Fußball

Titellos trotz Kantersieg? Guardiola malt ein Kunstwerk in Himmelblau 

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Wimmelbild: Pep Guardiola pinselt an einem teuren ManCity-Kunstwerk mit vielen feinen Nuancen.

(Foto: imago/Sportimage)

Die Fußballer von Manchester City zeigen gegen den FC Chelsea wilde Entschlossenheit, den Meistertitel in der Premier League zu verteidigen. Beim Kantersieg im Topspiel ragt ein Dreierpack heraus. Doch der FC Liverpool ist immer noch in der besseren Lage. 

Etwas mehr als eine Stunde war vorbei, als sich die Zuschauer im Stadion von Manchester City von ihren hellblauen Plastiksitzen erhoben und einem Fußballspieler huldigten, für den außergewöhnliche Leistungen nichts Außergewöhnliches sind. Sie applaudierten und riefen seinen Namen. "Sergio! Sergio!", klang es durch die Arena, so laut wie selten. Viele Menschen holten an diesem späten Sonntagnachmittag ihr Handy aus der Tasche, um den erhabenen Moment zu filmen, als Sergio Agüero ausgewechselt wurde und sich mit langsamen Schritten dem Spielfeldrand näherte.

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"Seine Reaktion war gut" sagte Josep Guardiola über Sergio Agüero, der drei Tore erzielt hatte.

(Foto: imago/Sportimage)

Beim rauschenden Sieg gegen den FC Chelsea - 6:0 sollte es am Ende stehen - war er der überragende Mann mit drei Toren. Das gilt in England als Hattrick, ungeachtet der Tatsache, dass zwischen seinen Treffern Nummer zwei und drei die Halbzeitpause lag. Es war Agüeros zweiter Dreierpack in den jüngsten drei Partien und schon sein elfter überhaupt in der Premier League. Damit zog er in der Wertung der besten Hattrick-Schützen in der Geschichte der englischen Luxusliga mit Alan Shearer gleich.

Dass Agüero kurz vor seinem ersten Treffer, einem Schuss in den rechten oberen Winkel aus 20 Metern, freistehend aus kurzer Distanz das Ziel verfehlt hatte, war schon wieder vergessen, als er unter dem Beifall des Publikums in den Feierabend strebte. "Ich habe ihm gesagt, dass er das nie wieder machen soll. Seine Reaktion war gut", berichtete ein sichtlich erheiterter Trainer Pep Guardiola nach dem seiner Meinung nach besten Heimspiel seiner Mannschaft seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren. Agüero war der herausragende Spieler beim kommenden Champions-League-Gegner des FC Schalke 04. Er bewies, dass sich der Titelverteidiger im spektakulär hochklassigen Duell um die Meisterschaft mit dem FC Liverpool auf einen Torjäger verlassen kann, der fast keinen Leistungsschwankungen unterliegt und trifft und trifft und trifft. Mit seinem Hattrick stieg Agüero zum besten Liga-Schützen in der Geschichte von Manchester City auf.

Sechs Treffer, drei Schützen, ein Kunstwerk

Trotzdem wäre es falsch, den Sieg gegen ein in der Verteidigung hilfloses Chelsea mit der Leistung eines einzelnen Spielers zu erklären. Dieses 6:0 war ein Gesamtkunstwerk in Himmelblau. Guardiolas Mannschaft zerlegte den Gegner so, wie es in der Premier League nur Manchester City kann. Schon nach 24 Minuten stand es 4:0. Auch der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan hatte dazu mit einem Treffer beigetragen. Hätte nicht Agüero herausgeragt mit seinen drei Toren, hätte man genau so gut Raheem Sterling mit seinen zwei Treffern zum Mann des Spiels erklären können.

Durch die Machtdemonstration gegen Chelsea, immerhin Anwärter auf einen Platz in der Champions League, überholte Manchester City den FC Liverpool wieder in der Tabelle und eroberte den Platz an der Spitze zurück. Der Abstand bleibt allerdings minimal. Die beiden Kontrahenten sind punktgleich, der Titelverteidiger liegt mit besserer Tordifferenz vor der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp - hat jedoch auch ein Spiel mehr absolviert. Guardiola erwartet, dass die Meisterfrage "bis zum letzten Spiel" offen bleibe, wie er sagte.

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Zwei Treffer bei Man Citys Machtdemonstration: Raheem Sterling.

(Foto: imago/PA Images)

Wer, im Rausch des Sieges, eine Kampfansage in Richtung Liverpool erwartet hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen lobte Guardiola seine Mannschaft dafür, nach dem Titelgewinn in der vergangenen Saison auch in dieser Spielzeit um die Krone des englischen Fußballs mitzuspielen. "Wir sind immer noch dabei. Das ist schön. Darauf bin ich am meisten stolz", sagte er in Anbetracht der Tatsache, dass es in der jüngeren Vergangenheit keinem Team gelungen war, den Titel erfolgreich zu verteidigen.

600 Millionen Euro für hohe Ansprüche

Allerdings hat Manchester City seit Guardiolas Ankunft angeblich mehr als 600 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, um langfristig zur führenden Kraft in der Premier League zu werden. Die Ansprüche sind andere als zum Beispiel bei Leicester City, dem Sensationsmeister der Saison 2015/2016. Manchester Citys Fans zeigten sich angriffslustiger als ihr Trainer. "We're coming for you!", riefen sie bei der Partie gegen Chelsea in Richtung des FC Liverpool.

Klopps Mannschaft soll wissen, dass da jemand hinter ihr her ist. In der Schlussphase sangen die Zuschauer: "Campeones! Campeones!" Und es stimmt ja: Manchester City ist amtierender Titelträger und hat durch das 6:0 wieder einmal nachgewiesen, wild entschlossen zu sein, diesen Titel erfolgreich zu verteidigen. Das Problem: Liverpool hat den Ausgang des Meisterrennens weiter selbst in der Hand. Der Herausforderer hat schließlich noch ein Spiel mehr, um zu punkten.

Quelle: n-tv.de

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