Fußball

Abserviert, Ruhestand, 3. Liga Wo sind all die Weltmeister von 2014 hin?

Die Weltmeister-Klasse von 2014: Drei sind noch dabei, drei seit Kurzem nicht mehr. Und der Rest?

Die Weltmeister-Klasse von 2014: Vier sind noch dabei, drei seit Kurzem nicht mehr. Und der Rest?

(Foto: imago/Laci Perenyi)

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Eine große Ära des deutschen Fußballs ging mit der Ausbootung eines Bayern-Trios zu Ende: Von den 2014er-Weltmeistern sind nach der zwangsweisen Fußballfrühverrentung von Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels nur noch vier Spieler Teil der DFB-Zukunft. Erinnern Sie sich noch, wer im Kader stand, wann ein- und ausgewechselt (oder gar nicht eingesetzt) wurde, wann die Rio-Helden nach dem WM-Triumph von selbst aufhörten oder sich von Bundestrainer Joachim Löw zu Auslaufmodellen erklären und aussortieren ließen - und was sie heute machen? Wir helfen Ihnen in Text und Grafik beim Blick zurück.

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TOR

MANUEL NEUER: "Manu, der Libero", der im Achtelfinale gegen Algerien das Torwart-Spiel auf ein neues offensives Niveau gehoben hat, musste zuletzt hoffen, nicht vom Innovator zum Auslaufmodell zu werden. Mit einer Topleistung in seinem 86. Länderspiel half er, das 3:2 gegen die Niederlande zu sichern – und damit auch seinen Status als Nummer 1.

ROMAN WEIDENFELLER: Der Torhüter war einer von fünf Null-Minuten-Weltmeistern. Debütiert hat der Dortmunder im November 2013 im Freundschaftsspiel gegen England (1:0). Da war er immerhin schon 33 Jahre, 3 Monate und 13 Tage alt. Sein einziger Einsatz in einem Pflichtspiel: Am 13. Juni 2015 in der EM-Qualifikation gegen Gibraltar. Deutschland gewann 7:0 und Weidenfeller stand 90 Minuten mehr oder weniger arbeitslos im Tor. Beim BVB bekam er deutlich mehr zu tun, bis er zum Ende der abgelaufenen Saison seine Karriere beendete. Seitdem arbeitet der 38-Jährige als Experte beim TV-Sender Nitro.

RON-ROBERT ZIELER: Am 11.11.2011 debütierte der Torhüter in der Nationalmannschaft. Dem Spiel gegen die Ukraine folgte ein knappes Jahr Pause, dann durfte er 30 Minuten im Test gegen Argentinien ran, dann fast zwei Jahre Pause und er durfte eine Halbzeit im Freundschaftsspiel gegen Polen mitwirken. Beim WM-Triumph saß er nur auf der Bank und spielte anschließend noch drei weitere Freundschaftsspiele. Das letzte ist auch schon fast vier Jahre her. In den Plänen von Bundestrainer Joachim Löw dürfte er keine Rolle einnehmen. Beim VfB Stuttgart ist er allerdings Stammkeeper. Beim Abstiegskandidaten kassierte er in dieser Saison jedoch schon 56 Gegentore.

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ABWEHR

JÉRÔME BOATENG: Von Löw ausgebootet und darüber tieftraurig ist der Verteidiger, "weil es für mich immer das Allergrößte war, mein Land zu repräsentieren". Nach 76 Länderspielen ist Schluss für den gebürtigen Berliner. Dabei glaubt der 30-Jährige, er könne "weiterhin auf höchstem Niveau spielen". Das zeigt er allerdings beim FC Bayern München nur zeitweise, erst 17 Einsätze bekam er in dieser Saison. Er muss sich mit dem ebenfalls von Löw geschassten Mats Hummels die Position neben dem gesetzten Niklas Süle teilen. Auch wenn seine besten Jahre vorbei sind, die Erinnerung an eine Ära in der Nationalmannschaft bleibt: Boateng war nicht nur Weltmeister, sondern auch WM-Dritter von 2010 sowie EM-Halbfinalist 2012 und 2016.

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Erik Durm spielt heute gegen den Abstieg in England.

(Foto: imago/Moritz Müller)

ERIK DURM: Der Linksverteidiger fuhr mit einem Länderspiel auf dem schmalen Rücken als WM-Tourist nach Brasilien und konnte dort den WM-Titel feiern. Auch anschließend spielte er keine Rolle im Löw-Team, war lediglich in der EM-Qualifikation beteiligt, spielte aber schon ein Jahr nach dem Triumph keine Rolle mehr. Auch beim BVB bekam er keine Einsätze und zog schließlich im Sommer 2018 von dannen Richtung England. Beim Tabellenletzten Huddersfield Town spielt er immerhin regelmäßig. Bei Löw dürfte das keinen Eindruck hinterlassen.

KEVIN GROßKREUTZ: Man darf darüber streiten, ob Großkreutz einer dieser viel geforderten "Typen" ist, eine tragische Figur oder auch beides. Was der Dortmunder in jedem Falle nicht mehr ist: Bundesligaspieler. Nach Döner-Wurf, Lobby-Pinkelei und Rotlicht-Schlägerei hat der Ohne-Einsatz-Weltmeister nach dem Abschied vom VfB Stuttgart und einer Zwischenstation beim SV Darmstadt 98 seine sportliche Heimat nun in Uerdingen in der Drittklassigkeit gefunden. Wahrscheinlich ist "Fischkreutz" zufrieden, einfach nur Fußball spielen zu können. Das letzte von sechs Länderspielen bestritt der heute 30-Jährige am 3. September 2014 gegen Argentinien (2:4). Um ein Haar wären es sogar sieben Länderspiele gewesen. In der 112. Minute des WM-Finales machte sich Großkreutz bereits zur Einwechslung bereit - nur um dann doch nicht eingewechselt zu werden. Auch irgendwie typisch.

MATTHIAS GINTER: Muss man auch erstmal schaffen: Bei zwei Weltmeisterschaften im Kader – ohne eine einzige Einsatzminute. Aber Zuverlässigkeit ist eine Tugend und Ginter ist ohne Zweifel ein besonders tugendhafter Verteidiger. Das macht den Gladbacher zu einem typischen Löw-Nationalspieler, der aber beim großen Umbruch trotz des Abschieds zweier Innenverteidiger weiterhin nicht auf seiner Stammposition zum Zuge kommt. Bei der "Wiederauferstehung" (die spanische Sportzeitung "AS") der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande verteidigte Ginter aber 90 Minuten auf der rechten Seite in der Viererkette. Und das überaus tugendhaft!

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Allesspieler Höwedes.

(Foto: imago/MIS)

BENEDIKT HÖWEDES: Das hätte man wohl Anfang des Weltmeister-Jahres 2014 auch nicht gedacht: Höwedes stand jede einzelne der 690 deutschen WM-Minuten auf dem Platz, verdienter kann man sich kaum "Weltmeister" nennen. Und beinahe wäre der damalige Schalker ja sogar noch zum Siegtorschützen geworden, doch sein mächtiger Kopfball klatschte kurz vor Ende der ersten Halbzeit im Finale gegen den argentinischen Pfosten. Mehr Pech hatte Höwedes nur 2017 mit dem unfreiwilligen Abschied von "seinem" FC Schalke 04. Ausgemustert von Trainer Domenico Tedesco, ging es zunächst zu einem glücklosen Engagement zu Juventus Turin, inzwischen verteidigt der 31-Jährige in Russland für Lokomotive Moskau. Das letzte Länderspiel des Weltmeisters unter den Weltmeistern war ein überaus unglamouröses 4:1 gegen Aserbaidschan am 26. März 2017.

MATS HUMMELS: Für den FC Bayern reicht es trotz Geschwindigkeitsdefiziten noch, in der Nationalmannschaft ist Schluss: Löw braucht in Zukunft keine Heldengrätschen Marke Hummels mehr, auch kaiserlich anmutende Außenrist-Spieleröffnungen aus der Innenverteidigung sind nicht mehr gefragt. Für Hummels ging durch die Ausbootung im März eine erfolgreiche Länderspiel-Karriere zu Ende, in der es zum Schluss einfach nicht mehr gelangt hat. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn der Münchener kurz vor Schluss gegen Südkorea aus wenigen Metern diese eine Özil-Flanke wie zuvor Hunderte Male im Training einfach rein geköpft und die deutsche Elf ins Achtelfinale geführt hätte?

PHILIPP LAHM: Als der Kapitän seine Nationalmannschaftskarriere direkt nach der WM 2014 beendete, kam das für viele überraschend - und viel zu früh. Nach 113 Einsätzen im DFB-Trikot spielte Lahm schließlich noch bis zum Sommer 2017 weiter für den FC Bayern. Mit den Münchnern wurde er noch zweimal Deutscher Meister, holte den DFB-Pokal und stand zweimal im Halbfinale der Champions League. Lahm arbeitete schon während seiner Fußballkarriere als Unternehmer und ist etwa am Naturkosthersteller "Schneekoppe" beteiligt. Sein Einsatz als TV-Experte war dagegen weniger erfolgreich: Die ARD hatte sich laut Sportkoordinator mehr vom "Erfahrungsschatz" Lahms gewünscht.

PER MERTESACKER: Der Abwehrhühne beendete wie Philipp Lahm und Miroslav Klose direkt nach dem WM-Titel seine Karriere in der Nationalmannschaft. Beim FC Arsenal spielte er dagegen noch weiter - bis zum Sommer 2018. Laut transfermarkt.de pausiert der Niedersachse allerdings nur - weil er für seinen Jugendverein TSV Pattensen spielberechtigt ist. "Ich kann noch nicht genau sagen, wann ich das erste Mal dabei sein werde. Sicher ist nur, dass ich hauptsächlich für die Ü32-Mannschaft auflaufen werde, da spielen ja einige meiner Freunde", zitierte ihn der "LeineBlitz" im Januar. Hauptamtlich ist Mertesacker seit seinem Karriereende Leiter der Nachwuchsakademie von Arsenal. Sein Ziel: "Wir wollen junge Leute fürs Leben ausbilden", sagte er im Interview mit werder.de. Sollte Pressearbeit zum Unterricht der Jugendlichen gehören, kann Mertesacker ein amüsantes Beispiel bieten. Sein legendäres "Eistonnen"-Interview bei der WM 2014.

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(Foto: imago/ActionPictures)

SHKODRAN MUSTAFI: Der Innenverteidiger kann auch dank Bundestrainer Joachim Löw auf eine recht ordentliche Vereinskarriere blicken. Als er von Löw im Mai 2015 erstmals in der DFB-Elf aufgestellt wurde, spielte er bei Sampdoria Genua - und war in Deutschland weitestgehend unbekannt. Nach der WM wechselte er zum FC Valencia und 2016 schließlich zum FC Arsenal, wo der mittlerweile 26-Jährige immer noch spielt. Bis Oktober 2017 trug er 20 Mal das DFB-Trikot, zuletzt bei der WM-Qualifikation beim 5:1 gegen Aserbaidschan. Obwohl er beim Premier-League-Klub regelmäßig zum Einsatz kommt, spielt er in den Plänen von Löw offenbar keine Rolle mehr.

MITTELFELD/ANGRIFF

JULIAN DRAXLER: Der Aufschwung des Mittelfeldspielers nahm so richtig während des Confed Cups 2017 Fahrt auf. Beim überraschenden Triumph der deutschen "B-Elf" reifte er zum Anführer, nachdem es bei der WM 2014 nur zu 14 Minuten Spielzeit im Halbfinale gereicht hatte. Sein Talent hatte auch Paris Saint-Germain registriert und den gebürtigen Gladbecker im Januar 2017 vom VfL Wolfsburg gekauft, wohin Draxler 2015 gewechselt war. In Paris spielt er mit den Weltstars Kylian Mbappé und Neymar zusammen - und das regelmäßig, wenn er nicht - wie aktuell -  verletzt ist. Draxler gehört zu den letzten vier verbliebenen 2014er-Weltmeistern, die auch aktuell im Löw-Kader stehen.

SAMI KHEDIRA: Im Vergleich zum MüllerBoatengHummels-Bohei war der Aufschrei nach der Ausmusterung von Khedira ein leises Flüstern, obwohl der Juventus-Profi viele Jahre eine mindestens ähnlich bedeutsame Rolle im Löw-Ensemble gespielt hatte, wie das Bayern-Trio. Khedira, der 77 Länderspiele machte, war das erste "Umbruch-Opfer" nach dem WM-Desaster von 2018, der 0:2-Untergang gegen Südkorea war der letzte Auftritt des ehemaligen Stuttgarters mit dem Adler auf der Brust. "Wir haben einmal gesprochen nach der Weltmeisterschaft, das war ein längeres Gespräch", verriet der 31-Jährige im vergangenen Herbst. "Momentan hat er viel zu tun, ich viel zu tun und deswegen haben wir momentan keinen Kontakt." Offiziell zurückgetreten ist der Mittelfeldspieler nie, mit einem Löw'schen Dauerbann belegt wurde er auch nicht. Eine Rückkehr des Weltmeisters ist angesichts des mehr als soliden Personalbestands in der Zentrale eher unwahrscheinlich.

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CHRISTOPH KRAMER: "Schiri, ist das das Finale?" Mit diesem Satz im WM-Finale 2014 gegenüber Schiedsrichter Nicola Rizzoli wurde der Mittelfeldmann endgültig berühmt. Kramers Blackout nach dem Zusammenprall mit Argentiniens Ezequiel Garay ist legendär. In der 31. Minute musste er ausgewechselt werden - und kann sich bis heute nicht an seine Finalteilnahme erinnern. Bitter. Denn für den heute 28-Jährigen folgten nur sieben Auftritte im Nationaltrikot, davon vier bei Freundschaftsspielen. Vor der EM 2016 war dann Schluss für den Spieler von Borussia Mönchengladbach. Eine Art Nationalmannschafts-Wiedergeburt erlebte Kramer bei der WM 2018 - als Experte des ZDF. Ein Einsatz, für den er im Gegensatz zu seinen spielenden Kollegen gefeiert wurde. Im Klub sitzt er in dieser Saison häufig auf der Bank und wird von Trainer Dieter Hecking nur zeitweise im defensiven Mittelfeld aufgestellt.

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Toni Kroos spielt immer noch bei Löw.

(Foto: imago/Sven Simon)

TONI KROOS: Bernd Schuster sagte zuletzt über den Mittelfeldregisseur, er sei wie ein "Dieseltraktor und macht nichts". Das konnte der gebürtige Greifswalder in Diensten von Real Madrid nicht auf sich sitzen lassen: "'Macht nichts' ist ja keine Kritik, sondern einfach nur Quatsch." Im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande bewies er seine Klasse als unverzichtbarer Taktgeber. Bei Real spielt er in dieser Saison dagegen keine unangefochtene Rolle - er musste sich zuletzt des Öfteren mit Auswechslungen abfinden. Dass er schon 29 Jahre alt ist und 92 Länderspiele absolviert hat, scheint Löw bei ihm nicht zu bemängeln. Er erklärte Kroos für "unverzichtbar", und so dürfte er bei der EM 2020 auf jeden Fall gesetzt sein.

MESUT ÖZIL: Für viele Beobachter jahrelang in der Nationalmannschaft quasi unsichtbar, dann auf einmal an allem Schuld: Özil trat nach der WM via Twitter aus der #diemannschaft zurück, das allseits zerschlagene Porzellan sammeln sie rund um Frankfurt heute noch auf. Zwischen blankem Rassismus, kontroverser Integrationsdebatte und schnödem Populismus wurde der seinerseits außerhalb des Feldes mindestens unglücklich agierende Fußballer quer durch die Republik diskutiert. DFB-Präsident Reinhard Grindel machte in der ganzen Causa eine ganz schlechte Figur, erst Uli Hoeneß "rehabilitierte" Grindel durch seine "Özil spielt seit Jahren den größten Dreck!"-Tirade und lieferte seinerseits den beschämendsten Debattenbeitrag aus der professionellen Fußballszene. Heute spielt Özil weiterhin, aber mehr oder weniger oft und gut für Arsenal - von der deutschen Öffentlichkeit größtenteils unbehelligt. Zumindest so lange er nicht Recep Tayip Erdogan zum großen Thema macht. Beispielsweise durch eine Hochzeitseinladung für den türkischen Autokraten.

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Schweinsteiger war einfach nicht kleinzukriegen.

(Foto: imago/Jan Huebner)

BASTIAN SCHWEINSTEIGER: Mehr Titan, mehr Legende geht nicht: Mit klaffender Kopfwunde schädelte sich Schweinsteiger durch die Endphase des Endspiels, immer wieder übel attackiert von rüden Argentiniern, mehr resigniert, denn verärgert, nur um am Ende zu triumphieren. Der geschundene Ex-Schweini schenkte Fußball-Deutschland die lächelnde Fratze des großen Sieges. Gestoppt werden konnte der große Kämpfer später nur von den Verantwortlichen des FC Bayern, die dem Helden aus der eigenen Jugend keine sportliche Perspektive mehr bieten konnten und später bei Manchester United von dem gnadenlosen José Mourinho, der den Publikumsliebling links liegen ließ. Schweinsteiger durfte zwar zur Europameisterschaft 2016 noch einmal mitfahren, konnte seiner Mannschaft aber nicht mehr entscheidend helfen. Im Gegenteil: Sein Ende in der Nationalmannschaft leitete der Bayer mit "seinem" Handelfmeter im Halbfinale gegen Frankreich selbst ein, im ersten Freundschaftsspiel nach der EM machte Schweinsteiger gegen Finnland (2:0) sein 121. und letztes Länderspiel. Seit März 2017 spielt er in der Major League Soccer für Chicago Fire. 

MARIO GÖTZE: "Mach' ihn, mach' ihn, er macht ihn!" Mit diesen Worten schrie ARD-Kommentator Tom Bartels den in der 88. Minute eingewechselten Götze im WM-Finale 2014 zum Tor in der 113. Minute. Der Held war geboren, Jubel stürzte auf Götze ein. Die Erwartungen und der Ruhm taten dem Offensivmann nicht gut. Nach drei Jahren beim FC Bayern München kehrte er geläutert zu Borussia Dortmund zurück. Dort konnte er zunächst kaum spielen, weil ihm eine Stoffwechselkrankheit zu schaffen machte. Seit dieser Saison läuft es wieder ganz ordentlich, für Löw aber kein Grund den mittlerweile 26-Jährigen auch wieder in die Nationalmannschaft zu berufen. "Ich habe registriert, dass Mario Götze sehr gut gespielt hat", sagte der Bundestrainer jüngst. Für die Spiele im März war Götze aber "kein Thema".

MIROSLAV KLOSE: 137 Länderspiele, 71 Tore, davon 16 bei Weltmeisterschaften - die Statistik spricht für Klose. Findet auch Löw, der der Zeitungsgruppe G14 jüngst sagte: "Ein Stürmertyp wie Miro Klose fehlt uns schon." Nach der WM 2014 beendete er seine Karriere in der Nationalmannschaft - nach 13 Jahren im DFB-Trikot. 2001 hatte er unter Rudi Völler debütiert und sich auch abseits des Platzes mit seiner höflichen Art in die Herzen der Fans gespielt. Im Sommer 2016 hängte er seine Fußballschuhe nach fünf Jahren bei Lazio Rom endgültig an den Nagel. Der Kontakt zu Löw ging nie verloren, im Katastrophenjahr 2018 gehörte er zu seinem erweiterten Stab. Außerdem gibt er sein Handwerk bei seinem Ex-Klub FC Bayern weiter: als Trainer der U17. Seine Mannschaft ist in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest standesgemäß Tabellenerster.

THOMAS MÜLLER: Er durfte die 100 voll machen, aber nun ist wohl für immer Schluss für den 29-Jährigen. In Löws Planungen spielt der Bayern-Stürmer keine Rolle mehr. Und so wird seine Einwechslung im Nations-League-Spiel gegen die Niederlande im November wohl sein letzter Einsatz bleiben - was Müller natürlich ordentlich missfällt. Er sei "einfach sauer" verkündete er nach dem "vorgefertigten Statement seitens des DFB". Seine 38 Tore im Nationaltrikot waren häufig kurios und spaßig anzusehen, seine staksigen Aktionen machten ihn für den Gegner nicht ausrechenbar. Doch auch beim FC Bayern zählt Müller nicht mehr zur Stammelf, die Argumente für einen 101. Einsatz sind dünn.

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Ein legendäres Bild ...

(Foto: imago/Fotoarena International)

LUKAS PODOLSKI: Podolski, mit 130 Länderspielen hinter Lothar Matthäus (150) und Klose (137) die Nummer drei in der DFB-Geschichte, war 2014 schon mehr Gute-Laune-Onkel als sportliche Stütze, nur 54 Minuten stand er in Brasilien auf dem Platz. Nach der Weltmeisterschaft ging es für den Kölner auf Wanderschaft: Von Arsenal wechselte der Stürmer leihweise zu Inter Mailand, nach der Rückkehr ging es weiter zu Galatasaray Istanbul, inzwischen lässt Poldi seine Karriere in Japan bei Vissel Kobe ausklingen. Aus der Nationalelf verabschiedete sich "Prinz Poldi" endgültig aber erst 2017 – und zwar standesgemäß: Der Rekordtorschütze des Monats nagelte gegen England seinen Abschiedstreffer ins Netz und erzielte damit im letzten Länderspiel seiner Karriere sein erstes Tor des Jahres. In seiner Heimatstadt Köln betreibt er eine Döner-Bude und zwei Eisläden.

ANDRÉ SCHÜRRLE: Schürrle ist wohl das große uneingelöste Versprechen des 2014er-Kaders: Dosenöffner beim Algerien-Wahnsinn, zweifacher Torschütze gegen unglückliche Brasilianer, Flankenläufer und Vorlagengeber im Endspiel – und dann? Nichts mehr. Nichts, außer einem gewaltigen Berg an Geld, der rund um die regelmäßigen Wechsel des ehemaligen Mainzers bewegt wurde. Bei beinahe 100 Millionen Euro an Transfererlösen steht der 28-Jährige nach Transfers zu Bayer Leverkusen, zum FC Chelsea¸ zum VfL Wolfsburg und zu Borussia Dortmund inzwischen. Die 400.000 Euro Leihgebühr für die laufende Saison, die der FC Fulham für den Stürmer nach Dortmund überweist, sind da nur Peanuts. In London ist Schürrle zweitbester Torschütze seines Klubs, den Abstieg aus der Premier League wird er aber wohl nicht verhindern können. Gut möglich, dass der Weltmeister im Sommer wieder beim BVB aufschlägt und dort um Einsatzzeiten auf dem linken Flügel kämpft.

Quelle: n-tv.de

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