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Manuel Gräfe hat in einem Zeitungsinterview eine Ausnahme gemacht - und sich gänzlich parteiisch zu den Chef-Schiedsrichtern geäußert.
Manuel Gräfe hat in einem Zeitungsinterview eine Ausnahme gemacht - und sich gänzlich parteiisch zu den Chef-Schiedsrichtern geäußert.(Foto: imago/Thomas Frey)
Sonntag, 15. Oktober 2017

Nächste Runde im Schiri-Streit: Gräfe muss wegen Vorwürfen zum Rapport

Die Fußball-Bundesliga läuft und die internen Querelen der Schiedsrichter schwelen weiter. Am Dienstag soll es eine Aussprache beim DFB geben. Chef-Kritiker Manuel Gräfe muss dann zu seinen "Vetternwirtschaft"-Vorwürfen Stellung beziehen.

Die deutschen Bundesliga-Schiedsrichter kommen nicht zur Ruhe. Abseits der sportlichen (und sachlicher werdenden) Diskussion über den Videobeweis scheint es intern weiter zu brodeln - am Dienstag sollen bei einer Art "Friedensgipfel" in Frankfurt/Main die teils schwerwiegenden Vorwürfe gegen die früheren Schiri-Bosse Herbert Fandel und Hellmut Krug aufgearbeitet werden. "Chefkritiker" Manuel Gräfe Berlin wird zum Rapport bestellt.

"Dass es am Dienstag ein Gespräch zu den von Manuel Gräfe geäußerten Vorwürfen geben wird, ist korrekt. Allerdings findet dieses, anders als dargestellt, auf mein und das Betreiben der Schiedsrichter-Kommission statt", bestätigte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann auf Anfrage. Die "Bild am Sonntag" hatte berichtet, die Initiative sei eher aus den Reihen der Schiedsrichter gekommen.

Mobbing- und Spionage-Vorwurf

Gräfe hatte zu Saisonbeginn dem Berliner "Tagesspiegel" ein viel beachtetes Interview gegeben, in dem er Fandel und Krug fehlende Transparenz, schlechten Führungsstil und Vetternwirtschaft vorwarf. Ganz alleine scheint er mit seiner Kritik nicht zu stehen. Fandel und Krug gelten als äußerst resolut im Umgang, beide stehen für die alte, wohl alles andere als perfekte Hierarchie im Schiedsrichterwesen, das 2011 durch den Selbstmordversuch von Babak Rafati erschüttert worden war. Die "Bams" schrieb von systematischem Mobbing bei Schiedsrichter-Lehrgängen, von der Bevorzugung von "Lieblingen" und sogar von "Spionage".

Krug rügte vor allem die Vorgehensweise von Gräfe. "Wir Referees treffen uns mehrmals im Jahr, deswegen hat uns die Kritik komplett überrascht", sagte er. "Dass ein Schiedsrichter einen Kollegen aus den eigenen Reihen angreift und ihn diskreditiert, das ist für uns unverzeihlich und nicht akzeptabel." Krug ist inzwischen "Chef-Instruktor" und Projektleiter Video beim Weltmeister-Verband, Fandel Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses.

Es ist das "wie", das anstößt

Chef der Unparteiischen ist aber seit 2016 Lutz Michael Fröhlich. Der 60-Jährige gilt bei den Referees als äußerst beliebt, Gräfe lobte Fröhlich für dessen nun geltendes "Leistungsprinzip". Dass Gräfe an die Öffentlichkeit ging, hatte aber auch dem neuen Schiri-Chef nicht gefallen. "Generell vertreten Lutz Michael Fröhlich als Vorsitzender der Elitekommission und ich die Auffassung, dass offene, konstruktive und lösungsorientierte Gespräche immer zielführender sind, als Kollegen oder ehemalige Vorgesetzte möglicherweise aus persönlichen Befindlichkeiten öffentlich mit nicht nachvollziehbaren Vorwürfen zu konfrontieren", sagte Zimmermann.

Dass das Schiedsrichter-Gebilde instabil ist, ist nicht neu. Vorwürfe, dass viele, persönliche Befindlichkeiten im Spiel sind, kommen immer wieder auf - obwohl sich der Berufsstand in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat, allein bei den Verdienstmöglichkeiten.
Inzwischen bekommen die Elite-Schiedsrichter pro Spiel 5000 Euro, das Grundgehalt liegt zwischen 59.000 und 79.000 Euro. Dazu kommen durch die neue Technik weitere Verdienstmöglichkeiten als Videoassistent.

Quelle: n-tv.de