Fußball

Erst Blitzstart, dann Dominanz FC Bayern schrumpft BVB im Topspiel

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(Foto: dpa)

Nach zehn Minuten führt der FC Bayern im Bundesliga-Kracher gegen Borussia Dortmund mit 2:0, der ersatzgeschwächte BVB scheint schon geschlagen. Ein Borussen-Traumtor mit 106 km/h sorgt noch einmal für Spannung - die Bayern aber locker wieder runterdreht.

Wenn das nur das Vorspiel war, herrje! Was sich der FC Bayern München und Borussia Dortmund im Topspiel des 28. Spieltags der Fußball-Bundesliga gegenseitig angetan haben, war phasenweise zum Verrücktwerden wild oder zauberhaft schnell und dynamisch. Und es macht vor allem den Bayern-Fans große Lust auf das, was sich in der Münchner Arena am 26. April unter Knockout-Wettkampfbedingungen wiederholen wird, dann als Halbfinal-Duell des DFB-Pokals. Denn erst dann, so hatte es BVB-Coach Thomas Tuchel vorab vermutet, "werden die Karten auf den Tisch gelegt".

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BVB-Youngster Felix Passlack ging mit der Borussia in München unter.

(Foto: dpa)

Wer aber nun noch mehr Asse im Trikot hat, daraufhin bekamen die 75.000 Zuschauer im Bundesliga-Duell kaum einen Hinweis, auch wenn die Bayern das Spiel nach frühen Toren des wie immer gegen den BVB hoch motivierten Franck Ribéry (4.) und Robert Lewandowski (10., 68./Elfmeter) sowie einem typischen Arjen-Robben-Solo (49.) dominierten und souverän mit 4:1 gewannen. Für die fleißigen, aber sehr fehleranfälligen Gäste aus Dortmund hatte Europameister Raphael Guerreiro zwischenzeitlich per Wut-Hammer (21.) mit verkürzt. 106 Stundenkilometer wurden für seinen Schuss gemessen.

Blitzstart der Bayern

Die Bayern hatten das Topspiel begonnen, als hätte es die 0:1-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim während der englischen Woche am Dienstagabend nicht gegeben. Und tatsächlich war die Pleite in Sinsheim ja auch nicht so fürchterlich dramatisch, lediglich 45 Minuten ungesund lethargisch. "So etwas darf uns nicht noch einmal passieren", hatte Robben anschließend gemahnt – und diese Mahnung hallte aus Bayern-Sicht erfreulich lange nach. Bis zur 10. Minute des Gigantengipfels gegen die Borussia nämlich, bis zum fast schon vorentscheidenden 2:0.

Dass die Bayern bereits so früh einen Haken an das Spiel hätten machen können, lag nicht nur an ihrem eigenen kraftvollen und brutal effektiven Spiel – die ersten beiden Chancen waren direkt Tore – sondern auch an den eingeschüchterten Gästen. Die hatten personell fürchterlich gebeutelt, unter anderem fehlten der formstarke Shinji Kagawa und Stratege Julian Weigl, bis auf das Blitz-Solo des sonst eher schwachen Ousmane Dembélé gar keinen Zugriff auf das Geschehen in der Arena. Und wäre Robben nicht in vielen Situationen zu eigensinnig gewesen, es hätte nach 15 Minuten vermutlich schon häufiger im schwarzgelben Kasten eingeschlagen.

Was dem aufgedrehten Niederländer in dieser Phase abging, nämlich das Gespür für den Mitspieler, hatten indes seine Bayern-Kollegen. Dem ersten Treffer ging eine spektakulär-schöne Kombination über Spielmacher Thiago und Kapitän Philipp Lahm voraus, die Ribéry am Ende nur noch wenig kunstvoll verwerten musste. Auch am 2:0 war der Franzose fleißig beteiligt. Er, der sonst gegen den BVB oft mit (übertriebener) Leidenschaft auffällt, wurde kurz vorm Strafraum gelegt. Den fälligen Freistoß verwandelte Lewandowski, auch weil Dembélé sich in der BVB-Mauer amateurhaft weggeduckt hatte.

Guerreiro wirft Defibrillator an

Der Dortmunder Herzschlag, er tendierte gegen Null – bis zum Guerreiro-Hammer, der wie ein Defibrillator wirkte. Die Dortmunder waren plötzlich wieder wacher, der Ball lief mit mehr Überzeugung durch die eigenen Reihen, mehr Zweikämpfe gingen an die Gäste. Einzig es fehlte die Zielstrebigkeit zum Tor der Bayern, das ersatzweise immer noch von Sven Ulreich gehütet wurde. Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang war gar kein Faktor, er wurde von Jerome Boateng und Javi Martinez bestens aus dem Spiel genommen.

Ganz anders als Lewandowski, der durch seinen Doppelpack in der Torjägerliste wieder am Gabuner vorbeizog. Der Pole war überall unterwegs und permanent anspielbar, lieferte sich heftige Zweikämpfe und verwandelte beide Standard-Möglichkeiten. Bitter für die Bayern, dass er sich nach rüdem Einsteigen gegen BVB-Verteidiger Marc Bartra in der wilden Schlussphase der ersten Halbzeit mit zwei umstrittenen, aber nicht geahndeten Handspielen auf beiden Seiten, die fünfte gelbe Karte abholte und damit gegen Bayer Leverkusen nächste Woche fehlt.

Robben-Trick funktioniert wieder

Die Bayern werden es aber verschmerzen können, weil der Vorsprung in der Liga auf Verfolger RB Leipzig weiter konstant bei großzügigen zehn Punkten steht und sie genug andere Spieler im Kader haben, die Tore erzielen können. Zum Beispiel halt Arjen Robben, der die zweite Halbzeit zu seinem persönlichen Topspiel machte und weder von Dembélé noch von BVB-Kapitän Marcel Schmelzer gehalten werden konnte. Das schnelle 3:1 war nur der Höhepunkt seiner zahlreichen berauschenden Dribblings und gefährlichen Abschlüsse.

Und auch wenn die Spannung durch den schnellen Robben-Treffer nach der Pause aus dem Spiel war, blieb der BVB immer latent im Spiel – und hätte Jerome Boateng einen Ball von Aubameyang, seinen zweiten Abschluss im Topspiel, nicht noch mit einer Heldengrätsche von der Linie gekratzt (67.), wäre vielleicht nochmal das Feuer der ersten Halbzeit zurückkehrt. Dann wäre womöglich auch die Hoffnung zurückgekommen, doch noch ein Remis erkämpfen und damit Hoffenheims Pleite beim Hamburger SV mit der Rückkehr auf Rang drei ausnutzen zu können.

So aber fingen sich die Schwarzgelben im Gegenzug das 1:4, nachdem BVB-Keeper Roman Bürki den frei vor ihm aufgetauchten Lewandowski gelegt und der selbst per Strafstoß zu seinem 26. Saisontor verwandelt hatte. Alle Trümpfe werden die Borussen wohl erst am 26. April auf den Tisch legen - und dann hoffen, dass sie auch stechen.

Quelle: ntv.de

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