Fußball

Wunder oder in Schönheit sterben Klopp geht gegen Barcelona voll auf Risiko

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Alle Mann nach vorne? Nun, so vielleicht nicht: Aber Jürgen Klopp will gegen den FC Barcelona voll auf Risiko gehen.

(Foto: imago images / PA Images)

Der FC Liverpool steht im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona vor einer Herkulesaufgabe. Die Reds müssen ein 0:3 aus dem Hinspiel wettmachen - ohne ihren Top-Stürmer Mohamed Salah. Für Coach Jürgen Klopp sind es schicksalshafte Wochen.

Jürgen Klopp hat es aufgegeben. Nein, nicht dieses Halbfinal-Duell der Champions League mit dem FC Barcelona, nein: Dafür haben der deutsche Teammanager und ganz besonders der FC Liverpool viel zu viele Wunder erlebt. Doch das Projekt, diesen Irrsinnsspieler Lionel Messi zu stoppen, das hat wirklich keinen Sinn mehr. "Er ist unaufhaltsam", sagt Klopp vor dem Rückspiel, in dem die Reds (21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) ein 0:3 aufholen müssen. Und das ohne Top-Stürmer Mohamed Salah. "Leider muss ich bestätigen, dass Mo nicht spielen kann", sagte Klopp. Salah war beim 3:2-Sieg bei Newcastle United nach einem Zusammenstoß mit Torwart Martin Dubravka ausgewechselt worden. Auch Roberto Firmino ist angeschlagen und wird nicht spielen können.

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Mohamed Salah hat sich gegen Newcastle so schwer verletzt, das er in der Champions League nicht spielen kann.

(Foto: imago images / Focus Images)

Doch aufgeben ist so oder so keine Option: "Weil es Fußball" ist, sagt Klopp, ein Spiel, in dem ohnehin vieles "Schicksal" sei, werde er es wieder versuchen: "Wir wollen das kleine Wunder schaffen und sonst wenigstens in Schönheit sterben." Die Devise laute: "Volles Risiko!" Ob es das Schicksal vorsieht, dass er am Ende wieder in einem großen Finale steht (er hat die letzten sechs verloren) oder Liverpool gar vom Meisterfluch erlöst, das liegt nicht nur in Liverpools Hand. "Wir können nur tun, was wir können", betont Klopp. "Mit allem, was wir haben."

Am Montagabend etwa passiv vor dem Fernseher, um einen Ausrutscher von Manchester City in der Premier League "herbeizubeten" - das sagt Liverpool-Kapitän Jordan Henderson. Es war letztlich vergeblich, die Citizens gewannen mit 1:0 gegen Leicester. Am Dienstag dann mit "wahrer Leidenschaft, viel Herz und mit Lust", beflügelt vom "Mythos Anfield", wie Klopp hofft. Ein Zündfunke, womöglich ein frühes Tor - und das Stadion könnte explodieren wie 2016 beim 4:3 gegen Borussia Dortmund.

Wenn die beste Saison der Geschichte nicht reicht

Die Geschichte der Reds lässt sich in dieser Saison eben nicht nach Wettbewerben getrennt erzählen. Die Champions League, sie ist toll, ja. Aber Liverpool hat sie 2005 gewonnen, in jenem epischen Endspiel gegen den AC Mailand in Istanbul, sie standen 2007 im Finale und auch 2018. Viel größer ist das Sehnen nach dem ersten Meistertitel seit 1990. Wer ihn holt, dem gilt ewiger Ruhm. Doch der frühere Rekordmeister könnte ihn mit der Rekordpunktzahl von 97 (!) aus 38 Spielen verpassen.

So könnten sie spielen

Liverpool: Allison - Alexander-Arnold, Lovren, van Dijk, Robertson - Henderson, Fabinho, Wijnaldum - Shaqiri, Sturridge, Mane: Trainer: Klopp.
Barcelona: ter Stegen - Semedo, Pique, Lenglet, Alba - Rakitic, Busquets, Vidal - Messi, Suarez, Coutinho; Trainer: Valverde
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)

Klopp hätte in diesem Fall die beste Saison der Vereinsgeschichte abgeliefert und stünde doch auch nach fast vier Jahren als Liverpool-Trainer ohne Titel da - gesetzt den Fall, es reicht ohne Firmino und Salah erwartungsgemäß nicht gegen den FC Barcelona und dessen deutschen Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen.

Wunder gibt es zwar immer wieder, doch der Fußball-Gott streut sie spärlich. Zweimal wurde im wichtigsten Europapokal ein Drei-Tore-Rückstand im Halbfinal-Rückspiel noch gedreht: Panathinaikos Athen schaltete 1971 nach einem 1:4 noch Roter Stern Belgrad aus, der FC Barcelona setzte sich 1986 nach einem 0:3 gegen IFK Göteborg raus. Beide verloren das Finale. Die Suche nach einem guten Omen war immerhin erfolgreich, sogar doppelt. Da ist einerseits Istanbul, das mystische Wort. Liverpool gewann dort wie beschrieben das Champions-League-Finale gegen Milan nach 0:3-Halbzeitrückstand. Zudem hat Schiedsrichter Cüneyt Cakir schon 2016 das erwähnte 4:3 gegen den BVB geleitet - ebenfalls ein "Anfield miracle".

Abwehrspieler Dejan Lovren hat den unerschütterlichen Glauben zuletzt perfekt beschrieben. "Wir sind Liverpool. Wir sind einmalig", sagte er: "Wir haben die Eier für die größten Comebacks."

Quelle: n-tv.de, Thomas Nowag, sid

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