Fußball

Historischer Punktgewinn in WM-Quali Kosovos Nationalelf jubelt Kritik weg

c214ba8cce06be32d27d8b3fe4f5796d.jpg

Die Mannschaft des Kosovo profitierte kurz vor dem Spiel gegen Finnland von mehreren Ausnahmeregelungen der Fifa.

(Foto: dpa)

Im ersten Pflichtspiel ihrer Geschichte erringt die Nationalmannschaft des Kosovo den ersten Punkt. Die Euphorie ist entsprechend groß. Außerhalb der Balkanrepublik regt sich allerdings Widerstand gegen die junge Fußballnation.

Das Veritas-Stadion in der finnischen Stadt Turku war bislang kaum bekannt für große Fußballmomente. Am Montagabend hat sich in der Heimat des FC Inter Turku jedoch Historisches ereignet. Die Nationalmannschaft des Kosovo erringt in ihrem ersten Spiel in einer WM-Qualifikation gegen Finnland ein 1:1 - und somit den ersten Pflichtspielpunkt in der jungen Geschichte des kosovarischen Fußballverbands (FFK).

*Datenschutz

"Wir haben uns als wertvolles Team bei internationalen Wettbewerben bewiesen", sagte Premierminister Isa Mustafa. In der Tat ist den Kickern seines Landes ein Achtungserfolg gelungen. In der Qualifikationsgruppe I für die WM-Endrunde 2018 in Russland liegt das Kosovo gemeinsam mit Finnland nach Punkten und Toren gleichauf mit den EM-Teilnehmern Kroatien, Island, Ukraine und Türkei.

Die Euphorie in der Balkanrepublik ist entsprechend groß. Das Spiel galt als größtes Sportereignis in der Geschichte der Nation seit der Abspaltung von Serbien im Jahr 2008. In der Hauptstadt Pristina waren die Kneipen bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem Schlusspfiff herrschte in dem 1,8-Millionen-Einwohner-Land überschwänglicher Jubel. "Generationen von Spielern fühlen sich so stolz nach Jahrzehnten der Isolierung", twitterte Staatspräsident Hashim Thaçi, der bei der Partie im Stadion dabei war. Als ob es eines Beweises für die staatsmännischen Worte bedurfte, twitterte Milot Rashica ein Jubelbild aus der Kabine.

Neuer Volksheld Berisha

f7529f8f81af2889fa5c6f55f5aab2df.jpg

Valon Berisha (r.) bejubelt den Treffer zum 1:1.

(Foto: AP)

Der Stürmer in Diensten des niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ist einer von 16 Spielern, deren Anträge auf Nationenwechsel nur wenige Stunden vor der Partie durch die Fifa per Ausnahmeregelung angenommen wurden. Erst am 3. Mai wurde das Kosovo von der Europäischen Fußball-Union Uefa als 55. Mitglied, zehn Tage später vom Weltverband Fifa als 210. Mitglied aufgenommen. Viele Spieler aus dem Kader von Trainer Albert Bunjaki kickten bis vor kurzem noch für andere Nationen.

So auch Valon Berisha. Als Letzter von den Antragstellern erhielt der 23-Jährige, der noch im Juni für das norwegische Nationalteam auflief, seine Spielberechtigung. Und wie es der Fußball so will, war es sodann ebenjener Mittelfeldspieler von Red Bull Salzburg, dem das historische erste Pflichtspieltor für das Kosovo vorbehalten war. Per Foulelfmeter egalisierte Berisha nach einer Stunde das 0:1 der Finnen aus der ersten Halbzeit. Nach dem Schlusspfiff gestand der neue Volksheld: "Es ist ein sehr gutes Gefühl, ich habe davon geträumt, ein Tor für Kosovo zu erzielen."

Widerstand gegen junge Fußballnation

*Datenschutz

Staatschef Thaçi verkündete unmittelbar nach Berishas Treffer auf Twitter: "Das Beste unseres Landes wird noch kommen!" Vollkommen problemlos dürfte die weitere Geschichte des kosovarischen Verbandes allerdings nicht verlaufen.

Schon die nachträgliche Zuteilung in Gruppe I erfolgte aus Sicherheitsgründen. Die Fifa möchte mit aller Macht vermeiden, dass das Kosovo auf Serbien und Bosnien-Herzegowina trifft - insbesondere aus Serbien kommen (sport-)politische Störfeuer in Richtung der abtrünnigen Teilrepublik. Jüngstes Beispiel ist der - vergebliche - Einspruch des serbischen Verbands beim Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen die Aufnahme des Kosovo in die Uefa.

Schweiz fürchtet Spielerflucht

Auch abseits des Balkans regt sich Widerstand gegen die junge Fußballnation. Wie die jüngsten Anträge vor dem WM-Qualifikationsspiel deutlich machten, bemüht sich der FFK darum, kosovarisch-stämmige Fußballspieler von anderen Nationalteam abzuwerben. Das Potenzial an talentierten Kickern ist enorm.

Allein bei der EM-Vorrundenpartie zwischen der Schweiz und Albanien im Juni standen sage und schreibe 18 Spieler auf dem Platz, die ihre Wurzeln im Kosovo haben - darunter auch der Ex-Gladbacher Granit Xhaka, der jüngst für stolze 45 Millionen Euro zum FC Arsenal wechselte.

Beim Schweizer Verband (SFV), der bei besagtem EM-Spiel sieben kosovarisch-stämmige Spieler aufbot, geht die Furcht vor einem Exodus um. Ende August kritisierte der SFV das Geschäftsgebaren des FFK: "Anstelle eines Aufbaus des kosovarischen Verbandes mit Bedacht und Weitsicht sind seit Wochen Bemühungen seiner Funktionäre erkennbar, Spieler abzuwerben und davon zu überzeugen, in der bald beginnenden WM-Qualifikation für den Kosovo zu spielen."

Granit Xhaka hat mittlerweile mehrmals nachdrücklich und entnervt beteuert, dass er nie erwogen habe, den Verband zu wechseln - auch wenn in Schweizer Boulevardmedien immer wieder das Gegenteil zu lesen ist. Auch den Schweizer Stars Xherdan Shaqiri und Valon Behrami wird ein Wechsel ins Kosovo nachgesagt. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte die Fifa kürzlich mit, dass noch ein Antrag auf einen Nationenwechsel überprüft werden müsse. Den Namen des Spielers gab der Weltverband allerdings nicht preis. Gut möglich, dass beim nächsten WM-Qualifikationsspiel am 6. Oktober gegen Kroatien ein altbekannter Spieler erstmals im blau-weiß-gelben Trikot der kosovarischen Nationalmannschaft auflaufen wird.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

Mehr zum Thema