Fußball

CL-Showdown für RB Leipzig Julian Nagelsmann "spioniert" im Internet

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Taktik-Fuchs Julian Nagelsmann weiß alles über seinen nächsten Gegner aus England.

(Foto: imago images/Hübner)

Ein Hoch auf das Internet: Mit ein paar Klicks macht sich RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Tottenham ein Bild von seinem Gegner. Tottenhams José Mourinho verfällt derweil in alte Muster zurück. Sehr zum Leidwesen von Tanguy Ndombélé.

Julian Nagelsmann setzte sich erst mal an seinen Rechner. Zur Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel surfte der Trainer von RB Leipzig durch die Internetseiten englischer Medien und analysierte die Aussagen der Profis von Gegner Tottenham Hotspur. "Ich höre jede Pressekonferenz, sehe jedes Interview. Meistens sind die Aussagen der Spieler nach einem Spiel ein Abbild von dem, was der Trainer wollte. Man kann da gut die Stimmung raushören", sagte Nagelsmann vor dem Duell um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League (21 Uhr im Liveticker bei ntv.de).

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Mit ein paar Klicks, so lautet Nagelsmanns Theorie, bekomme man ein gutes Bild der Stimmungslage beim Gegner. Die Tottenham-Analyse dürfte dabei nicht viel Zeit in Anspruch genommen haben. Denn seit dem 0:1 aus dem Hinspiel sind die Spurs aus der Spur, scheiterten im FA Cup mit 2:3 im Elfmeterschießen gegen Norwich City und gewannen kein Spiel mehr in der Liga. Der mächtig angefressene Star-Trainer José Mourinho reagierte auf seine eigene Art und zerlegte am Samstag nach dem 1:1 beim FC Burnley 60-Millionen-Einkauf Tanguy Ndombélé öffentlich.

"Mehr in Bewegung kommen"

Der Frust und das damit verbundene mäßige Betriebsklima bei Tottenham kommt RB gerade recht. Denn die Mannschaft bekommt seit dem starken Auftritt im Londoner Norden ebenfalls ihre PS nicht mehr auf den Platz. "Wir haben die Tempowechsel nicht drin, sind sehr ungenau in den letzten beiden Spielen. Das ist zu statisch. Wir müssen mehr in Bewegung kommen", kritisierte Sportdirektor Markus Krösche.

Die Nullnummer in Wolfsburg diente als Paradebeispiel für alles, was im Leipziger Spiel gerade nicht stimmt. Den Kampf um die Meisterschaft hat man halbwegs aufgegeben. Und so bleibt die Königsklasse das absolute Highlight abseits des Bundesliga-Alltags. "Wenn wir so spielen wie im Hinspiel, bin ich davon überzeugt, dass wir weiterkommen", sagte Kapitän Marcel Sabitzer. Gut für RB, dass das Spiel mit einem 1:0-Vorsprung beginnt. Das macht es den Leipzigern womöglich leichter, ihren gefürchteten Konterfußball zu spielen. "Tottenham wird offener spielen, denn ein 0:0 reicht denen nicht. Wenn sie etwas höher und aggressiver spielen, würde uns das viel Raum hinter der Abwehr geben, den wir bespielen können", sagte Torwart Peter Gulacsi. Für das nötige Tempo soll Stürmer Timo Werner sorgen, der nach seiner Auszeit beim 0:0 in Wolfsburg wieder in der Startelf stehen dürfte.

Mourinho beherrscht Achtelfinale

Dadurch bleiben am Ende zwei Unwägbarkeiten. Die individuelle Klasse der Spurs-Edelkicker Dele Alli, Lucas Moura und Giovani Lo Celso. Und die mit nichts aufzuwiegende Erfahrung von Mourinho. Für den wieder zum zynischen Grantler mutierten Portugiesen ist die Partie in Leipzig bereits die 151. in der Champions League. Davon hat der 57-Jährige nur 34 Spiele verloren - und zumindest für die Verlängerung genügt in der ausverkauften Red-Bull-Arena bereits ein Tor.

Hinzu kommt, dass Mourinho gerade in den Achtelfinals ganz entscheidende Momente seiner Karriere erlebt hat. 2004 setzte er sich mit dem FC Porto gegen das als übermächtig eingestufte Manchester United durch und gewann später die Trophäe. Ein Jahr später schaltete Mourinho mit dem FC Chelsea den FC Barcelona in der Runde der letzten 16 aus und 2010 war für den Londoner Klub gegen Mourinho und seinen neuen Arbeitgeber Inter Mailand ebenfalls im Achtelfinale Schluss. Nagelsmann dürfte also gewarnt sein.

Auf einen Trip zum Tottenham-Spiel in Burnley verzichtete RB übrigens komplett. Auch hier setzte Nagelsmann auf einen Computer. "Wir haben Aufnahmen von allen Spielen aus derselben Perspektive. Das ist 1000-mal besser, als wenn man vor Ort ist", sagte der 32-Jährige. Seine Suchmaschinen-Taktik scheint ein erfolgversprechendes Modell, schließlich hat sie Leipzig erstmals in die K.-o.-Phase gebracht.

Quelle: ntv.de, Tom Bachmann, dpa