Fußball

Pokal-Showdown gegen seinen BVB Für 90 Minuten entliebt sich Kevin Großkreutz

Weltmeister, Dönerwerfer, Lobby-Pinkler: Kevin Großkreutz hat in seiner Karriere viel erlebt. Doch eines ist immer geblieben - die Liebe zum BVB. Jetzt geht für ihn ein Traum in Erfüllung. In der ersten Runde des DFB-Pokals trifft er mit dem KFC Uerdingen auf seine alte Flamme.

Mit glänzenden Augen und leicht stockender Stimme erinnert sich Kevin Großkreutz an seine goldenen Zeiten bei Borussia Dortmund. "Das wird mir keiner mehr nehmen. Das wird mir immer bleiben", sagt der 31-Jährige auf einer Pressekonferenz. Nach vielen Querelen auf dem Feld wie auch abseits des Feldes kickt Großkreutz mittlerweile in der Dritten Liga. Am Freitag darf er noch einmal mit der Borussia aufs Feld laufen, wenn er in der ersten Runde des DFB-Pokals mit dem KFC Uerdingen auf seine große Liebe trifft.

Für das "emotionalste Spiel seit langer Zeit" hat der Abwehrspieler 200 Karten für seine Freunde und Familie geordert. "Ich werde fast einen eigenen Block haben", sagt Großkreutz. Ein Lächeln macht sich breit. Und er schiebt nach: "Dann weiß ich, wo gejubelt wird, wenn Dortmund ein Tor schießt." Schenken will er seinen alten Kollegen dennoch nichts. "Für 90 Minuten kenne ich keine Freunde", erklärt er. Anschließend werde er wieder BVB-Fan sein.

Schwarz-Gelb waren bereits die Anfänge von Großkreutz' bewegender Fußball-Vita. Die Liebe zum BVB wurde ihm bereits in die Wiege gelegt. Mit vier Jahren fing er in Kemminghausen mit dem Fußballspielen an. Hier hatte schon sein Vater gekickt, von dem er die Leidenschaft für den Sport erbte. Als Großkreutz sieben Jahr alt war, schenkte der ihm seine erste Dauerkarte für Borussia Dortmund und nahm ihn mit auf die Südtribüne.

Dönerwurf-Eklat und Pinkel-Affäre

Lange bevor Großkreutz für den BVB gespielt hat, war er Fan des Vereins. Und bis heute hält er Dortmund die Treue. In der Zeit als BVB-Profi hat Großkreutz die besten Momente seiner Karriere erlebt. Zweimal deutscher Meister, einmal Pokalsieger und 2014 Weltmeister in Brasilien mit der Nationalmannschaft, allerdings als einer von drei Feldspielern ohne Einsatz. An diese Glanzzeiten erinnern drei Tattoos auf seiner linken Schulter: WM-Trophäe, Meisterschale und DFB-Pokal sind dort verewigt.

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2017 endet ein nächtlicher Ausflug mit Jugendspielern des VfB Stuttgart für Kevin Großkreutz 2017 im Krankenhaus. Mit einem Veilchen auf dem rechten Auge und unter Tränen muss er den Verein anschließend verlassen.

(Foto: picture alliance / Lino Mirgeler)

Doch im Laufe seiner Profi-Karriere hat sich Großkreutz auch viele Verfehlungen geleistet. Er war in Schlägereien verwickelt, sorgte mit seinem Dönerwurf für Schlagzeilen und urinierte kurz vor der WM 2014 in eine Berliner Hotellobby. Manchmal hatte er aber auch einfach nur Pech: Nachdem Großkreutz bei seinem Heimatverein Dortmund nicht mehr angesagt war, wollte er 2015 in der Türkei Fuß fassen. Doch sein neuer Klub Galatasaray Istanbul vergaß Unterschriften in seinem Vertrag, so erteilte die Fifa Großkreutz keine Spielberechtigung. Er ging trotzdem in die Türkei, wollte sich bis zur nächsten Transferperiode im Training fit halten. Das Pendeln zwischen der türkischen Metropole und seiner Familie in Dortmund gefiel ihm allerdings nicht. Also wechselte er für 2,2, Millionen Euro zum VfB Stuttgart - ohne auch nur ein einziges Spiel bestritten zu haben.

In Stuttgart fügte sich Großkreutz eigentlich gut ein. Trotz des Abstiegs aus der Bundesliga blieb er und absolvierte 17 Partien beim damaligen Tabellenführer der Zweiten Bundesliga. Nach einer verheerenden Saufnacht endet allerdings auch dieses Kapitel abrupt. Mit minderjährigen Nachwuchskickern des VfB soll er losgezogen sein und sogar ein Bordell besucht haben. Anschließend geriet er in eine Schlägerei, die ihn mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus brachte.

"Das wird ein geiles Spiel!"

Unter Tränen und mit einem blauen Auge muss er den Verein verlassen. Bei Darmstadt 98 erhielt Großkreutz eine neue Chance. 2018 wechselte er zu Uerdingen. "Ich bin der, der ich bin. Ich kann mich nicht ändern", sagt Großkreutz n-tv. Für seine Fans muss er das auch nicht. Mit Einsatz, Kampf und Leidenschaft spielte er sich in ihre Herzen. In Großkreutz steckt mehr Dortmund als in den meisten gegenwärtigen BVB-Fußballern.

Dementsprechend wird es für ihn auch ein bisschen komisch sein, am Freitag gegen seine Freunde und Familie spielen zu müssen, gesteht Großkreutz. Dennoch kann er es kaum abwarten. Seit Tagen fiebert er dem Rendezvous mit seiner großen Liebe entgegen. Doch beinahe wäre sein Einsatz im Pokalspiel geplatzt. Wegen seines krass sportwidrigen Verhaltens im Drittligaspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach wurde Großkreutz für mindestens vier Meisterschaftsspiele gesperrt - im Pokal bleibt er allerdings spielberechtigt.

"Die Aktion war sehr unüberlegt", entschuldigt sich Großkreutz, nachdem er Dimitry Imbongo in die Wade getreten hatte. "Wir wollen uns aber voll auf das Spiel am Freitag konzentrieren. Das wird ein geiles Spiel!" Auch seine alten Kameraden freuen sich auf das Wiedersehen. Mit BVB-Kapitän Marco Reus wird er nach Spielschluss das Trikot tauschen, ein Besuch in der BVB-Kabine wurde bereits angekündigt. Doch vorher will Großkreutz beweisen, dass er auch nach seinem Abschied von den Schwarz-Gelben im Sommer 2015 noch immer Fußball auf hohem Niveau spielen kann. Vor möglichen Duellen mit seinem Freund Reus oder Jungstar Jadon Sancho hat er jedenfalls keine Angst: "Ich habe mich immer jedem Gegenspieler gestellt. Ich freue mich auf die Duelle."

Quelle: n-tv.de

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