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CL-Reifeprüfung in Barcelona Klopp bändigt unberechenbaren FC Liverpool

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(Foto: imago images / Colorsport)

Der FC Liverpool steht schon wieder im Halbfinale der Fußball-Champions-League und ist reifer als in der wilden Vorsaison. Das Nou Camp, das mächtige Stadion des FC Barcelona, macht Jürgen Klopp keine Angst – und gegen Lionel Messi hat er eine spezielle Waffe.

Jürgen Klopp ist ein Meister darin, seine Mannschaften als Herausforderer darzustellen, als Außenseiter sogar. Das war in seinen Tagen bei Borussia Dortmund so, und daran hat sich auch beim FC Liverpool nichts geändert. Vor dem Halbfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League beim FC Barcelona an diesem Mittwoch (ab 21 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) hat er einen Vergleich gezogen zwischen dem Gegner, der seit dem Wochenende wieder einmal als spanischer Meister feststeht, und zwischen seinem Team, das in der Premier League auf den ersten Titel seit fast 30 Jahren hofft.

Er habe natürlich vernommen, dass das aktuelle Barcelona angeblich nicht so stark ist wie das Barcelona von vor ein paar Jahren. Aber das ist für ihn unbedeutend: "Man muss sie nur einmal analysieren. Es ist eine richtig, richtig gute Fußball-Mannschaft mit viel Qualität und Selbstvertrauen. Es ist ein großes Team", sagte der deutsche Trainer. Größer noch als sein FC Liverpool, doch der Abstand schmilzt seiner Meinung nach: "Wir sind dabei, näher zu kommen. Wie nah wir schon sind, weiß ich nicht. Wir werden sehen."

Liverpool hat sich weiter entwickelt

Klar, es sprechen ein paar Indizien dafür, dass Barcelona Favorit ist in diesem Halbfinale. Der Verein hat seit 2006 vier Mal die Champions League gewonnen, Liverpool dagegen wartet seit 2005 darauf, mal wieder den Silberpokal mit den Riesenhenkeln zu holen. Barça verfügt gerade in der Offensive über eine Ansammlung individueller Klasse, die jedem Gegner Angst machen muss. Der Klub aus der Hauptstadt Kataloniens setzt vor allem auf Lionel Messi, der so sehr danach trachtet, mit seinem fünften Gewinn der Champions League mit Cristiano Ronaldo gleichzuziehen.

Doch wenn man die jüngste Entwicklung zum Maßstab nimmt, ist der Rückstand des FC Liverpool auf Barcelona gar nicht so groß. Im Gegenteil: Vielleicht ist Klopps Mannschaft sogar leicht im Vorteil. Sie ist gerade dabei, sich weiter und nachhaltig in der internationalen Elite zu etablieren und steht zum zweiten Mal nacheinander im Halbfinale. Liverpool ist der einzige Halbfinalist der vergangenen Saison, der auch diesmal in der Vorschlussrunde dabei ist, und hat sich seitdem noch einmal entwickelt, ist abgeklärter und erwachsener geworden.

Wenn man an den FC Liverpool in der Champions League aus der abgelaufenen Spielzeit denkt, dann erinnert man sich an einen wilden Ritt, der stets etwas Unberechenbares hatte. Man erinnert sich daran, wie Klopps Team im Viertelfinale Manchester City mit drei Toren in der ersten halben Stunde aus dem Stadion an der Anfield Road schoss und im Rückspiel zittern musste nach einem frühen Gegentreffer. Man erinnert sich an das irrwitzige Halbfinale gegen den AS Rom, wo Liverpool den 5:2-Sieg aus dem Hinspiel fast noch verspielte durch die 2:4-Niederlage im zweiten Treffen in Rom. Und man erinnert sich an das Finale in Kiew, an das 1:3 gegen Real Madrid nach den beiden Fehlern von Torwart Loris Karius. In seiner Absurdität passte die Partie zu Liverpools unberechenbarer Reise durch die Europokal-Saison.

In dieser Spielzeit ist die Mannschaft reifer. In der Liga hat sie zwei Spieltage vor dem Ende erst eine Niederlage kassiert (und wird möglicherweise trotzdem nur Vizemeister hinter Manchester City), und im Europapokal trat sie zuletzt deutlich souveräner auf als in der vergangenen Saison. Nach der wackligen Vorrunde mit drei Auswärtsniederlagen hatte Liverpool die Duelle im Achtelfinale gegen den FC Bayern (0:0 und 3:1) und im Viertelfinale gegen den FC Porto (2:0 und 4:1) gut im Griff und arbeitete sich beeindruckend souverän ins Halbfinale vor. Die Spiele waren keine Hochseil-Akrobatik wie in der Vorsaison, sondern seriöse Vorstellungen. Jetzt also: Barça, Nou Camp. Und vor allem: Messi.

Klopp hat ein Mittel gegen Messi - vielleicht

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2013 konnte Virgil van Dijk Barcas Offensivwucht noch nicht stoppen: Mit Celtic Glasgow ging er in Nou Camp 1:6 unter, Neymar traf dreifach.

(Foto: imago sportfotodienst)

Vor dem Stadion hat Klopp keine Angst. Seine eher nebenbei getätigte Aussage in einem DAZN-Interview, dass die Spielstätte "kein Tempel" sei, kam ziemlich schlecht an bei einigen Einheimischen in Katalonien. Die Statistik stützt dabei Klopps Gelassenheit: Der FC Liverpool hat in Nou Camp noch nie verloren, in K.O.-Duellen der beiden Klubs setzten sich jeweils die Engländer durch. Auch auf Messi könnte Liverpool die richtige Antwort haben – nämlich Innenverteidiger Virgil Van Dijk. Der Rekord-Einkauf ist der wichtigste Spieler der Mannschaft, weil er sie von ihrer Wankelmütigkeit in der Abwehr erlöst hat. Von der englischen Profigewerkschaft wurde er gerade zum Spieler der Saison gewählt, als erster Verteidiger seit dem großen John Terry vor 14 Jahren. Viele Liverpool-Fans sind der Überzeugung, dass, wenn irgendjemand mit Messi fertig wird, dann er.

Van Dijk selbst sagt: "Wir werden bereit sein. Wir fahren nicht dorthin, um Urlaub zu machen." Die Reise nach Barcelona soll kein Kurztrip zur Erholung sein für den FC Liverpool, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg nach Madrid, wo am 1. Juni das Endspiel ausgetragen wird. Ein weiterer Schritt zum zweiten Champions-League-Finale nacheinander.

Quelle: n-tv.de

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