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Samstag, 31. August 2013

So läuft der Bundesliga-Spieltag: Klopp baut ab, Boateng debütiert

Von Stefan Giannakoulis und Christian Bartlau

Verspätete Frühlingsgefühle in der Fußball-Bundesliga: Braunschweig will seine Jungfräulichkeit verlieren, und in Stuttgart trainiert plötzlich ein gewisser "Schniedel". Derweil hofft HSV-Trainer Thorsten Fink, dass er von Angela Merkel verschont bleibt, und Jürgen Klopps Gedächtnis macht nicht mehr mit.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Es ist an der Zeit, ein Geständnis abzulegen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, richtig gute Hinweise für das Büro-Tippspiel abgeliefert zu haben. Nur bei uns selbst, da will es nicht so recht klappen. Da stehen Kollegen und Kolleginnen oben, die haben keine Ahnung von … egal, wir wollen nicht darüber reden. Jedenfalls haben wir da einen todsicheren Tipp: Die Bayern werden gar nicht gewinnen, sondern 1:1 spielen. Gern geschehen.

Im Ernst: Es war schon enttäuschend, was die Bayern da in Freiburg ablieferten. Aber nun wissen wir, es war für einen höheren Zweck. Für das ganz große Drama in Prag. Ein fairer Handel, so bescherte Pep Guardiola den Zuschauern ein schönes Spektakel, und dann auch noch mit einem guten Ende für die Bayern. Fraglich nur, wie oft er Punktverluste in der Liga mit Erfolgen auf europäischer Bühne entschuldigen kann.

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Zur Erinnerung, Herr Klopp: So bedient waren Sie nach dem 3:3 in Frankfurt in der vergangenen Saison.
Zur Erinnerung, Herr Klopp: So bedient waren Sie nach dem 3:3 in Frankfurt in der vergangenen Saison.(Foto: imago sportfotodienst)

Nix spanische Verhältnisse. Abgesagt. Die Bayern spielen unentschieden beim SC Freiburg, am vierten Spieltag. Soweit wir das nachvollziehen können, lassen Real Madrid und der FC Barcelona höchstens Punkte gegeneinander liegen, wenn überhaupt. Ansonsten sind an der Tabellenspitze mit Leverkusen, Dortmund und Mainz noch drei Teams ohne Punktverlust. Vielleicht kristallisiert sich eine neue Spitze heraus. Bayer spielt bei kriselnden Schalkern, die nur zwei der letzten fünfzehn Heimspiele gegen Bayer gewonnen haben. Die Dortmunder treten bei den vom Europapokal beseelten Frankfurtern an, deren Fans im Playoff-Rückspiel gegen FK Karabach Agdam eine königsklassenreife Leistung zeigten. Im vergangenen Jahr hatte der BVB im Riederwald beim unterhaltsamen 3:3 eine 2:0-Führung vergeben. Trainer Jürgen Klopp erinnert sich nur vage: "Immer, wenn ich daran zurückdenke, meine ich, wir hätten verloren. Es hat sich schon damals wie eine Niederlage angefühlt." Und der FSV Mainz ist als dritter im Bunde zu Gast bei Hannover 96, der Wundertüte der Liga.

Was passiert sonst noch an diesem Spieltag?

Wer lustig findet, dass der VfB Stuttgart nun mit Thomas Schneider einen Trainer hat, den die Schwaben - warum auch immer - "Schniedel" rufen, dem sei gesagt: Keine Witze mit Namen. Was ein wenig schade ist. Denn sollte die Stuttgarter im ersten Bundesligaspiel nach Bruno Labbadia bei der TSG Hoffenheim gewinnen, können wir zum Beispiel nicht titeln: "Schniedel lohnt sich". Sei's drum. Die Stuttgarter sind nach dem peinlichen Ausscheiden aus der Europaliga und null Punkten in der Bundesliga gebeutelt genug. Schneider macht das, was ein neuer Trainer machen muss - auf Optimismus. "Ich bin absolut positiv. Ich hoffe, das überträgt sich auch auf die Mannschaft." In Hoffenheim haben sie derweil ein Problem weniger. Der in die berüchtigte Trainingsgruppe II abgeschobene Profi Eren Derdiyok ist auf Leihbasis zu seinem Ex-Klub Bayer Leverkusen zurückgekehrt. Zuvor hatte der 25-Jährige vergeblich versucht, sich per Einstweiliger Verfügung ins Training einzuklagen. Trainer Markus Gisdol macht aus seiner Freude keinen Hehl: Für uns ist es erleichternd, die Probleme Stück für Stück abarbeiten zu können."

Welche Mannschaft überrascht?

"Meine neuer Lieblingsverein ist Schalke." Flexibler Spieler, dieser Kevin-Prince Boateng.
"Meine neuer Lieblingsverein ist Schalke." Flexibler Spieler, dieser Kevin-Prince Boateng.(Foto: REUTERS)

Auch in Gelsenkirchen schöpfen sie wieder Mut. Ob das für einen zumindest kleinen Coup gegen Bayer Leverkusen reicht, wissen wir allerdings auch nicht. Kevin-Prince Boateng heißt der Mann, der die Hoffnungen trägt. Eben noch beim AC Mailand, heute vielleicht schon im Trikot des FC Schalke 04, als Verstärkung im defensiven Mittelfeld. Der Neue führte sich gut ein: "Ich halte die Bundesliga für die stärkste Liga der Welt. Und dorthin gehören die besten Spieler der Welt." Vielleicht sollte ihm jemand sagen, dass Schalke eventuell nicht der beste Verein der … egal, lassen wir das. Jens Keller jedenfalls hat einen Plan, und das ist ja nicht das Schlechteste, was einem Trainer passieren kann. Auf die Frage, ob sich Boateng im Kader wiederfinde, sagte er: "Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe auch schon eine Idee." Ansonsten hat Boateng bereits enorme Flexibilität bewiesen. Vor wenigen Wochen hatte er noch die Borussia aus dem benachbarten Dortmund als seinen Lieblingsverein bezeichnet, nun gab er zu Protokoll, das habe sich erledigt: "Mein neuer Lieblingsverein ist Schalke."

Und sonst so? Tritt die Hertha aus Berlin trotz des besten Bundesligastarts seit Erscheinen von Wladimir Nabokovs berühmtesten Roman beim VfL in Wolfsburg als Außenseiter an. Aber zum ersten hat der Aufsteiger seine letzten beiden Partien am Mittellandkanal gewonnen. Zweitens fehlt mit Millionenzugang Luiz Gustavo einer der besten Wolfsburger. Und drittens hatte Herthas Trainer Jos Luhukay Spektakuläres zu berichten: "Wir konnten uns wieder auf Fußball konzentrieren. Das war eine normale Trainingswoche." Großes kündigte auch Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht vor der Begegnung beim Hamburger SV an: "Wir sind bereit, gewissermaßen unsere Jungfräulichkeit in Hamburg abzulegen." Will meinen: Der Aufsteiger will den ersten Erstligapunkt seit 28 Jahren. Bleibt die Frage, ob es überraschend ist, wenn das beim HSV gelingt.

Für welchen Trainer wird es eng?

Womit wir, welch' Überleitung, bei Thorsten Fink sind. Wir wollen hier nichts herbei schreiben. Aber spätestens seit Hamburgs Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow dem Trainer auch im Fall einer Niederlage gegen Eintracht Braunschweig eine Jobgarantie gegeben hat, machen wir uns Sorgen. "Thorsten Fink hat unser Vertrauen, wir werden nicht überreagieren", hatte Jarchow dem Fachmagazin "Kicker" gesagt. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sich für Fink ausspricht. Normalerweise taucht ja Schalkes Jens Keller regelmäßig in dieser Rubrik auf, aber der spielt ja jetzt Champions League, hat ja einen Plan - und einen Boateng. Stammgast Bruno Labbadia hat jetzt frei, und der VfB Stuttgart bewiesen, dass er es auch ohne ihn vermasseln kann.

Wo wird es brisant?

Noch kein Saisonsieg, das peinliche Pokal-Aus gegen Zweitligist Sandhausen - gewinnt der 1. FC Nürnberg im Derby gegen Augsburg wieder nicht, wird das Wort "Fehlstart" in der ein oder anderen Schlagzeile in den heimischen Zeitungen auftauchen. Das weiß auch Trainer Michael Wiesinger: "Das ist für den 1. FC Nürnberg ein sehr wichtiges Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen." Allerdings sind die Augsburger gerade so richtig auf den Geschmack gekommen: Schon am dritten Spieltag der erste Dreier, so schnell waren die Schwaben in ihren drei Jahren Bundesliga noch nie. Im Debüt-Jahr dauerte es neun Spiele bis zum ersten Sieg, in der vergangenen Saison noch sieben. "Jetzt fahren wir mit Rückenwind zum Derby nach Nürnberg", sagt Trainer Weinzierl und stachelt seine Profis mit der Erinnerung an die 1:2-Heimniederlage im März an. "Nürnberg hat uns richtig weh getan im vergangen Jahr."

Richtig weh getan hat FCA-Stürmer Sascha Mölders sein kapitaler Fehlschuss gegen Stuttgart. Mölders hatte Torwart Sven Ulreich schon umkurvt - hämmerte den Ball gegen das Außennetz. Einen Pechvogel haben auch die Nürnberger dabei: Schon dreimal traf Daniel Ginczek Pfosten oder Latte. Mal sehen, wer seine Pechsträhne durchbrechen kann.

Was sagt das Orakel?

"Ich erwarte, dass wir das Spiel gewinnen. Egal wie, aber mit fairen Mitteln." Auch Hamburgs Trainer Thorsten Fink hat vor der Partie gegen Eintracht Braunschweig einen Plan.

Quelle: n-tv.de