Fußball

"Not for fucking Pay-TV" Fußballfans wehren sich gegen Ausverkauf

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Klare Ansage im Freiburger Schwarzwaldstadion.

(Foto: imago/RHR-Foto)

Mit einem Stimmungsboykott bei den Spielen der höchsten drei Ligen protestieren Fußballfans gegen den DFB, die DFL, die Zersplitterung der Spieltage und den Ausverkauf ihres Sports. Für den Verband kommt das zur Unzeit, steht doch die Vergabe der EM 2024 an.

Mit einer bundesweiten Stadion-Aktion haben Deutschlands Fußballfans den Druck auf DFB und die DFL erhöht. In den vier Bundesligastadien protestierten zahlreiche Anhänger zum Auftakt des zweigeteilten fünften Spieltags am Dienstag mit einem Stimmungsboykott. Auch in der zweiten und dritten Liga drückten die Fans ihren Unmut gegen die wachsende Kluft zwischen Anhängern, Vereinen und Verbänden sowie die Kommerzialisierung aus.

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Proteste auch in Bremen.

(Foto: dpa)

Die Anhänger von Werder Bremen und Hertha BSC schwiegen in den ersten Minuten der Partie im Weserstadion. Die Werder-Fans begannen erst nach 18:30 Minuten mit der Unterstützung ihres Teams, die Hertha-Anhänger kurz darauf. Auch in den Stadien in München, Hannover und Freiburg dauerte das Schweigen jeweils 20 Minuten, wobei die Schalker ihr Team beim 0:1 im Breisgau von Beginn an anfeuerten.

Spielern und Trainern reagierten unterschiedlich auf die Proteste. Robin Dutt, Trainer des Zweitligisten VfL Bochum, kritisierte den fehlenden Support seines Teams im Heimspiel gegen Dynamo Dresden. "Ich habe kein Verständnis für den Protest der Fans, Das hat im Stadion nichts zu suchen. Die Dresdner Fans waren natürlich clever, das bei einem Auswärtsspiel mit zu initiieren", schimpfte Dutt nach dem 0:1 des VfL. Anders sah es Gladbachs Trainer Dieter Hecking vor der Partie gegen Frankfurt an diesem Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de): "Ich finde es schade, dass es uns bei einem Heimspiel trifft. Aber die Fans wollen was zum Ausdruck bringen, was ihnen wichtig ist. Und wenn das ganz ohne Randale geht, dann muss man ihre Kritik auch anhören." Auch der 1. FC Köln war auf das Schweigen vorbereitet. "Aber es ist schon überraschend, wie ruhig es in einem Stadion mit 45.000 Zuschauern sein kann", sagte Torhüter Timo Horn nach dem 2:1 im Zweitliga-Duell gegen Ingolstadt. "Aber wir wissen ja, warum die Fans das machen, deshalb haben wir Verständnis. Danach war es umso lauter."

"Spieltagszerstückelung stoppen"

Die Proteste richten sich vor allem gegen die Anstoßzeiten, die Zerstückelung der Spieltage und die Übertragung der Spiele im Bezahlfernsehen. Von der Zersplitterung der Spieltage erhoffen sich die Sender deutlich höhere Vermarktungschancen und damit mehr Geld. "Stell dir vor es ist Fußball und keiner kann hin", "Spieltagszerstückelung stoppen" und "Football is for you and me - Not for fucking Pay-TV", stand auf Plakaten in Bremen. Auch in München herrschte anfangs gespenstische Stille, die Fans stellten auf großen Bannern dem DFB ein schlechtes Zwischenzeugnis aus: "Versetzung gefährdet", hieß es unter anderem.

Die DFL wollte die Proteste nicht kommentieren. Kurz vor der EM-Vergabe an diesem Donnerstag durch das Exekutivkomitee der Uefa kommt die Aktion für den DFB zur Unzeit. Deutschland konkurriert mit der Türkei um die Ausrichtung der Endrunde 2024. Negative Schlagzeilen sind da kontraproduktiv. "Was bleibt uns denn anderes übrig?", sagte der Sprecher der Interessenvertretung Pro Fans, Sig Zelt.

"Wir haben in einem Jahr Dialog gesehen, dass nicht viel dabei herauskommt." Der Zusammenschluss der Fanszenen hatte im August die Gespräche mit dem DFB und der DFL aufgekündigt. Dabei sei im Dialog doch einiges angestoßen worden, hatte ein DFL-Sprecher vor der Aktion gesagt. "Diese Ergebnisse sind der beste Grund, den Austausch zwischen Fan-Organisationen und Verbänden fortzusetzen." Bei den Gesprächen ging es um eine einheitliche Regelung von Fan-Utensilien, die Abkehr von Kollektivstrafen, mehr Transparenz in der Sportgerichtsbarkeit und um die Beibehaltung von Stehplätzen.

Quelle: n-tv.de, Ulli Brünger, dpa

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