Fußball

Manager Preetz wird bedrängt Klinsmann vergleicht Hertha schon mit Barça

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Da geht's lang: Jürgen Klinsmann will mit Hertha BSC einen neuen Weg einschlagen.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Jürgen Klinsmann leitet die sportlichen Geschicke von Hertha BSC seit gerade einmal neun Tagen. Der Fußball-Bundesligist steckt mitten im Abstiegskampf. Dennoch zieht der frühere Bundestrainer Parallelen mit den europäischen Top-Klubs - und dürfte damit seinen Investor sehr glücklich machen.

Berlin ist bekanntlich eine Stadt, die gern groß denkt. Und dann doch amateurhafter agiert, als sie es selbst von sich erwartet - siehe etwa Pannenflughafen BER. Fußball-Bundesligist Hertha BSC passt da durchaus ins Bild. Vor allem seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst, der über die Firma Tennor 224 Millionen Euro in den Klub steckte und dafür 49,9 Prozent der Anteile erhielt.

Windhorst skizzierte prompt das Bild des "Big City Club", der in die Phalanx der großen Vereine wie Real Madrid und Manchester City einbrechen will. In Jürgen Klinsmann hat er einen großen Befürworter der Pläne gleich mitgebracht. Zwar muss der 55-Jährige seinen erst im November übernommenen Posten im Aufsichtsrat nun ruhen lassen, weil er plötzlich als Trainer für den Klub wichtiger war. Doch das hält den Wahl-Amerikaner nicht davon ab, die großen Visionen des Investors auch weiterhin zu unterstützen.

Vor allem bei der Identifikation der Fans mit dem eigenen Klub sei die Hertha auf einem guten Weg, sagte Klinsmann dem Sender Dazn. "Ich glaube schon, dass dann auch die Identifikation genauso sein kann und vielleicht auch schon so ist, wie du sie in Liverpool fühlst, wenn du durch Liverpool gehst. Wie du sie in Manchester, Barcelona oder anderen Städten siehst."

"Irgendwann in Europa präsent"

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Lars Windhorst (r.) hat Klinsmann als seinen sportspezifischen Bevollmächtigten eingesetzt.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Überhaupt sei in der Hauptstadt eine große Sehnsucht nach einem international erfolgreichen Klub zu spüren, sagte der frühere Bundestrainer: "Ich glaube, dass die Berliner den inneren Wunsch haben, eine Hertha zu sehen, die irgendwann mal ihr eigenes Stadion hat, irgendwann in Europa präsent ist und sich überregional positioniert." Berlin sei eine ganz besondere Stadt, "da braucht man nicht drum rum reden. Da muss man sich auch zu bekennen", so Klinsmann. "Vieles ist möglich." Für den Verein und die Fans wünsche er sich in naher Zukunft ein Ende der Diskussionen um ein neues Stadion: "Im weiten Rund des wundervollen, alten, ehrwürdigen Olympiastadions ist es unglaublich schwer für alle Fans, nah dran zu sein." Pläne, ein reines Fußballstadion zu bauen, stocken derzeit wegen diverser Differenzen mit dem Berliner Senat, unter anderem wegen des Denkmalschutzes.

Klinsmann hat den Trainerjob bei Hertha BSC erst vor neun Tagen übernommen. Sein erstes Spiel verlor er gegen Borussia Dortmund vor heimischen Publikum mit 1:2. Damit steht der Hauptstadtklub vor der Partie bei Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker sowie bei Dazn) auf dem Relegationsplatz 16. Es sei eine sehr spezielle Situation, die nicht schön aussehe, räumte Klinsmann ein, meinte aber auch: "Die Früchte kommen, wir glauben daran."

"Keine Machtübernahme"

Klar ist das eine Phrase, eine Durchhalteparole, aber gleichzeitig auch wieder eine, die er mit Windhorst gemeinsam hat. Diese mächtige Achse bei Hertha scheint immer mehr die alteingesessenen Entscheider zu bedrängen. Manager Michael Preetz musste sich bereits bei der Vorstellung Klinsmanns als Trainer Fragen zur Machtübernahme erwehren. Da betonte er resolut: "Es gibt keine Machtübernahme, es gibt ein Miteinander." Zudem liegt die "Gesamtverantwortlichkeit im sportlichen Bereich nach wie vor bei mir".

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Plötzlich muss sich Preetz (r.) mit Friedrich abstimmen.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Überhaupt sei er derjenige gewesen, der die neue Rolle Klinsmanns vorgeschlagen habe. Das bestätigte auch Windhorst: "Michael Preetz war der erste, der diese Idee geäußert hat", sagte er der "Bild"-Zeitung. Zudem betonte er, dass er sich "aus dem operativen Geschäft" heraushalte. "Mit Michael Preetz, Ingo Schiller (Geschäftsführer Finanzen, Anm.d.Red.) und Präsident Werner Gegenbauer stehe ich in regelmäßigem Austausch."

Performance-Manager als Korrektiv

Doch auch wenn er sich offiziell nicht in das operative Geschäft einmischt: Klinsmann hat mit dem Amt des "Performance-Managers" ein zusätzliches Korrektiv in sein Team eingebaut. Den Posten hat nun der frühere Hertha-Profi und 82-malige Nationalspieler Arne Friedrich inne. Er soll dem Chefcoach zufolge das "Bindeglied" zu Preetz sein. Der konnte in seinen zehn Jahren als Manager bei Hertha recht frei sportliche Entscheidungen im Klub treffen - das dürfte mit Klinsmann ein Ende haben. Schließlich mischt mit Friedrich nun ein weiterer Fußball-Fachmann auf Manager-Ebene mit.

Klinsmanns Vertrag als Trainer gilt bis zum Saisonende. Doch als sportspezifischer Bevollmächtigter für Windhorst im Aufsichtsrat bleibt Klinsmann in jedem Fall mit dem Verein verbunden. Derzeit beweist er immer wieder, wie gut der Investor seinen Mann für seine Belange ausgewählt hat.

Bei einem Sieg von Hertha BSC bei Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker sowie bei Dazn) könnte der Hauptstadtklub zumindest vorübergehend bis auf Tabellenplatz 13 vorrücken - je nach Höhe des Sieges. Im Falle einer Niederlage gegen den derzeitigen Tabellen-Zehnten müsste Hertha dagegen sogar fürchten, vom 1. FC Köln auf Platz 17 verdrängt zu werden. Die Kölner spielen am Sonntag (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de sowie bei Sky) auswärts beim 1. FC Union Berlin.

Quelle: ntv.de