Fußball

Dortmunds Auftakt gegen Mainz Kein Turbo, eher ein "Angriffs-Maschinchen"

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Läuft für Dembele, Schürrle und Aubameyang.

(Foto: imago/Team 2)

Dortmunds mit vielen Millionen gepäppelte Mannschaft gewinnt ihr Bundesliga-Auftaktspiel gegen Mainz 05 zwar mit 2:1, doch noch läuft der Motor nicht auf vollen Touren. Trainer Thomas Tuchel bemerkt, "dass es noch ein bisschen knirscht".

Borussia Dortmund, das ist ein börsennotiertes Unternehmen, das ständig Rekordumsätze vermeldet, im letzten Jahr wurden mehr als 360 Millionen Euro bewegt. Hier im Revier, das früher von seinen Bergwerken lebte, wird die Kohle längst woanders zutage gefördert. Es geht nicht in erster Linie um "Echte Liebe", es geht um Bilanzen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist das eines Vereins, der offenbar ein Biotop für Hochbegabte ist, die sich dafür qualifizieren wollen, vom europäischen Geldadel angeworben zu werden. Zumindest kann man zu diesem Schluss kommen, wenn man Thomas Tuchel zuhört. Dortmunds Trainer wird nicht müde, das Betriebsklima in seinem Kader zu rühmen, der vor dieser Saison für viele Millionen auf gleich acht Positionen hochgepäppelt wurde: "Wir fühlen uns sehr wohl und kommen sehr gerne zusammen. Es macht Spaß zu trainieren, Spaß zu spielen, man kann sich aufeinander verlassen."

Borussia Dortmund als Wohlfühloase, das funktioniert allerdings auf Dauer nur, wenn die Mannschaft ihr ungeheures Potenzial auch auf den Platz bringt. Das gelang beim 2:1 (1:0) gegen Mainz 05 eher leidlich. Die ersten drei Punkte hat das neuformierte Team also eingefahren, doch Tuchel wird erkannt haben, wie viel Feintuning noch nötig ist, um den schwarz-gelben Boliden richtig in Fahrt zu bringen.

Ganz klar, diese Mannschaft, die sie da in Dortmund mit viel Geld und Kompetenz zusammengestellt haben, beflügelt die Fantasie der Fans. Die Möglichkeiten sind üppig, allerdings wird es wohl noch etwas dauern, bis das volle Potenzial zum Vorschein kommt. Das zeigte die über weite Strecken holprige Auftaktbegegnung gegen Mainz 05, bei der sich die Borussia überraschend schwer tat, den 2:1 (1:0)-Sieg zu sichern. "Wir wissen, dass noch nicht alles geklappt hat", sagte Kapitän Marcel Schmelzer, "aber es waren auch schwierige Bedingungen bei der drückenden Luft." Die ersten drei Punkte hat das neuformierte Team eingefahren, doch Tuchel wird erkannt haben, dass noch viel Arbeit wartet. Statt Vollgas auf der Überholspur sah Tuchel von seinem Team "ein Angriffs- und Pass-Maschinchen." Der Auftritt habe "ein Stück weit nervös" gewirkt, "wir haben die Struktur und die Räume nicht so sauber gefunden." Doch der 42-jährige Schwabe ist clever genug, um den Erfolg nicht kleinzureden: "Solch ein Sieg ist besonders wertvoll, wenn du merkst, dass es noch ein bisschen knirscht."

Schürrle agiert überragend, Götze muss warten

Zum besten Spieler auf dem Feld schwang sich ein Mann auf, dem das viele nicht zugetraut hatten: André Schürrle, der genau wusste, welche Belohnung er sich nach seiner Glanzleistung wünschen würde: "Am liebsten würde ich mich in die Eistonne legen." Schürrle kam aus Wolfsburg mit dem Ruf, ein schlampiges Genie zu sein, das seine fußballerischen Gaben nach Lust und Laune und damit eher selten präsentiert. Dennoch wollte ihn Tuchel unbedingt haben, vor allem auf sein Insistieren hin gab Borussia Dortmund 30 Millionen aus, um den sündhaft teuren Offensivmann loszueisen.

Einst in Mainz war Tuchel Schürrles Entdecker und Mentor, unter ihm wurde er zum Nationalspieler und zur europaweit begehrte Fachkraft. Fünf Jahre, nachdem sich die Wege getrennt haben, ist der Trainer weiterhin der festen Überzeugung, die üppig vorhandenen Möglichkeiten zum Vorschein bringen zu können: "Dass wir eine besondere Bindung haben, ist doch klar", sagt Tuchel: "Genau wie der Umstand, dass eine solche Bindung einem Spieler hilft. Das ist wie bei jedem Arbeitnehmer, der einen guten Draht zu seinem Chef hat."

Tatsächlich ist Schürrle auf einem bemerkenswert guten Weg. Auf der rechten und der linken Außenbahn agierte er überragend und bereitete beide Dortmunder Treffer vor. Den ersten durch eine herrliche Flanke auf den Kopf von Aubameyang (17. Minute), den zweiten kurz vor Schluss, als er im Strafraum umgerissen wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Aubameyang, der sich damit bereits wieder an die Fersen des Torschützenkönigs Robert Lewandowski heftete. "Wow, the race has startet", hatte der fröhliche Stürmer aus Gabun getwittert, nachdem der Pole am Freitag gegen Bremen drei Mal getroffen hatte.

Während es für Schürrle und Aubameyang läuft, muss sich Mario Götze noch ein bisschen gedulden. Der Heimkehrer ist noch nicht richtig fit und schaffte es gegen Mainz nicht einmal in den Kader. "Wir wollen ihm helfen, dass sein Talent wieder auf dem Platz strahlt", sagt Tuchel: "Dafür braucht er Vertrauen und absolute körperliche Fitness. Die hat er natürlich nicht, weil er sehr wenig gespielt hat in der letzten Zeit. Aber wird das schaffen, da bin ich felsenfest von überzeugt." Warum Götze allerdings in einer für ihn so wichtigen Phase, in der er sich an die Dortmunder Mannschaft heranarbeiten soll, für die beiden Länderspielauftritte abkommandiert wird, erscheint absolut schleierhaft. Strategisches Denken und Handeln sieht anders aus.

Quelle: ntv.de