oder auch Champions League) entscheidend waren.

Coman ist indes kein One-Title-Wonder, er hat bereits 188 Spiele für den FC Bayern absolviert, er hat 39 Tore geschossen und 48 vorbereitet. Er hat sich dabei stetig gesteigert, auch an seiner Effektivität gearbeitet. Und er hat seinen Platz verteidigt, gegen Nationalspieler Leroy Sané, auch wenn der in München immer näher an seine Topform heranrückt. Nun geht es bei Coman und den Gesprächen vorerst mal darum, die Extrempositionen einzunehmen. Der Klub wird versuchen, das Angebot so attraktiv wie nötig, aber so niedrig wie möglich anzusetzen. Coman dagegen will für sein "Ja" im Status der Wertschätzung via Gehalt weit nach oben rücken. Aktuell soll er laut Sky rund acht Millionen Euro verdienen. Wenn diese Zahlen stimmen, wären das knapp zehn Millionen weniger als Sané.

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Nun, die Situation ist vor allem für Coman komfortabel. Bevor seine Personalie pressiert, muss der FC Bayern sich noch um die auslaufenden Papiere von Leon Goretzka und Joshua Kimmich kümmern (beide enden im Sommer 2022). Auch die beiden Nationalspieler werden heftig um Wertschätzung via Gehalt buhlen. Eine willkommene Benchmark für den Franzosen, der zu Jahresbeginn bereits mal das Pokerspiel eröffnet hatte. Er hatte ein Klubwechsel (irgendwann) als durchaus denkbare Option für seinen weiteren Weg auf den Tisch gelegt.

Und Alaba hat mit seinem Abgang, der lange als eher unrealistisch galt, das starke Blatt in die Hand der Spieler gelegt. Denn ablösefreie Abgänge von Top-Leuten, die kann sich auch der FC Bayern nicht häufiger leisten.

Quelle: ntv.de

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