Fußball

Frustrierter Bayer-Coach witzelt "Havertz wird für Heracles Almelo spielen"

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Shakehands mit Gewinner Lukaku: Kai Havertz fliegt mit Bayer Leverkusen aus der Europa League und wird nun wohl wechseln.

(Foto: Norbert Schmidt / Pool)

Bayer Leverkusen ist gefrustet: Nach dem Aus in der Europa League gegen Inter Mailand und dem verlorenen DFB-Pokalfinale wird es dieses Jahr wieder nichts mit dem ersten Titel seit 1993. Während die Werkself hadert, dreht sich erneut alles um Kai Havertz. Coach Peter Bosz reagiert überraschend humorvoll.

Wieder nichts: Nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern flog Bayer Leverkusen gegen Inter Mailand aus der Europa League. Die Chancen auf Titel waren dieses Jahr so groß wie nie, in der Europa League hätte ein Finale in der Nachbarstadt Köln gewartet, für den Turnier-Sieg hätten drei Siege gereicht. Doch letztendlich beschließt das mancherorts als "Vizekusen" belächelte Leverkusen auch die Saison 2019/20 wieder ohne großen Triumph. Die letzte Trophäe hielt die Mannschaft 1993 in den Händen.

Nach der 1:2-Niederlage gegen Mailand haderten frustrierte Spieler und Trainer mit einer unvollendeten Saison. "Wenn man in der Bundesliga bis zum letzten Spieltag um die Qualifikation für die Champions League spielt, das nicht erreicht. Man ein Pokalfinale bestreitet, gegen Inter ein Viertelfinale bestreitet und immer als Verlierer vom Platz geht, ist klar, dass mehr drin war", sagte Kapitän Lars Bender nach der Niederlage gegen den italienischen Vize-Meister. Obwohl die Mannschaft eine "gute Entwicklung" hingelegt und größtenteils "guten Fußball" gespielt habe, überwiege die Enttäuschung, so der 31-Jährige weiter: "Wir haben vergessen, uns zu belohnen. Europa League ist für uns das Minimalziel. Es ist leider dieses Jahr nur ein schwacher Trost, wenn man sieht, in welchem Bereich wir mitspielen konnten. Aber wir haben den letzten Schritt nicht genommen."

Sein Trainer Peter Bosz haderte ebenfalls mit den verpassten Chancen in allen Wettbewerben: "Wenn man am Ende mit leeren Händen dasteht, ist man enttäuscht. Es war das letzte Spiel, jetzt ist es vorbei. Jetzt realisiert man die Enttäuschung", sagte der Niederländer, der die Saison aber nicht komplett negativ beurteilen wollte. "Es ist zu einfach zu sagen, dass wir am Ende nichts gewonnen haben", zog der 56-Jährige ein Resümee: "Als Trainer schaut man auch auf die Entwicklung einer Mannschaft. Ich glaube, dass wir in dieser Saison eine gute Entwicklung geschafft haben - sowohl von Einzelspielern als auch der Spielweise."

Bosz witzelt über Havertz-Wechsel

"Inter befreit sich mühelos von Bayer Leverkusen, einer Mannschaft mit schweren Mängeln in der Abwehr und ohne die übliche offensive Fantasie", urteilte die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport" dagegen über Leverkusens Spielweise. Die "Corriere della Sera" erkannte, dass die Niederlage "wegen der Mängel der Deutschen noch höher hätte ausfallen können".

Der offensiv uninspirierte und defensiv schwache Auftritt der Werkself wird einen Spieler, der besonders im Fokus stand, nicht gerade von einem Verbleib in Leverkusen überzeugt haben: Megatalent Kai Havertz konnte trotz eines Treffers gegen Mailand das Aus in der Europa League - und damit das Verpassen der Champions League im nächsten Jahr - nicht verhindern. Zerknirscht streifte er sich die Kapitänsbinde vom Arm, anschließend klatschte er mit hängendem Kopf seine Teamkollegen ab. Der zerplatzte Traum vom silbernen Abschied machte dem Offensivjuwel sichtlich zu schaffen. Ob der 21-Jährige auch in der kommenden Saison noch für die Werkself spielt, ist sehr fraglich. Unter anderen der FC Chelsea hat Interesse an einer Verpflichtung des Ausnahmefußballers, der in Leverkusen noch einen Vertrag für die kommenden zwei Jahre hat.

Im Anschluss an die Partie gegen Inter stand Havertz logischerweise wieder im Mittelpunkt der Presserunden und bei allem Frust schien Bayer-Coach Bosz immerhin nicht seinen Humor verloren zu haben. Als er nach dem Spiel angesprochen wurde, wie es nun mit Havertz weitergehe, flüchtete sich der Niederländer in einen Witz: "Ja, ich kann euch hier exklusiv mitteilen, dass er in Zukunft für Heracles Almelo spielen wird", sagte Bosz - natürlich nicht ernst gemeint. Der Tabellenachte der vergangenen Eredivisie-Saison reagierte am folgenden Tag mit einem ironischen Twitter-Post und verkündete den Havertz-Transfer mit einem "Welkom Kai". Der Witz hat folgenden Hintergrund: Bosz trainierte in zwei Amtszeiten Almelo, führte die Mannschaft 2005 in die erste Liga. Ernst dürfte es für Bayer dagegen werden, wenn Havertz die Werkself diesen Sommer doch noch verlässt - auch wenn es für ihn nicht gen Almelo gehen wird.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa/sid