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Labbadia: Spielen darf, wer fit ist HSV - Katastrophe oder Happy End?

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Kommt er rechtzeitig auf die Beine? Ivica Olic.

(Foto: imago/Oliver Ruhnke)

Der Hamburger SV will beim Karlsruher SC den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte aus der Fußball-Bundesliga verhindern. Trainer Labbadia bleibt trotz Personalsorgen optimistisch. Ist Kapitän van der Vaart die Lösung?

"Die Mannschaft lag am Boden und ist wieder aufgestanden. Das zeichnet sie aus. Und das lässt mich hoffen, dass wir in Karlsruhe einen Fight hinbekommen", hatte Bruno Labbadia nach dem 1:1 im Hinspiel in der Hamburger Arena erklärt. Der Trainer ist in diesen tristen Zeiten und vor dem Relegationsrückspiel heute in Karlsruhe (ab 19 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der Zweckoptimist beim HSV. Er hatte die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz übernommen, den direkten Abstieg vermieden und sie immerhin in die beiden Spiele gegen den Dritten der zweiten Liga geführt. Das nötigt Respekt ab, denn immer wieder unterliefen den Hamburger Fußballern haarsträubende Fehler.

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Angeschlagen: Pierre-Michel Lasogga.

(Foto: AP)

Auch im Hinspiel am vergangenen Donnerstag war von einem Klassenunterschied nichts zu sehen, der HSV wirkte teilweise hilflos gegen solide, aber alles andere als herausragende Karlsruher. Im Rückspiel heute wird der HSV erneut das machen müssen, was er am wenigsten gut kann: Das Spiel machen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Karlsruher offensiver spielen werden als im Hinspiel. Die beste Abwehr der zweiten Liga stand im beim 1:1 kompakt. KSC-Trainer Markus Kauczinski will jedoch nicht auf ein 0:0 spielen, das für den Aufstieg reichen würde. "Wir wollen das Spiel zu Hause gewinnen, werden auf Sieg spielen und auf kein Ergebnis zocken."

Hamburgs Sportchef Peter Knäbel und das Trainerteam hatten kurz darüber nachgedacht, ob sie zum dritten Mal in drei Wochen die Reise nach Malente antreten sollen, doch der Plan wurde verworfen. In den Tagen zwischen Hin- und Rückspiel ging es einfach darum, zu regenerieren, um heute Abend noch einmal alles in die Waagschale werfen zu können. In Karlsruhe muss der HSV mindestens ein Tor schießen, denn bei einem torlosen Remis wäre der Zweitligist in der kommenden Saison in Liga eins. Labbadia sprach deshalb intensiv mit Pierre-Michel Lasogga.

"Das wird ein Schweinespiel"

Der Relegationsheld aus der vergangenen Saison, er traf beim 1:1 im Rückspiel in Fürth, schleppte sich angeschlagenen durch die jüngsten Partien und wird auch heute Abend wieder spielen müssen. Der Einsatz seines Sturmkollegen Ivica Olic entscheidet sich erst kurz vor dem Spiel. Der Kroate hatte am Freitag einen allergischen Schock erlitten und musste sogar über Nacht ins Krankenhaus, außerdem hat der Ex-Wolfsburger Rückenprobleme. Auch hinter dem Einsatz von Ivo Ilicevic steht noch ein Fragezeichen. Der Torschütze und bester Spieler des HSV aus dem Hinspiel brach das Abschlusstraining am Sonntagnachmittag ab. "Ob er spielen kann, wissen wir erst kurz vor dem Anpfiff", sagte Labbadia gestern.

Auf Heiko Westermann und Gojko Kacar muss Labbadia im Wildpark in jedem Fall verzichten. Beide sind wegen ihrer Gelben Karten gesperrt. Die Position von Heiko Westermann wird Dennis Diekmeier übernehmen. Der 25-Jährige ist ein wahrer Experte, was gewonnene Relegationsduelle angeht. Mit dem 1. FC Nürnberg setzte er sich zweimal durch (2009 und 2010) und im vergangenen Jahr noch einmal mit dem HSV gegen Greuther Fürth. "Dennis wird das schon gut machen", glaubt Westermann und Diekmeier selbst weiß um die Schwere der Aufgabe: "Das wird ein Schweinespiel. Jetzt will ich aber mit aller Macht zum vierten Mal in der Relegation erfolgreich sein."

Spannender wird die Frage, wer die Kacar-Position einnehmen wird. Der in den letzten Wochen torgefährliche und einsatzfreudige Serbe wird schwer zu ersetzen sein. Der einzig verbliebene defensive Mittelfeldspieler im Kader, Petr Jiracek, wird nicht rechtzeitig fit. Marcelo Diaz ist als Sechser gesetzt. Trainer Labbadia hat nun mehrere Optionen. Entweder er zieht den formschwachen Lewis Holtby eine Position zurück oder er lässt Kapitän Rafael van der Vaart spielen. Der beim HSV in Ungnade gefallene Niederländer könnte sich heute selbst einen versöhnlichen Abgang verschaffen, sollte er am Klassenerhalt des HSV beteiligt sein. Für ein Freistoßtor und starke Standards ist der Kapitän immer noch gut. "Jeder ist eine Option, so viel Auswahl haben wir ja nicht", betonte Labbadia. Sollte sich der HSV-Coach nicht für van der Vaart erwärmen können, wäre Zoltan Stieber eine Option für die Startelf.

Heute Abend werden 20.000 Fans in der Hamburger Arena erwartet. Dort wird das Spiel aus Karlsruhe auf einer Riesenleinwand übertragen. Doch einige HSV-Unterstützer haben anscheinend schon die Hoffnung auf Rettung verloren. So löste sich gestern der Hamburger Supporters Club "Chosen Few" offiziell auf. Ein schlechtes Omen? Trotzdem brauchen sich die Spieler im Wildpark vor lautstarker Unterstützung der eigenen Fans keine Sorgen machen. Insgesamt 3600 HSV-Anhänger werden den HSV begleiten. "Wir werden eine Mannschaft auf den Platz bringen, die bis zum Schluss fighten wird, um den Klassenerhalt zu sichern", verspricht Labbadia, "denn es ist erst Halbzeit." 90 Minuten Zeit hat der Hamburger SV noch, um die Katastrophe Abstieg zu verhindern. Im Wildpark müssen die Hamburger ihre letzte Chance nutzen. Endstation oder Happy End. Letzte Ausfahrt Wildparkstadion.

Quelle: n-tv.de

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