Fußball

Heute "große Schlacht" gegen PSG Guardiola erfüllt endlich die Prophezeiung

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Manchester Citys Pep Guardiola hat dieses Jahr auch in der Champions League viel zu jubeln.

(Foto: imago images/Ulrich Hufnagel)

Für Manchester City ist der erstmalige Einzug ins Finale der Champions League ein langersehnter Traum. Die Mannschaft von Pep Guardiola wurde zur besten der Welt, weil der Trainer sein Team seit November komplett umbaute - und aus eigenen Fehlern lernte.

Nach der ersten Partie des Halbfinals in der Champions League war allen Beteiligten klar, dass es im Rückspiel richtig eng werden würde. Das Ergebnis hatte schließlich beiden Seiten alle Türen offen gelassen. Manchester Citys Kevin De Bruyne, Raheem Sterling und Co. sollten aber keinen Weg vorbei an Torhüter Keylor Navas finden. Das Halbfinal-Rückspiel am 4. Mai fand vor genau fünf Jahren statt - und Keeper Navas stand damals noch bei Real Madrid zwischen den Pfosten, das mit Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Gareth Bale den Citizens im zweiten Halbfinale, nach einem 0:0 im Hinspiel, keine Chance ließ und ins Endspiel der Königsklasse einzog.

Heute, exakt fünf Jahre später, sind die Vorzeichen für ManCity ungleich besser. Die Offensivkünstler heißen nicht CR7, Bale und Isco, sondern Kylian Mbappé und Neymar, und Navas hütet das Tor bei Paris Saint-Germain, das sich den Skyblues im Hinspiel vor einer Woche im Parc des Princes mit 1:2 geschlagen geben musste. Und vor allem: Der Tabellenführer der englischen Premier League ist zu einer unerbittlichen "winning-machine" (englische Medien) mutiert. Zu einem rücksichtslosen Berserker, der jeden Gegner mit Spielgewalt und Dominanz aus dem Weg räumt und eine zu hohe Hürde für die Pariser darstellen dürfte.

"Sie müssen verstehen, dass das eine große Schlacht wird und wir leiden werden", sagt Starcoach Pep Guardiola in Richtung seiner Mannschaft vor dem Duell im Etihad-Stadion am Abend (21 Uhr/im Liveticker auf ntv.de). Es geht um das lang ersehnte erste Erreichen eines Champions-League-Finals in der Klubgeschichte. An dieser Aufgabe war auch Guardiola seit der Saison 2016/17 gescheitert. "Ich muss niemandem sagen - den Spielern, den Mitarbeitern im Hinterzimmer, den Ärzten, den Köchen - wie wichtig es ist. Wir haben auf diesen Moment seit vielen, vielen Jahren gewartet", erhöht der Trainer noch einmal den Druck vor der "Schlacht".

Besonderes Lob für Guardiola

Dass die Situation für Man City diesmal weitaus besser aussieht als vor fünf Jahren, liegt vor allem an Guardiola. Des Öfteren war dem Startrainer angekreidet worden, ein wichtiges Spiel in der Königsklasse vercoacht zu haben (auch seine vorherigen vier Halbfinals mit Bayern und Barcelona hatte er verloren) und stets zu früh aus der Königsklasse zu fliegen (wenn nicht gerade Messi in seiner Startelf stand). Auch, weil der Katalane sich oft zu sehr auf das gegnerische Team eingeschossen und Taktik und Aufstellung seiner eigenen Mannschaft dementsprechend angepasst hatte. In der Saison der Mega-Dominanz, 2018/19, setzte es ein dramatisches Aus im Königsklassen-Viertelfinale gegen Tottenham Hotspur wegen der Auswärtstorregel. Trainer damals beim Gegner: Mauricio Pochettino, der jetzt bei PSG an der Seitenlinie steht.

Auch im Hinspiel gegen Paris schien Guardiola seiner K.o.-Spiel-Fehlerreihe zunächst einen weiteren hinzuzufügen. Aus Furcht vor der PSG-Offensive hatte er sein Team zu defensiv eingestellt. Sein Plan war es allem Anschein nach zu Beginn vor allem, Pochettinos Mannschaft einzudämmen. Aber das funktionierte überhaupt nicht. PSG dominierte die erste Hälfte und führt verdient mit 1:0. In der Halbzeit aber passte Guardiola die Taktik seiner Skyblues erfolgreich an, City spielte von diesem Zeitpunkt an wie in der Premier League: aggressiv, mutig und mit viel Ballbesitz.

Der Taktikwechsel Guardiolas kulminierte in zwei Toren nach der Pause und keinem Schuss der Pariser aufs Tor in der zweiten Hälfte. Der Katalane habe der Mannschaft in der Kabine gesagt, "ein bisschen mehr mit dem Ball" zu spielen, lobte De Bruyne nach der Partie die Umstellungen seines Coaches. "In der ersten Halbzeit waren wir etwas zu gehetzt und haben versucht, zu schnell nach vorne zu spielen. So sind wir nicht als Team aufgebaut. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, geduldiger Platz zu finden." Das Lob für Guardiola war durchaus ein Besonderes. Weil es eben nach einem Champions-League-Halbfinale fiel.

"Winning-machine" mit 20 Startelf-Spielern

"Ich würde gerne das Gefühl haben, dass wir aus unseren Niederlagen gelernt haben, aber ich weiß nicht, wie wir reagieren werden", sagt Guardiola nun vor dem Duell am Abend. "Es ist immer ein Rätsel." Doch seit November, als man 13. in der Tabelle war, rätselt auf der Welt kaum noch jemand über das Endergebnis, wenn er ein Spiel von Manchester City sieht. Denn der Trainer hat es geschafft, seine Mannschaft von Grund auf zu transformieren und auch seine K.o.-Spiel-Misere zu beenden. Etwas schwerfällig hatte sich Man City zu Beginn der Saison stets über den Platz gepasst. Die Dominanz mündete zu selten in Gefahr - und wenn, dann mündete die Gefahr nicht in Toren.

Guardiola erkannte, dass seine Mannschaft zu ausrechenbar geworden war. Also installierte er eine rigide Rotationspolitik. Quasi nie starten seitdem dieselben elf Spieler zwei Spiele in Folge. Die unerbittliche "winning-machine" Man City besteht aus 20 Startelf-Spielern. Die Offensive der Skyblues wurde unvorhersehbar, die Profis auf dem Platz wollen ihrem Trainer stets beweisen, dass es ein Fehler war, sie in der Partie zuvor nicht aufzustellen. Sechs Spieler haben bereits zehn Tore oder mehr in allen Wettbewerben erzielt. De Bruyne mit seinen neun Treffern ist da noch nicht einmal dabei. Zum Vergleich: In der Premier League hat Manchester United vier dieser Profis mit zehn oder mehr Toren, Chelsea und Liverpool jeweils drei. PSG hat immerhin auch fünf im Kader, der FC Bayern in Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry nur drei.

Während Liga-Konkurrent Liverpool mit defensiven Ausfällen zu kämpfen hatte und keinen Ersatz holte, baute sich Guardiola ein Bollwerk um den wiedererstarkten John Stones und vor allem um einen Rekordtransfer namens Rúben Santos Gato Alves Dias. Fast eine halbe Milliarde Euro hatten die Skyblues seit Guardiolas Ankunft 2016 für Abwehrspieler ausgegeben, bis der Startrainer in Dias endlich seinen zweikampfstarken und zeitgleich passsicheren Defensiv-Chef fand, wie es Jürgen Klopp mit Virgil van Dijk gelungen war. Sky-Sports-Experte und Liverpool-Urgestein Jamie Carragher nannte den City-Verteidiger gar den "besten Spieler der Saison". In 55 Spielen fing sich Man City in dieser Saison nur 33 Gegentore, 30 Mal blieb die Weste weiß.

Bereit für die "Schlacht"

Guardiola stellte außerdem fest, dass seine Spieler zuvor zu viele unnötige Wege gelaufen waren und deshalb die für sie vorgeschriebenen Zonen zu oft verlassen hatten. Dadurch war sein Spielplan oftmals nicht aufgegangen. "Wir haben dann mit dem Wiederaufbau und der Rekonstruktion begonnen", erklärte der Trainer die Transformation. Was folgte, war eine 21 Spiele andauernde Siegesserie (15 in der Premier League). Und all das ohne Top-Stürmer Sergio Agüero, den vorne ein fluider Mix aus Nationalspieler İlkay Gündoğan, Phil Foden, Riyad Mahrez, De Bruyne, Bernardo Silva und Ferran Torres ersetzte. Als taktischen Kniff lässt Guardiola den jeweiligen Stürmer nun gerne ins Mittelfeld zurückfallen, in das die Außenverteidiger bei Ballbesitz vorrücken. Diese 2-8-Formation lässt sich kaum ausrechnen oder stoppen - wie PSG in der zweiten Hälfte des Hinspiels feststellte. Guardiola bewies damit in den vergangenen Monaten abermals, warum er zu den Besten seines Fachs gezählt wird.

Im Rückspiel winkt Manchester City nun der erste Einzug ins Finale der Champions League und in der Liga am Wochenende bereits die Meisterschaft. Niemand seit Sir Alex Ferguson mit Manchester United hat in der Premier League in vier Spielzeiten drei Titel gewinnen können. Es bleibt nur die Frage, welche Spieler von Pep Guardiola das mit der "Schlacht" von Anfang an auf dem Rasen in ihre Köpfe bekommen müssen. Beim Gegner scheint dies einer, der definitiv starten wird, bereits geschafft zu haben: "Ich werde der erste Krieger sein, der für die Mannschaft in den Kampf ziehen wird", prophezeite Neymar im Klub-TV von PSG.

Quelle: ntv.de

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