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Der Abstieg des FC Rot-Weiß Erfurt ist bereits besiegelt.
Der Abstieg des FC Rot-Weiß Erfurt ist bereits besiegelt.(Foto: imago/Bild13)
Sonntag, 25. März 2018

Überlebenskampf in der 3. Liga: Erfurt schwerkrank, andere Klubs husten

Von Wolfram Neidhard

Mehrere Klubs der 3. Liga schlagen sich mit finanziellen Problemen herum. Für Rot-Weiß Erfurt geht es sogar in die klassische Insolvenz. Der DFB hat das Problem erkannt. Gemeinsam mit den Klubs will man ein "Financial Fairplay" erreichen.

Eigentlich steht ein erfreuliches Ereignis bevor: Die 3. Fußball-Liga wird nach Ablauf dieser Saison zehn Jahre alt. Hinter ihr liegt eine Dekade, in der Spannung sowohl im Aufstiegs- als auch im Abstiegskampf garantiert waren - so auch in der laufenden Spielzeit der höchsten Spielklasse des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). In der Bundesliga ist die Meisterschaft bereits entschieden, in der 3. Liga ist sie es nicht.

Das Erfurter Steigerwaldstadion wurde zu einer modernen Multifunktionsarena umgebaut.
Das Erfurter Steigerwaldstadion wurde zu einer modernen Multifunktionsarena umgebaut.(Foto: imago/VIADATA)

Fünf Mannschaften (SC Paderborn, 1. FC Magdeburg, Karlsruher SC, SV Wehen Wiesbaden, Fortuna Köln) haben noch die Chance, die 2. Bundesliga auf direktem Weg oder über die Relegation zu erreichen. In den Abstiegskampf sind noch mehr Teams involviert, nur für den FC Rot-Weiß Erfurt besteht keine Hoffnung mehr. Es herrscht Spannung bis zum letzten Spieltag. Fußballherz, was willst du mehr!

Sportlich gesehen, ist die 3. Liga interessant. Allerdings sind bei einigen Klubs die finanziellen Probleme so gravierend, dass bei den Verantwortlichen des DFB die Sorgenfalten immer tiefer werden. "Es gibt leider einige Klubs, für die die Finanzen eine Gratwanderung sind", heißt es in der Frankfurter DFB-Zentrale. Die 3. Liga wird ihr Image als Pleiteliga einfach nicht los.

Insolvenz in Erfurt - aber nicht in Eigenregie

Mit voller Breitseite hat es nun den FC Rot-Weiß Erfurt erwischt, der von Anfang an dieser Spielklasse angehört. Ein Schuldenberg von acht Millionen Euro erdrückt den Drittliga-Dino, das neue Präsidium musste Insolvenz anmelden. Durch den damit einhergehenden wahrscheinlichen Punktabzug ist es sicher, dass die Blumenstadt in der kommenden Saison Regionalliga-Fußball zu sehen bekommt.

Frank Nowag ist derzeit Präsident mit lediglich beratender Funktion.
Frank Nowag ist derzeit Präsident mit lediglich beratender Funktion.(Foto: imago/Karina Hessland)

Die Lage ist so schlimm, dass sich der Klub einem klassischen Insolvenzverfahren unterziehen wird - also keine Insolvenz in Eigenregie. Nicht RWE-Präsident Frank Nowag, sondern der vom Amtsgericht Erfurt eingesetzte Sachverwalter Volker Reinhardt führt die Geschäfte des Vereins. Dieser muss allerdings erst einmal einen Insolvenzplan erstellen und Mitarbeitern und Spielern das noch ausstehende Februar-Gehalt zahlen. Mit daran arbeiten wird ein Gläubigerausschuss, dem auch Trainer Stefan Emmerling angehört. Präsident Nowag ist somit eine Art Queen Elizabeth des Vereins, er hat in dieser Phase lediglich eine beratende Funktion.

In Erfurt hat man bereits Insolvenzerfahrung. Bereits 1997 herrschte Chaos im Klub, denn es gab einen Schuldenberg von 6,1 Millionen D-Mark. Unter dem neuen Präsidenten Klaus Neumann konnte das Verfahren damals erfolgreich abgeschlossen werden.

Reinhardt will den FC Rot-Weiß "wieder auf solide Füße stellen und sportlich in der nächsten Saison einen erfolgreichen Neustart in der vierten Liga hinlegen". Er setzt bei seinem Rettungsversuch auch auf Sponsoren und Fans. Es ist ein schwieriges Unterfangen, denn der Wiederaufstieg aus der Regional- in die 3. Liga ist unter diesen Voraussetzungen kein gesetzmäßiger Vorgang. Beim ehemaligen Bundesligisten FC Energie Cottbus, der seit der 2016/17 viertklassig ist und - ohne Insolvenz - jetzt erst wieder an die Tür zur 3. Liga klopft, kann man ein Lied davon singen.

Hansa-Manager: "Klub zu groß für 3. Liga"

Vor allem im Osten sind die Vereine finanziell nicht auf Rosen gebettet. Der ehemalige Europapokalfinalist FC Carl Zeiss Jena, der nach Lage der Dinge die Spielklasse halten wird, ist auf den belgischen Investor Roland Duchatelet angewiesen. Er erließ dem Klub vor knapp einem Jahr einen Teil des Darlehens von vier Millionen Euro, der FC Carl Zeiss muss nun lediglich zwei Millionen Euro zurückzahlen. Die seit Anfang 2014 währende Zusammenarbeit, die nicht ohne Reibungen verlief, hat allerdings ein mittelfristiges Ziel. Duchatelet hat den mittelfristigen Aufstieg in Liga zwei im Auge.

Rolf Elgeti engagiert sich beim FC Hansa Rostock.
Rolf Elgeti engagiert sich beim FC Hansa Rostock.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch beim FC Hansa Rostock ist das Geld knapp. Der letzte ostdeutsche Meister stand im Frühjahr 2012 vor der Insolvenz. Die Stadt musste einspringen, die Gläubiger verzichteten auf Teile ihrer Forderungen, und die OstseeSparkasse gewährte einen Schuldenerlass. Für den vor Saisonbeginn vom VfR Aalen an die Ostseeküste gekommenen Manager Markus Thiele ist der Klub schlichtweg zu groß, um langfristig in der 3. Liga zu überleben. Allerdings müsse das Gesamtkonstrukt passen, um den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen. "Wenn wir alle eine vernünftige Arbeit machen, alles geben und das im Umfeld auch so empfunden wird, dann wird dieser Druck (hinsichtlich des Aufstiegsziels - d.R.) nicht entstehen. Und: Wenn wir nicht aufsteigen sollten, werden wir nicht wieder bei null anfangen", sagte Thiele der "Ostseezeitung". Für Vorstandschef Robert Marien ist perspektivisch die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse alternativlos.

Der FC Hansa ist jetzt erst einmal aus dem Gröbsten raus - allerdings nur mit Hilfe eines Investors, des Berliner Immobilienunternehmers Rolf Elgeti, der seinem "Herzensverein" unter die Arme greift. Im November 2017 präsentierte der Klub seinen Mitgliedern einen Überschuss von 4,8 Millionen Euro. Darin enthalten ist allerdings ein Forderungsverzicht von Elgetis Obotritia Capital KGaA in Höhe von 8,5 Millionen Euro.

Benefiz-Schnitzelessen beim HFC

Der Karlsruher SC - auf dem Foto die Spieler Marco Thiede und Anton Fink - hegt noch Aufstiegshoffnungen.
Der Karlsruher SC - auf dem Foto die Spieler Marco Thiede und Anton Fink - hegt noch Aufstiegshoffnungen.(Foto: imago/Werner Scholz)

Solche zahlungskräftigen Investoren haben der Chemnitzer FC und der Hallesche FC - beide befinden sich im Abstiegskampf - nicht. Im vergangenen Jahr entschied der Chemnitzer Stadtrat, dem CFC mit einer Finanzspritze von 1,26 Millionen unter die Arme zu greifen. Allerdings verzichtete der Klub auf eine Entschädigung in der gleichen Höhe für das neue Stadion, das von der Stadt auf seinem Grundstück gebaut wurde.

Beim Halleschen FC setzt man im Kampf gegen die Finanzmisere auf kreative Wege. So soll ein Benefiz-Schnitzelessen dazu beitragen, dass die klaffende Etatlücke von 1,5 Millionen Euro geschlossen wird.

Aber auch im Drittliga-Westen herrscht Geldmangel. So ist Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC regelrecht dazu verdammt, den Wiederaufstieg zu schaffen. Die Chance dazu ist nach einem schwachen Saisonbeginn durchaus vorhanden. Die zweite Mannschaft wollen die Nordbadener nicht mehr für den Spielbetrieb in der Oberliga anmelden. Nach dem Abstieg hatte der KSC riesige Probleme, die Auflagen für die Lizenzierung-Erteilung zu erfüllen. Und mit 500.000 Euro war die zweite Mannschaft ein erheblicher Kostenfaktor. Glücklicherweise wird der Neubau des Wildparkstadions - die Kosten sind zwischen 113 und 177 Millionen Euro veranschlagt - vollständig aus kommunalen Mitteln finanziert.

Arbeit am "Financial Fairplay"

Auch Aufstiegsaspirant SC Paderborn, der SC Preußen Münster und der VfL Osnabrück müssen jeden Euro umdrehen. Für die ist die "schwarze Null" in der Bilanz nur schwer zu erreichen. Insgesamt sind die Finanznöte der Drittligaklubs nicht neu. In der vergangenen Saison unternahmen der VfR Aalen und der FSV Frankfurt den Schritt einer geordneten Insolvenz. Aalen konnte sogar die Klasse halten.

Eine wichtige Rolle spielen natürlich die Fernsehgelder. "Ich glaube, dass wir in der 3. Liga den gleichen Aufwand haben, eher mehr … Aber die Fernsehgelder sind halt das Zehnfache weniger", sagte der Sportvorstand des Chemnitzer FC, Steffen Ziffert, der Deutschen Presse-Agentur. Während in der 1. und 2. Bundesliga rund eine Milliarde Euro an die 36 Klubs verteilt wird, erhalten die 20 Drittligisten zusammen 12,8 Millionen Euro. Dazu kommt, dass durch Direktübertragungen in den dritten ARD-Programmen viele Fans daheim bleiben. Diese Einnahmen fehlen vielen Vereinen. In der 3. Liga ist man zu sparsamem Wirtschaften gezwungen.

Es gibt auch positive Beispiele. Der 1. FC Magdeburg schafft den Spagat, weil seine Fans ins Stadion strömen. Auch der Geschäftsführer des kleineren SV Meppen, Ronald Maul, verweist auf schwarze Zahlen. Er ruft auch an andere Klubs dazu auf, kostendeckend zu arbeiten. Beim DFB arbeitet man derweil an einem "Financial Fairplay" - gemeinsam mit den Klubs. Nachhaltig arbeitende Vereine sollen belohnt werden. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Quelle: n-tv.de