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Klopp siegt, City sorgt sich Fällt der Titelkampf in England aus?

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Pep Guardiola und Jürgen Klopp: Fällt der große Zweikampf diese Saison etwa aus?

(Foto: imago images / Focus Images)

Der FC Liverpool hat in der Premier League schon früh einen komfortablen Vorsprung auf seinen großen Herausforderer Manchester City. Warum? Und: Was heißt das für das Titelrennen? Oder gibt es in dieser Saison überhaupt ein ernsthaftes Titelrennen?

Pep Guardiola war ratlos. Das lag an dem Spiel, das seine Mannschaft bei Norwich City gezeigt hatte, und an der Frage, mit der er im Presseraum des Stadions an der Carrow Road konfrontiert wurde. 2:3 hatte Manchester City beim mutigen Aufsteiger verloren. Es war die erste Liga-Niederlage für den Meister seit Ende Januar. Sie vergrößerte den Rückstand auf Tabellenführer FC Liverpool auf fünf Punkte. So groß war die Lücke zwischen dem Ersten und Zweiten in der Premier League nach fünf Spieltagen noch nie. Die Frage lag nahe, wie Guardiola die Lage an der Spitze der Rangliste einschätze. "Was soll ich sagen? Soll ich Liverpool jetzt schon gratulieren? Es ist erst September", sagte der ehemalige Bayern-Coach.

Was er ausdrücken wollte, ist klar: Die Saison ist noch lang. Es ist noch genug Zeit, den Rückstand aufzuholen. Damit hat er ohne Zweifel Recht. Trotzdem ist die Konstellation bemerkenswert. In der vergangenen Spielzeit lieferten sich Manchester City und Liverpool ein Meisterschaftsrennen für die Geschichtsbücher. Am Ende landete Guardiolas Mannschaft nur einen Punkt vor der von Jürgen Klopp. Die allgemeine Erwartung war, dass es in dieser Runde einen ähnlich engen Zweikampf um den Titel geben würde. Dafür sind fünf Punkte nach fünf Spielen schon ein beachtlicher Unterschied. Für diesen Unterschied gibt es Gründe.

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Der FC Liverpool, beflügelt vom Gewinn der Champions League, macht in der neuen Saison einfach weiter, wie er die vergangene beendet hat und hat als einziges Team in der Premier League alle Spiele gewonnen. Am Sonntag soll die Serie beim FC Chelsea fortgesetzt und der Frust über das 0:2 in der Champions League in Neapel vertrieben werden. Bisher hat Klopps Mannschaft in der Liga allen Widrigkeiten getrotzt. Die verkürzte Vorbereitung des Sturmtrios Sadio Mané, Mohamed Salah (Africa Cup of Nations) und Roberto Firmino (Copa América) hat den Reds ebenso wenig zugesetzt wie der Ausfall von Stammtorwart Alisson, die Egoismus-Debatte um Mané und Salah und zuletzt der frühe Rückstand im Heimspiel gegen Newcastle United. Bevor Zweifel aufkommen konnten, drehte Liverpool die Partie und gewann 3:1.

Strukturelle Probleme bei City

Auch Manchester City hat schon ein paar Ergebnisse eingefahren, die an die vergangenen beiden Meister-Spielzeiten erinnerten. 5:0 gegen West Ham, 3:1 gegen Bournemouth, 4:0 gegen Brighton. Der erste Punktverlust beim 2:2 gegen Tottenham Hotspur trotz drückender Überlegenheit wurde noch als schräge Laune des Schicksals (und des VAR) abgetan. Die Niederlage in Norwich dagegen wies auf strukturelle Mängel hin. Der Angriff wirkte stumpf, die Verteidigung leistete sich groteske Fehler.

Dieser Mannschaftsteil wird Guardiola noch ein paar Sorgen bereiten. Nach dem Weggang von Vincent Kompany und der Verletzung von Aymeric Laporte und John Stones hat der Trainer nur noch einen gesunden Innenverteidiger, nämlich Nicolás Otamendi. Beim soliden 3:0 bei Schachtar Donezk in der Champions League machte Mittelfeld-Routinier Fernandinho ein starkes Spiel als Aushilfe in der Abwehrmitte. Die Ideallösung ist das Duo Otamendi/Fernandinho allerdings nicht, da sich beide schon im fortgeschrittenen Alter befinden. Was also tun? Dem FC Liverpool wirklich schon zum Titel gratulieren? Natürlich nicht.

Liverpool trotzt Patzern - noch

Auch Klopps Mannschaft hat Schwächen, wenn man hinter die Ergebnisse schaut. Die Abwehr ist nicht immer auf der Höhe. Nach fünf Spieltagen haben die Reds schon vier Gegentore in der Akte stehen, doppelt sie viele wie in der Vorsaison zum gleichen Zeitpunkt. Der als unfehlbar bekannte Virgil Van Dijk zeigte mit einem Patzer in Neapel, dass er doch fehlbar ist. Ersatztorwart Adrián hat dem Gegner auch schon ein Tor geschenkt, nämlich beim 2:1 gegen Southampton.

Liverpool hat sich im Sommer quasi nicht verstärkt. Das könnte sich im Verlauf der Saison als Nachteil erweisen. Die Belastung ist durch die Klub-WM im Dezember größer als ohnehin schon. Außerdem wird bei den Lobpreisungen für die vergangene Saison gerne unterschlagen, dass Klopps Mannschaft zwischen Januar und Anfang März einen Sieben-Punkte-Vorsprung verspielte. Es ist noch genug Zeit für Manchester City, das Titelrennen zum eigenen Vorteil zu gestalten. Größer werden sollte der Rückstand allerdings auch nicht.

Quelle: n-tv.de

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