Fußball

Sané hat Frust beim FC Bayern "Alter, was für Drecksbälle, ey!"

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(Foto: / via Mladen Lackovic)

Erleichterung beim FC Bayern, Frust bei Leroy Sané: Mit viel Mühe, aber einer beeindruckenden Mentalität verteidigen die Münchner gegen RB Leipzig die Tabellenführung in der Bundesliga. Der Königstransfer geht in dem wilden Spektakel allerdings völlig unter.

Kein Tor, keine Torvorlage. Kein Torschuss, keine Torschussvorlage. Nach 63 Minuten endet der bittere Arbeitsabend des Leroy Sané. Nach 63 Minuten wird der Königstransfer des FC Bayern im Topspiel der Fußball-Bundesliga gegen RB Leipzig ausgewechselt. Frustriert ausgewechselt. Zwar klatscht er noch kurz mit Trainer Hansi Flick ab, dann aber wirft er seine Handschuhe weg. Es ist an diesem Samstagabend aber nicht der eindrücklichste Beweis dafür, dass der 24-Jährige in München noch nicht den Status hat, den er sich selbst wünscht, den sich die Verantwortlichen wünschen, den man ihm als Königstransfer zuschiebt.

In der zweiten Halbzeit beklagte der Nationalspieler die Qualität der Zuspiele. Einen hohen Diagonalball von Leon Goretzka konnte Sané mit der Brust nur ins Seitenaus tropfen lassen. "Was für Drecksbälle", fluchte er, angesichts von Außenmikrofonen und Geisterkulisse gut hörbar. Mit einem "ey" oder einem "Alter" soll er seinen Ärger noch flankiert haben. Während Kingsley Coman, sein direkter Konkurrent auf der linken Außenbahn seine derzeit überragende Form in drei Torvorlagen, zwei besonders sehenswerte auf Thomas Müller, veredelte, verschwand Sané unsichtbar in diesem wilden Schlagabtausch (3:3).

"Dieses Niveau wünsche ich mir von allen"

Nach 63 Minuten kam dann Serge Gnabry, die eigentliche Stammbesetzung auf rechten Seite. Zwar war auch der an diesem Abend nicht der Mann, der das Spiel bestimmte, aber immerhin brachte er auch mal einen Schuss aufs Tor und spielte mit 13 Pässen exakt einen mehr als Sané in einer guten Stunde zuvor. Das Lob des Trainers ging aber selbstverständlich an Coman. "Wir haben auf den Außenposition vier Spieler, die eine sehr gute Qualität haben. Im Moment, das muss man einfach sagen, ist Kingsley Coman derjenige, der Akzente setzt, Tore macht, Torgefahr ausstrahlt, Tore vorbereitet und einen guten Blick für den Raum hat", sagte Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Dieses Niveau wünsche ich mir von allen."

Also auch von Sané. Dessen Bilanz liest sich in Zahlen zwar durchaus sehr, sehr ordentlich - in zwölf Spielen über alle Wettbewerbe verteilt gelangen ihm fünf Tore und drei Vorlagen - aber so richtig angekommen und integriert wirkt er noch nicht ins Spiel der Bayern. Nicht nur gegen RB Leipzig, wo die Qualität der Anspiele tatsächlich oft nicht gut war. Allerdings nicht nur in Richtung von Sané. "Oftmals haben wir aber hohe, lange Bälle eingestreut, unvorbereitet", ärgerte sich Flick. "Das wollen wir so nicht sehen. Wenn wir den Ball flach haben laufen lassen, zirkulieren lassen, war ich damit zufrieden."

Sané war auch in dieses Spiel nicht gewinnbringend eingebunden. Dass er noch nicht das abliefert, was er kann, was er sich wünscht, dafür sehen sie in München gute Gründe. Am Tag vor dem Spiel hatte Flick die Situation des Flügelstürmers noch einmal ausführlich erklärt und verteidigt. "Bei Leroy muss man einfach noch mal die Hintergründe vorne anstellen. Es ist einfach so, dass Leroy eine schwere Verletzung hatte. In Hoffenheim hat er sich noch mal verletzt. Von daher ist es auch ganz normal, dass er einfach eine gewisse Zeit braucht", befand der Trainer. "Aber das, was ich aktuell im Training sehe, ist einfach auch gut. Das ist die Entwicklung, die er machen muss. Es ist auch nicht immer ganz einfach, sich in einen neuen Verein zu integrieren." Und in eine neue Spielidee, die weniger von Ballbesitz (Manchester City) als von Pressing (FC Bayern) geprägt ist. Ganz besonders auch unter den aktuellen Umständen, die in dieser Pandemie-Saison eine brutale Termindichte mit sich bringt. Ob das indes den Frust lindert?

Quelle: ntv.de