Fußball

Die Lehren des 4. Spieltags Ja, dieser FC Bayern hat ein Problem

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Gonçalo Paciência rettet Schalke das Remis und gab Schalke neue Hoffnung.

(Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO/Pool)

Die Corona-Krise setzt auch der Fußball-Bundesliga immer mehr zu. Ein Grund: die Länderspiele. Die Ausfälle wichtiger Nationalspieler verzerren den Wettbewerb. In diesem funkt der FC Schalke 04 derweil ein kleines Zeichen der Hoffnung.

1. Der faire Wettbewerb ist in Gefahr

Bundeskanzlerin Angela Merkel bittet die in Deutschland lebenden Menschen, zu Hause zu bleiben und Reisen - soweit möglich - zu unterlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Der vierte Bundesliga-Spieltag zeigte schon vor dem ersten Anpfiff, warum dieser Appell sinnvoll ist. Denn der bis dahin mit sechs Toren in drei Partien beste Torjäger der Saison, Andrej Kramaric, fiel aufgrund eines positiven Corona-Tests aus. Festgestellt wurde die Infektion nach seiner Rückkehr von der kroatischen Nationalmannschaft. Die TSG Hoffenheim verlor nicht nur, aber auch deshalb mit 0:1 gegen Borussia Dortmund, bei denen mit dem Schweizer Manuel Akanji ebenfalls ein Spieler Corona-bedingt fehlte.

"Diese Reiserei ist gefährlich", sagte BVB-Trainer Lucien Favre anschließend: "Ich denke, wir müssen sehr aufpassen." Und das gleich auf mehreren Ebenen. Hauptsächlich natürlich auf die Gesundheit, denn die Spätfolgen selbst bei harmlosen Verläufen sind offenbar nicht zu unterschätzen. Aber die Reisen zu, mit und von Nationalteams sind anscheinend trotz aller Testungen eben auch ein potenzieller Infektionsherd, weil die Spieler aus verschiedenen Ländern von verschiedenen Klubs zusammenkommen. In den Vereinen mag es weitgehend gelingen, die Profis abzuschirmen und in einer gleichbleibenden Gruppe zu trainieren, bei der Nationalmannschaft ist das nicht möglich. Weil dort Menschen aus mehr als 20 Haushalten zusammenkommen und diese sich außerdem auf dem Weg zum Treffpunkt auf öffentlichen Wegen, in Bahnhöfen und an Flughäfen bewegen.

Problematisch wird es natürlich erst dann, und diese Beschwerde ist nicht neu, wenn Spieler angeschlagen oder verletzt von den Nationalteams zurückkehren. Der FC Bayern legte sich deshalb sogar mal mit dem niederländischen Verband an, nachdem Arjen Robben ausgefallen war. Dieses Risiko gehört mit dazu - aber eine Ansteckung mit dem Coronavirus ist eben keine fußballtypische Verletzung wie bei Robbens Muskelfaserriss. Und wenn deshalb nun immer nach Länderspielpausen reihenweise Spieler ausfallen, braucht es eine Lösung. Denn durch die Abstellpflicht haben die betroffenen Klubs selbst nicht die Wahl, ihre Profis einfach nicht reisen zu lassen. Doch wenn dadurch die Fallzahlen nicht nur insgesamt steigen, sondern auch im Fußball, verzerrt das den Wettbewerb.

2. Die Wirkung von Erling Haaland ist beeindruckend

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Die Leichtigkeit der Arbeit.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Wenn Erling Haaland läuft, sieht das nach Arbeit aus. Zwar nach einer, die der 20-jährige Norweger gerne macht, aber eben doch nach Arbeit. In Hoffenheim kam der Stürmer erst nach 64 Minuten ins Spiel, doch das reichte ihm, um den Unterschied zu machen. Was nicht nur daran festzumachen ist, dass er dem mit ihm eingewechselten Marco Reus den Dortmunder Siegtreffer auflegte. Sondern auch daran, welche Aura den Angreifer umgibt. Haaland strahlt zu jeder Zeit den unbedingten Willen aus, den nächsten Zweikampf zu gewinnen, das nächste Laufduell für sich zu entscheiden, den nächsten Pass zum Mitspieler zu bringen, das nächste Tor zu erzielen.

Vielleicht deshalb, weil sein kraftvoller Laufstil Eindruck macht. Viel eher aber deshalb, weil Haaland durchgehend so wirkt, als habe er einfach richtig Bock auf Fußball. Damit ist er in Dortmund sicher nicht der Einzige, zumal die Frage nach der Mentalität einer Mannschaft von außen nie abschließend zu beantworten ist, doch bei Haaland ist diese Einstellung besonders offensichtlich. Haaland ist einer dieser außergewöhnlichen Fußballer, bei denen jedes Spiel ein Erlebnis ist. Das mag keine grundlegend neue Erkenntnis sein, aber eine, die sich regelmäßig festigt und bestätigt.

3. Der FC Bayern muss in der Abwehr aufpassen

An der Aussage von Hansi Flick ist rein gar nichts auszusetzen. "Klar können wir besser verteidigen", sagte der Trainer des FC Bayern nach dem 4:1-Erfolg bei Arminia Bielefeld. Ein so souveräner wie erwarteter Sieg für die Münchner, es traf ja die beste Mannschaft Europas auf den Aufsteiger, der nach elf Jahren wieder erstklassig spielt. Doch wenn der Gegner offensiv mehr zu bieten hat als der amtierende Zweitliga-Meister, wird aus dem "können" schnell ein "müssen" - zumindest wenn Pleiten wie das 1:4 in Hoffenheim künftig vermieden werden sollen.

Denn im Satz von Arminia-Coach Uwe Neuhaus, "dass die Bayern uns hinten große Räume geboten haben", steckt viel Wahres. Was sich nach vier Spieltagen auch an Zahlen ablesen lässt: Der Rekordmeister steht in der Bundesliga nach vier Spieltagen bei acht Gegentoren. Das sind doppelt so viele wie Leipzig und Dortmund zusammen. Und das wird in dem Moment zum Problem, in dem die Offensive stockt. Denn den acht Gegentoren stehen ja 17 eigene Treffer gegenüber, die meisten in der Liga-Historie. Aber am Dienstag (21 Uhr im Liveticker bei ntv.de) startet die Titelverteidigung in der Champions League, dann gastiert Atlético Madrid in München.

Eine Mannschaft, gegen die der FC Bayern 2015/16 nach einem 0:1 in Madrid und einem 2:1 in München im Halbfinale scheiterte und mit der sie 2016/17 in der Gruppenphase 1:0-Heimsiege austauschten. Da tut so ein vermeidbarer Gegentreffer wie in Bielefeld mal ganz schnell deutlich mehr weh. Weshalb Flick die Aufmerksamkeit im Defensivverhalten anmahnen sollte, mit der sein Team beim CL-Finalturnier gegen Olympique Lyon und Paris St. Germain im Halbfinale und im Finale jeweils zu null spielte.

4. Schalke 04 steigert sich, ein bisschen

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Nun, die Erlösung konnte das Kriseninterventionszentrum Gelsenkirchen am Sonntagabend nicht melden. Aber der Ort, der in Deutschland seit Monaten für den schlimmsten fußballerischen Horror im Land steht, schickte nach dem Remis gegen Union Berlin (1:1) immerhin ein leises "kleine Steigerung" über den Äther. Manuel Baum, der das Krisenzentrum des FC Schalke 04 seit rund drei Wochen leitet, sah Fortschritte in den Grundtugendbereichen Leidenschaft, Kampfgeist, Laufleistung und Sprints. Allerdings ist es auch so: "Es hängt noch viel in den Klamotten. Aber die Reaktion meiner Mannschaft nach dem Gegentor war gut. Wir haben uns von dem Rückstand nicht so beeindrucken lassen wie es in den Spielen zuvor der Fall war", analysierte Baum. "Wir wissen aber auch, dass wir spielerisch noch zulegen müssen."

Seit nun 20 Spielen warten die Königsblauen auf einen Sieg in der Liga: Dass der nun ausgerechnet am kommenden Spieltag gelingt, puh, das glauben selbst die eigenen Fans nicht. Die baten die Profis nach dem Spiel und vor dem Derby gegen Borussia Dortmund am Samstag zur Aussprache. Ein Satz, der da gefallen sein soll, lautet laut "Bild"-Zeitung so: "Das Derby ist das wichtigste Spiel im Jahr. Ihr geht da raus und gebt alles. Das kann man verlieren. Es kommt auf die Art und Weise an." Die Ansprüche sind klein, die Hoffnung weiter groß. Nicht die Hoffnung auf ein Wunder, aber die Hoffnung auf ein baldiges Ende dieser Horrorserie. Denn wie sacht man: Wär' schön, wenn Oppa dat noch erleben könnte. Und es ist ja so: Oppa wird nicht jünger!

5. Union ahnt, dass Kruse nicht nur ein Coup ist

Nun, man kann das schon als schön blöd bezeichnen. Max Kruse, der fußballerisch größte Coup in der Vereinsgeschichte von Union Berlin, trifft sich mit ein paar Männern in einer Berliner Bar. Nun hat der Stürmer damit nicht gegen gesetzlichen Vorgaben verstoßen. Aber in Zeiten der grassierenden Corona-Pandemie, in der auch der Profifußball um seine Zukunft zittert, sind solche Ausflüge alles andere als hilfreich. Das wissen sie auch bei den Köpenickern und erklären daher in Person von Sportdirektor Oliver Ruhnert: "Wir wollen diese Aktionen nicht, wir finden sie auch falsch." Weil aber keine Vorgaben verletzt wurden, sondern lediglich einer Empfehlung der DFL nicht nachgekommen wurde, verzichtete der Klub darauf, seinen extrovertierten Fußballer sportlich zu ermahnen. Gegen Schalke stand er in der Startelf. Und natürlich machte er das Spiel seiner Mannschaft besser. Spielte einige der schönsten und besten Pässe des Spiels. So überragend der Transfer sportlich ist, so sehr ahnen sie bei Union womöglich, dass er aber womöglich nicht nur ein Coup ist.

Quelle: ntv.de