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Man City erleidet CL-Drama Guardiolas Genie scheitert in Europa

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Guardiola ist fassungslos: Schon wieder scheitert er vor dem Halbfinale der Champions League.

(Foto: REUTERS)

Manchester City scheitert in der Champions League spektakulär an Tottenham Hotspur. Trainer Josep Guardiola will keine Ausreden für das erneute frühe Aus suchen. Doch für ihn persönlich entwickelt sich die Fußball-Königsklasse zu einem Albtraum.

Als die quälenden Momente der Ungewissheit vorbei waren, die Momente zwischen Weiterkommen und Ausscheiden, schlug Josep Guardiola die Hände über dem Kopf zusammen und sank auf die Knie. Er sah aus, als hätte sich vor seinen Augen ein Unglück zugetragen, und ein bisschen war es ja auch so. Gerade noch war der Trainer von Manchester City die Seitenlinie entlanggesprintet, hatte die Fäuste in die Luft gereckt und seine Assistenten umarmt nach Raheem Sterlings Treffer zum vermeintlichen 5:3 in der Nachspielzeit gegen Tottenham Hotspur. Dieses Ergebnis hätte Manchester City nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel doch noch ins Halbfinale gebracht. Doch Schiedsrichter Cüneyt Cakir konsultierte den Videobeweis und kam zu der Auffassung, dass Vorbereiter Sergio Agüero im Abseits gestanden hatte. Der Treffer zählte nicht, City schied im Viertelfinale der Champions League aus, Guardiola ging zu Boden.

Es war die letzte irre Wendung in einem Spiel, das im Grunde nur irre Wendungen zum Inhalt hatte. Schon nach elf Minuten hatte es durch die schnellsten vier Tore in der Geschichte des Wettbewerbs 2:2 gestanden, in der 21. Minute stellte Sterling das Ergebnis mit seinem zweiten Tor auf 3:2 für Manchester City. Nach der Pause führte der Dauerdruck des englischen Meisters zu Agüeros 4:2 nach einer Stunde. Damit wäre Guardiolas Team ins Halbfinale gekommen. Dann griff der Videobeweis zweimal zu Ungunsten des Scheichklubs ein. In der 73. Minute bestätigte Schiedsrichter Cakir den Anschlusstreffer durch Tottenhams eingewechselten Stürmer Fernando Llorente nach Ansicht der Fernsehbilder. In der Nachspielzeit versagte er Sterlings Tor auf gleiche Weise die Anerkennung.

"Ich bin für fairen Fußball"

Guardiola wollte die Schuld für das Aus nicht in der doppelten Videoentscheidung suchen. "Ich unterstütze den VAR. Ich bin für fairen Fußball. Dem Schiedsrichter muss geholfen werden", sagte der Trainer. Vielleicht sei Llorentes Treffer nach einer Ecke "aus der einen Perspektive Hand" gewesen, sagte er, aber vertiefen wollte er die Debatte nicht. Er wird gewusst haben, wie ihm das wohl ausgelegt worden wäre. Nämlich als billiges Ablenkungsmanöver vom wiederholten eigenen Scheitern.

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Denn für den Mann, der als wohl größtes Genie im Weltfußball gilt, ist die Champions League mittlerweile zum Trauma geworden. Zweimal hat er den Wettbewerb mit dem FC Barcelona gewonnen, 2009 und 2011. Seitdem stand er nie wieder im Endspiel. Er scheiterte viermal im Halbfinale, dreimal davon mit dem FC Bayern. Mit Manchester City war einmal im Achtel- und zweimal im Viertelfinale Schluss. Und das trotz angeblich mehr als 600 Millionen Euro, die er seit seiner Ankunft im Sommer 2016 in die Mannschaft investieren durfte. Und trotz einer günstigen Ausgangslage in dieser Saison.

"Wir haben alles versucht"

Der Weg ins Finale in Madrid schien vorgezeichnet durch eine einfache Vorrunde, durch das dankbare Achtelfinale gegen den FC Schalke 04 und das Viertelfinale gegen Tottenham, das in der Premier League abgeschlagen auf dem dritten Platz liegt. Im Halbfinale hätte Ajax Amsterdam gewartet, die Überraschungsmannschaft des Wettbewerbs. Gute Bedingungen eigentlich für Manchester City, um endlich in die Riege der großen Klubs Europas vorzustoßen. Doch nach 180 Minuten (plus Nachspielzeit) gegen Tottenham stand wieder einmal die Erkenntnis, dass der Verein nicht reif ist für den wichtigsten Pokal im europäischen Fußball. "Wir haben alles versucht. Wir haben Chancen kreiert und die Tore geschossen, die wir brauchten. Leider war es ein schlechtes Ende für uns", sagte Guardiola.

Das schlechte Ende bedeutet auch, dass der Traum vom sogenannten Quadruple ausgeträumt ist, also der Traum von vier Titeln in einer Saison. Trotzdem steht noch viel auf dem Spiel für die Mannschaft. Im Nerven zerreißenden Rennen um die Meisterschaft mit dem FC Liverpool darf sie sich in den fünf verbleibenden Partien keine Nachlässigkeiten leisten. Sie muss das Aus in der Champions League schnell verarbeiten, denn schon am Samstag geht es gegen den nächsten schweren Gegner. Zu Gast ist: der erstmalige Champions-League-Halbfinalist Tottenham Hotspur.

Quelle: n-tv.de

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