Fußball

Deutsche Legionäre im Formcheck Kroos bleibt höflich, Podolski geschmäht

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Läuft für ihn: Toni Kroos.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Mit dem Sieg im Clásico beim FC Barcelona krönt Reals Toni Kroos seine persönlichen Festwochen, Robert Huth und Leicester bleiben märchenhaft und Mesut Özil ist immerhin souverän. Das kann Lukas Podolski nun nicht von sich behaupten.

Gastarbeiter des Wochenendes

Toni Kroos (Real Madrid): Wenn einer dazu beiträgt, dass seine Mannschaft mit 2:1 als Gast im Camp Nou gewinnt, dann ist das schon ein Lob wert. Auch wenn Real nach diesem etwas überraschenden Sieg in der spanischen Primera Division sieben Runden vor dem Ende der Saison noch immer stattliche sieben Punkte hinter Titelverteidiger und Tabellenführer FC Barcelona in der Tabelle auf Rang drei rangiert. Kroos knüpfte in diesem Clásico an die prima Leistungen an, die er in den beiden Testspielen mit der deutschen Nationalmannschaft gegen England (2:3) in Berlin und Italien (4:1) in München gezeigt hatte, nur dass er im Verein wieder offensiver agierte als in der DFB-Elf.

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Hier allerdings ist Lionel Messi schneller am Ball.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die lebende Passmaschine machte ihrem Ruf alle Ehre, lief zudem enorm viel - und bereitete nach einer guten Stunde den Ausgleich vor, den der nicht unumstrittene Franzose Karim Benzema mit einem spektakulären Fallrückzieher erzielte. Am Mittwoch sind Kroos und seine Kollegen zu Gast in Deutschland, Real kommt zum Hinspiel im Viertelfinale der Champions League ins Stadion am Mittellandkanal und trifft dort (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) auf den VfL Wolfsburg. Das ist die Mannschaft, die jüngst mit 0:3 in Leverkusen verlor und in der Tabelle der Bundesliga nur auf Platz acht steht. Kroos ist aber so höflich, auch vor diesem Gegner zu warnen: "Wenn wir im Real-Team denken, dass wir nach dem Sieg in Barcelona locker in Wolfsburg gewinnen, wird es sehr, sehr ungemütlich für uns. Wir müssen alles geben, um weiterzukommen." Von einem Freilos könne von keine Rede sein - sagt der Gastarbeiter des Wochenendes.

Gefeiert

Robert Huth (Leicester City): Das Märchen geht weiter, der Außenseiter aus Leicester schreibt weiter an seiner Sensationsgeschichte. Und mittendrin: Innenverteidiger Huth aus Berlin. Nach dem 1:0 gegen den FC Southampton haben er und sein Team sechs Spieltage vor Toresschluss in der englischen Premier League als Spitzenreiter nun sieben Zähler Vorsprung auf die Tottenham Hotspur, die beim FC Liverpool nur zu einem 1:1 kamen. Leicesters Trainer Claudio Ranieri gab nach dem vierten Sieg hintereinander zu Protokoll: "Es ist jetzt wichtig, ruhig zu bleiben und mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen." Dennoch hatten sie in Leicester bereits vor dem Anpfiff am Sonntag gefeiert, es gab Freibier und Donuts für alle - eine interessante Kombination. Allerdings feierten sie nicht die allererste Meisterschaft der Vereinsgeschichte, vielmehr hatte sich der thailändische Klub-Besitzer Vichai Srivaddhanaprabha einen Tag vor seinem Geburtstag spendabel gezeigt.

Mesut Özil (FC Arsenal): Mit der Meisterschaft wird das in dieser Saison wohl nichts mehr, auch nach dem souveränen 4:0 gegen den FC Watford hinkt Arsenal elf Punkte dem Team aus Leicester hinterher. Aber Tottenham, der Tabellenzweite, ist wieder in Reichweite, zumal die Gunners noch ein Nachholspiel in der Hinterhand haben. Und Özil? War souverän wie seine Kollegen und sicherte sich mit der Steilvorlage zu Theo Walcotts Schlusspunkt in letzter Minute noch einen Scorerpunkt.

Gefragt

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Immer noch am Ball: Miroslav Klose.

(Foto: REUTERS)

Miroslav Klose (Lazio Rom): Der Altmeister des deutschen Fußballs kassierte zwar mit seiner Mannschaft im Hauptstadtderby der Serie A ein sattes 1:4 gegen die AC Roma. Aber immerhin wurde Klose, 37 Jahre alt, nach einer knappen Stunde eingewechselt und bereitete Lazios Tor durch Marco Parolo vor. Trainer Stefano Pioli hat das allerdings auch nicht mehr geholfen, er wurde nach der Partie gefeuert, zum Nachfolger wurde der bisherige Jugendtrainer Simone Inzaghi gekürt, der jüngere Bruder des 57-maligen italienischen Nationalspielers Filippo Inzaghi. Das 162. Derby della Capitale fand übrigens vor trostloser Kulisse statt: Fans beider Teams hatten aus Protest gegen die strengen Sicherheitsmaßnahmen zum Boykott aufgerufen - und so war nicht einmal die Hälfte der knapp 73.000 Plätze im Stadio Olimpico besetzt.

Kevin Trapp (Paris St. Germain): Während der Schwede Zlatan Ibrahimovic beim 4:1 des als Frankreichs Meister feststehenden Hauptstadtklubs seine Saisontore 28, 29 und 30 erzielte, hatte der ehemalige Frankfurter Torhüter nicht viel zu tun. Trapp war beim Gegentor machtlos und sah sich in aller Ruhe den 25. Sieg seines Teams im 32. Saisonspiel in der Ligue 1 an.

Antonio Rüdiger (AS Rom): Es läuft rund für den deutschen Innenverteidiger: Nach dem 4:1 im Stadtderby gegen Lazio will die Roma ihn über die Saison hinaus fest verpflichten und dafür neun Millionen Euro für Rüdigers Restablöse ausgeben, wie die "Gazzetta dello Sport" berichtete. Bislang ist der 22 Jahre alte Nationalspieler für vier Millionen Euro vom Bundesligisten VfB Stuttgart nur ausgeliehen. Nach einem schwierigen Saisonstart sei der Defensivspezialist zu einem Fixstern im Kader von Trainer Luciano Spalletti avanciert, der die Wendigkeit des Spielers schätze. Rüdiger soll einen Vertrag bis 30. Juni 2020 erhalten.

Nebendarsteller

Emre Can stand in der Startelf, erkämpfte sich mit dem FC Liverpool ein 1:1 gegen Tottenham, blieb selbst aber auf der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette blass und kassierte zu allem Überfluss seine zehnte Gelbe Karte in dieser Saison. Nun muss er zwei Partien in der englischen Premier League aussetzen. Von Jan Kirchhoff gibt es zu melden, dass der ehemalige Mainzer, Münchner und Schalker in Diensten des AFC Sunderland beim 0:0 gegen West Bromwich Albion die volle Spielzeit auf dem Rasen stand. Das gilt auch für Philipp Wollscheid, der mit Stoke City nur zu einem 2:2 gegen Swansea City kam.

Unglücklich

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Gegen Italien top: Shkodran Mustafi.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Beim 4:1 gegen Italien war er noch umsichtiger Abwehrchef einer gut aufgelegten deutschen Nationalmannschaft, nun bei der Niederlage bei UD Las Palmas auf Gran Canaria unterlief dem Innenverteidiger nach einer guten Stunde ein Eigentor zum 1:2-Endstand. Damit setzt sich die Krise des Klubs auch nach der Trennung von Trainer Gary Neville fort, Valencia trennen weiterhin sechs Punkte von der Abstiegszone.

Mario Gomez (Besiktas): Wenig glücklich agierte auch der Mann, der mit der DFB-Elf im Sommer unbedingt zur Europameisterschaft nach Frankreich will. Der Tabellenführer verlor das kleine Stadtderby der türkischen Süper Lig bei Kasimpasa Istanbul mit 1:2 und kassierte am 27. Spieltag die vierte Niederlage. Lokalrivale Fenerbahce liegt drei Punkte zurück, hat aber noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Gomez, der 19 Mal in dieser Saison getroffen hat, ging leer aus. Besiktas' Trainer Senol Günes konstatierte: "Wir alle sind enttäuscht, aber wir werden in den nächsten Spielen hart arbeiten."

Geschmäht

Lukas Podolski (Galatasaray): Das Nationalmannschafts-Maskottchen hat sich mit dem türkischen Titelverteidiger blamiert und mit 3:4 beim Tabellenletzten Eskisehirspor verloren. Nun wird es eng mit dem Europapokal, nach dem vierten sieglosen Spiel hintereinander steht Galatasaray nur auf Platz sechs der Tabelle. Cüneyt Tanman, früherer Galatasaray-Sportdirektor, schrieb in der Zeitung "Bugün": "Wer die Mannschaften nicht kennt, hätte sich beim Zusehen gefragt, wer von beiden der Tabellenletzte ist." Was auch ein wenig an Podolski liegt, der zumindest in diesem Spiel kein einziges Mal auf des Gegners Tor schoss. Immerhin: Er bereitete die Führung des Kollegen Bilal Kisa nach zehn Minuten vor.

Pausenraum

Während Juventus Turin ohne Glanz mit 1:0 gegen den FC Empoli gewann und dank der 1:3-Niederlage des SSC Neapel in Udine die Tabellenführung in der Serie A auf sechs Punkte ausbaute, schaute Sami Khedira nur zu. Der Weltmeister hatte sich im Turiner Derby zwei Wochen zuvor eine Rote Karte eingehandelt, weil der den Schiedsrichter beleidigt hatte und war deswegen gesperrt. Immerhin auf der Bank saß der ehemalige Gladbacher Marc-André ter Stegen bei der 1:2-Niederlage seines FC Barcelona gegen Real Madrid. Für die deutsche Nationalmannschaft darf er - wie jüngst beim 4:1 gegen Italien in München - spielen, im Verein aber ist er in der spanischen Liga nur Ersatz hinter dem Chilenen Claudio Bravo. Weiterhin - oder besser: wieder - am Innenband verletzt ist Bastian Schweinsteiger. Ohne den Kapitän der DFB-Elf gewann Manchester United in der Premier League mit 1:0 gegen den FC Everton. Und Per Mertesacker verliert beim FC Arsenal langsam, aber sicher seinen Stammplatz. Beim Sieg gegen Watford saß der Innenverteidiger im dritten Spiel nacheinander nur auf der Bank.

Quelle: n-tv.de

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