Fußball

Haaland und Sancho begeistern Gierige BVB-Teenager können noch mehr

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Jadon Sancho und Erling Haaland begeistern Dortmund und schocken die Liga.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

Beim teilweise berauschend herausgespielten 5:0 gegen Union Berlin stechen zwei 19-Jährige heraus, die für neue Bundesliga-Rekorde sorgen: Mit Erling Haaland und Jadon Sancho hat der BVB zwei Edeltalente in seinen Reihen, um die der Revierklub in ganz Europa beneidet wird.

Wer schon mal ein Spiel im größten Stadion der Republik erlebt hat, der weiß, dass es ganz schön laut werden kann, wenn beim BVB mehr als 80.000 Besucher Alarm machen. Die "Gelbe Wand" in Bestform, das ist schon ein einprägsames Erlebnis. Derzeit sind jedoch im Revier selbst für Dortmunder Verhältnisse Phonzahlen zu erleben, die weit über den üblichen Lärmpegel hinausgehen. Schuld daran, ist ein junger Himmelsstürmer aus Norwegen, dem ganz Dortmund zu Füßen liegt: Erling Haaland ist erst seit wenigen Wochen in Deutschland, und doch hat er bereits bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ein 19-Jähriger pulverisiert alle Rekorde in einer Liga, die mit Gerd Müller, Uwe Seeler, Jupp Heynckes, Klaus Fischer, Rudi Völler, Robert Lewandowski und vielen anderen schon eine ganze Reihe an begnadeten Torjägern hat kommen und gehen sehen. "Es ist wirklich verrückt", schwärmte Sebastian Kehl. Der Mann, der in Dortmund als Leiter der Lizenzspielerabteilung angestellt ist, schüttelte bei seinen Ausführungen leicht ungläubig mit dem Kopf: "Wie er die zwei Tore macht und dann auch noch den Elfmeter rausholt..."

Sieben Tore bei drei Auftritten, zwei davon sogar von der Bank kommend, das hat es noch nie gegeben. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Beim phasenweise berauschend herausgespielten 5:0 (2:0) gegen den überforderten Neuling Union Berlin durfte Haaland zum ersten Mal, seit er den Weg von Red Bull Salzburg zur Borussia gefunden hat, von Beginn an auf den Rasen und rechtfertigte diese Maßnahme durch zwei weitere Treffer. Zudem holte Haaland auch noch den Elfmeter raus, den Kapitän Marco Reus zum zwischenzeitlichen 3:0 verwandelte.

Brandt feiert Haalands "Super-Schwung"

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Gleich gibt es einen Elfmeter: Union-Keeper Gikiewicz stoppt Haaland regelwidrig.

(Foto: imago images/Team 2)

Dieser Junge aus Skandinavien ist wirklich ein Naturereignis. So viel körperliche Präsenz und unbändige Spiellust, wie der 1,94 Meter lange Modellathlet ausstrahlt, das ist einfach mitreißend. "Er hat einen Super-Schwung", lobte sein Kollegen Julian Brandt nach dem Kantersieg gegen Berlin: "Ich hoffe, dass er das noch ein bisschen beibehält." Haaland strahlt mit jeder Faser seines bulligen Körpers aus, wie viel Bock auf Fußball er hat. Und das wirkt ansteckend in einer Mannschaft, die in ihren guten Phasen zwar technisch beeindruckenden Fußball zu zelebrieren weiß, sich jedoch mit fehlender Leidenschaft und einem Mangel an Zielstrebigkeit in der Hinrunde viel zu oft selbst limitierte.

Diesen Makel versuchen die Macher bei der Borussia nun zu tilgen, indem sie während des winterlichen Transferfensters nicht nur Haaland in ihr Team holten, sondern mit dem deutschen Nationalspieler Emre Can auch noch einen Profi vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin loseisten, der im Ruf steht, durchsetzungsfähig und vor allem, Kraft seines Willens zu besonderen Leistungen fähig zu sein. "Er wird unsere Mannschaft mit seiner Körperlichkeit und seiner Gier bereichern", kündigte Kehl an.

Can war zwar gegen Union Berlin noch nicht im Dortmunder Kader, doch gegen biedere Hauptstädter wurde er auch nicht benötigt. Diese Herausforderung bewältigte das ohnehin schon hochkarätig besetzte Ensemble auch so mit spielerischer Leichtigkeit. Nach dem Spiel gegen die "Eisernen" interessierten sich sowieso alle nur für Erling Haaland, der es allenfalls als kleinen Makel betrachtet, dass er sich mit seinen Mitspielern kaum auf Deutsch verständigen kann: "Das machen wir auf Englisch. Aber am wichtigsten ist sowieso, dass wir uns auf dem Platz instinktiv verstehen - so wie heute." Über seinen Fitnesszustand sagte der neue Shootingstar, er sei "noch nicht bei 100 Prozent". Für den Rest der Liga muss das wie eine Drohung klingen.

Auch Sancho "ist fantastisch"

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Emre Can wird das Spiel des BVB um eine weitere Komponente ergänzen.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Bei all dem berechtigten Hype um Erling Haarland gerät ein wenig in Vergessenheit, dass der BVB noch ein weiteres Edeltalent in seinen Reihen hat, um das der börsennotierte Revierklub in ganz Europa beneidet wird: Jadon Sancho. Auch der ebenfalls erst 19-jährige Brite trug sich gegen Union Berlin in das Geschichtsbuch der Bundesliga ein: Mit seinem Treffer zum 1:0 ist Sancho der erste Spieler unter 20, der in der Bundesliga 25 Tore erzielte. Auf zwölf Treffer und 13 Assists in 18 Spielen summiert sich die Ausbeute des Tempodribblers in dieser Spielzeit. Das sind überragende Werte. "Er ist fantastisch", sagt sein Trainer Lucien Favre über seinen Rohdiamanten: "Er hat schon so viel gezeigt und doch noch ein enormes Potenzial."

Sportlich könnte die Bilanz von Sancho kaum besser ausfallen, de facto sind seine Werte atemberaubend. Nun gilt das Hauptaugenmerk des Dortmunder Umfelds, mit Nachdruck an der sozialen Kompetenz des Teenagers zu arbeiten. Er habe "selten einen Spieler gesehen, der in kurzer Zeit so eine Entwicklung genommen hat", sagt Kehl. Genau deshalb sei der Hype um den Himmelsstürmer so groß. "Er muss aber wie jeder andere Spieler wissen: Egal, wie gut du bist, es gibt Grenzen, es gibt einen gewissen Rahmen, in dem sich alle Spieler bei uns bewegen können."

Kehl spricht auf diverse Undiszipliniertheiten an, die sich Sancho in den letzten Monaten leistete, und die ihm Geldstrafen und eine Suspendierung einbrachten. Doch das war kein Thema an einem Nachmittag, in dem am Ende sogar ein Verlierer strahlen durfte: Neven Subotic, der in zehn Jahre mit dem BVB Meisterschaften und einen Pokalsieg feierte und von den Fans immer noch wie ein Held verehrt wird, wurde nach dem Schlusspfiff von der "Gelben Wand" gefeiert. Später berichtete der Manndecker mit Glanz in den Augen von "einem der größten Momente in meinem Leben". Es gibt einfach diese Tage, da fügt sich alles in Harmonie.

Quelle: ntv.de