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"Langweilig ist mir hier nicht geworden": Horst Heldt.
"Langweilig ist mir hier nicht geworden": Horst Heldt.(Foto: imago/Jan Huebner)
Sonntag, 12. August 2018

Bundesliga-Check: Hannover 96: Heldt kämpft gegen den Ruf der Resterampe

Von Stefan Giannakoulis

Kurz vor dem Start verlängert Trainer André Breitenreiter seinen Vertrag um zwei Jahre, doch er weiß: Einfach wird das mit Hannover 96 in dieser Saison der Fußball-Bundesliga nicht. Und die große Frage ist, ob der Frieden mit den Fans hält.

Es wird nicht einfacher für Hannover 96. Nach dem Aufstieg hatten die Niedersachsen in der vergangenen Saison wenig bis nichts mit dem Abstieg zu tun, am Ende stand für das Team von Trainer André Breitenreiter Platz 13 zu Buche - mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang 16. Und nun? Sind der Abwehrchef und zwei Angreifer weg, und bei den neuen Spielern ist keiner dabei, der unter die Kategorie Top-Verpflichtung fällt. Manager Horst Heldt ist aber von sich und seiner Auswahl überzeugt.

Was gibt's Neues?

Neulich im Niedersachsenstadion.
Neulich im Niedersachsenstadion.(Foto: imago/Eibner)

Die Hannoveraner können in der neuen Saison darauf hoffen, dass die Fans sie unterstützen. Ein Teil der Anhänger hatte darauf zuletzt verzichtet, um so gegen Klubchef Martin Kind zu protestieren. Der würde gerne Mehrheitseigner des Bundesligisten werden, ist mit seinem Plan aber vorerst gescheitert. Die Liga hatte Mitte Juli eine Sondergenehmigung abgelehnt und auf die 50+1-Regel verwiesen. Die Klubs der Bundesliga und der zweiten Liga erhalten nur dann eine Lizenz, wenn der Stammverein nach einer Ausgliederung der Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft die Mehrheit der Stimmanteile besitzt, mindestens 50 Prozent plus einen Stimmenanteil. Das Präsidium der DFL argumentierte, das Kriterium der "erheblichen Förderung" als Voraussetzung für eine Ausnahme von der 50+1-Regel" sei nicht erfüllt. Kind sieht das anders und hat mittlerweile Klage beim Ständigen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen eingelegt. Erst einmal also wollen die Fans die Spieler anfeuern, ohne die Proteste gegen den Präsidenten einzustellen. Fortsetzung folgt, Kind hat bereits angekündigt, auch außerhalb der Sportgerichtsbarkeit zu klagen.

Auf wen kommt es an?

Jagt Tore: Niclas Füllkrug.
Jagt Tore: Niclas Füllkrug.(Foto: imago/Christian Schroedter)

Zurück zum Sport. Viel bis alles konzentriert sich auf Niclas Füllkrug. Der 25 Jahre alte Angreifer hatte in der vergangenen Saison mit 14 Toren dazu beigetragen, dass Hannover als Aufsteiger in der Liga blieb. Die Mönchengladbacher Borussia hätte ihn gerne verpflichtet, bot 16 Millionen Euro, doch die Hannoveraner blieben hart. Jetzt würde Füllkrug gerne seinen bis 2020 laufenden Vertrag verlängern und dann mehr Geld verdienen, die Verhandlungen laufen. Apropos: Breitenreiter hat just einen neuen Vertrag bis 2021 unterschrieben, der alte wäre im Sommer kommenden Jahres ausgelaufen. Überliefert ist ein sehr schöner Satz des Trainers: "Hannover 96 ist für mich mehr als ein Verein." Und dann ist da ja noch Manager Heldt. Im Herbst vergangen Jahres stand er kurz davor, zum 1. FC Köln zu gehen, im April dann scheiterte der Wechsel zum VfL Wolfsburg daran, dass Hannover zu viel Geld für ihn haben wollte. Jüngst aber beteuerte er im "Kicker": "Der Reiz, diesen Traditionsverein auf die nächste Ebene zu begleiten und ihn nachhaltig zu gestalten, war von Beginn an da. Das ist immer noch so, langweilig ist mir hier nicht geworden."

Was fehlt?

Eine überzeugende Antwort auf die Frage, wer die Spieler ersetzen soll, die gegangen sind. Abwehrchef Salif Sané spielt jetzt für den FC Schalke 04, Angreifer Martin Harnik für den SV Werder Bremen und Sturmkollege Felix Klaus steht beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Dafür kamen Verteidiger Kevin Wimmer leihweise vom englischen Erstligisten Stoke City, der defensive Mittelfeldspieler Walace und Angreifer Bobby Wood vom Absteiger Hamburger SV sowie aus Berlin Offensivspieler Genki Haraguchi, der für Japan bei der WM in Russland ein Tor erzielte. Sein Landsmann Takuma Asano kam vom VfB Stuttgart, bei dem der offensive Mittelfeldspieler im vergangenen halben Jahr nicht gespielt hatte. Manager Heldt aber findet, dass er die neuen Spieler gut ausgesucht habe. Der "Sport-Bild" sagte er: "Wer maßt sich an, unsere Spieler infrage zu stellen? Wir haben sie aus Überzeugung verpflichtet. Ich denke nicht, dass es eine Resterampe ist, ich mag auch das Wort nicht."

Schließlich sei es so: "Der Beweis, ob der aktuelle Kader besser ist, ist erst messbar am Ende der Saison." Das wiederum können wir unwidersprochen so stehen lassen. Der Rest wird sich erweisen.

Wie lautet das Saisonziel?

Es geht wieder darum, nicht abzusteigen. Mal sehen, ob die Hannoveraner so gut wie im vergangenen Jahr starten, als nach vier Spieltagen bereits zehn Punkte zu Buche standen. Nun beginnt die Spielzeit am 25. August mit der Partie in Bremen. Dann geht es gegen Borussia Dortmund, zu den Rasenballsportlern nach Leipzig und dann zum Aufsteiger nach Nürnberg. Zehn Punkte? Das wäre durchaus eine Überraschung.

Die Prognose von n-tv.de

Das mit dem Nicht-Abstieg könnte klappen, aber eher über den Umweg der Relegation. Breitenreiter sagte dem "Kicker": "Wenn ich sehe, wie andere Vereine, mit denen wir auf Augenhöhe sein wollen, aufstocken, dann kann ich nur sagen, dass es sicherlich nicht einfacher wird als in der vergangenen Saison."

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Quelle: n-tv.de