Klub reagiert auf VorwürfeHertha BSC kritisiert nach Gewaltexzess die Polizei

Die Bosse von Hertha BSC beziehen Stellung zu den gewalttätigen Vorfällen beim Zweitliga-Topspiel gegen Schalke 04. Und die ist deutlich gegen die Polizei gerichtet.
Mehr als 50 Verletzte. Polizisten und Fans. Verstörende Bilder der Gewalt. Das ist die nächtliche Bilanz des Zwischenfalls am Osttor des Berliner Olympiastadions vor dem Zweitliga-Topspiel gegen den FC Schalke 04 (0:0). Die Aufarbeitung dauert an, doch es gibt schwere Vorwürfe der Polizei - die Hertha BSC aber nicht auf sich sitzen lässt.
Nach den Auseinandersetzungen kritisierte der Hauptstadtklub die Berliner Polizei und rief zum Dialog auf. Der Klub nehme "die Vorkommnisse und das Verhalten der Polizei" beim Heimspiel "mit großer Sorge zur Kenntnis", hieß es in einer Stellungnahme des Präsidiums und der Geschäftsführung. "Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, den Dialog nun auf eine neue, verbindlichere Ebene zu heben."
Die Klubführung wird in ihrer Stellungnahme aber auch grundsätzlicher. Generell sei zuletzt "aus unterschiedlichen Perspektiven wiederholt der Eindruck entstanden, dass Einsatzkonzepte und polizeiliche Präsenz von Fans als zunehmend konfrontativ und in der Gesamtheit an Spieltagen, insbesondere am gestrigen Spieltag, nicht mehr durchgängig deeskalierend wahrgenommen worden sind", hieß es: "Diese Wahrnehmung teilt auch Hertha BSC und hat entsprechende Beobachtungen wiederholt gegenüber der Polizei adressiert."
Fanhilfe spricht von Provokationen
Was genau am Samstagabend im Berliner Olympiastadion passiert ist, wird derzeit noch aufgearbeitet. Während die Polizei "von gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf unsere Einsatzkräfte" berichtet hatte, beklagte die Fanhilfe Hertha BSC eine "massive Polizeigewalt gegen wartende Fans". Verletzt wurden nach Polizeiangaben vom späten Samstagabend 31 Fans und 21 Einsatzkräfte.
Der genaue Hergang ist nicht abschließend geklärt. Berichten zufolge soll ein Schalke-Fan im Bereich des Berliner Fanblocks unterwegs gewesen und von Hertha-Fans attackiert worden sein. Ein Polizeisprecher erklärte: "Um kurz nach 19 Uhr (am Samstag) erhielten Polizeieinsatzkräfte durch einen unbekannt gebliebenen Fan den Hinweis, dass sich etwa 100 Personen der Fanszene von Hertha BSC im Blockzugang zur Ostkurve versammelt und Schutzbewaffnung in Form von Handschuhen und Vermummung angelegt haben sollen." Daraufhin sei es zu der Eskalation gekommen.
Polizisten sollen am Eingang zur Ostkurve beleidigt und von "vermummten" Fans "mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein", schrieb die Polizei. "Zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender" sei Pfefferspray "gegen größere Gewalttätergruppen" eingesetzt worden.
Die Fanhilfe der Berliner warf der Polizei dagegen vor, sich nicht an Absprachen mit dem Verein gehalten und anwesende Fans "provoziert" zu haben. "Gegen die im Vorbereich wartenden Fans wurde anlasslos massive Gewalt ausgeübt, samt großflächigem Einsatz von Pfefferspray", hieß es.
Verein schuld an Gewalt?
Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh, erhob in einem Statement Vorwürfe - auch gegen den Klub: "Es ist abscheulich, wie der eigentlich erfreuliche Anlass eines Fußball-Topspiels in der Hauptstadt zu einem derartigen Gewaltexzess ausartet, unsere Einsatzkräfte diffamiert und massiv angegriffen werden. (…) Hertha BSC hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit im Stadion zu erhöhen. Der gestrige Abend zeigt, dass man sich darauf nicht ausruhen darf und wir in unserer Stadt zu Recht darüber diskutieren, Vereine mehr in die Verantwortung zu nehmen, um Gewaltsuchende von Stadien fernzuhalten." Hertha teilte dazu mit, die Beschreibungen der Polizei sollen "wie alle anderen Ausführungen sorgfältig geprüft und in die weitere Einordnung einbezogen" werden.
Der Verein betonte, dass der seit mehreren Monaten geäußerte Wunsch "nach einem weiterführenden Gesprächsformat" mit der Berliner Polizei "bislang noch nicht realisiert wurde". Ziel müsse es sein, "zu einer über viele Jahre bewährten, verhältnismäßigen und deeskalierenden Vorgehensweise - insbesondere mit und in sensiblen Bereichen - zurückzukehren". Dabei bezog Hertha auch die in der Kritik stehende Innensenatorin Iris Spranger ein. Sie war am Samstagabend im Stadion, der Klub hat laut Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich Gespräche vereinbart.
Sie sei "direkt verantwortlich für jede verletzte Person am heutigen Abend", kritisierte die Fanhilfe: "Wie auch schon in der Debatte rund um die IMK im vergangenen September setzt Innensenatorin Spranger nicht auf Dialog, sondern einzig und allein auf Eskalation."