Fußball

Bringt Europa-Rekord kein Glück? Lautes Donnergrollen bei Abo-Meister FC Bayern

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Werden Müller, Neuer und Lewandowski in Europa noch einmal gemeinsam für den FCB auflaufen?

(Foto: picture alliance / Pressefoto Rudel)

Bayern München steht kurz vor der historischen, zehnten Bundesliga-Meisterschaft in Folge. Doch die Stimmung an der Säbener Straße könnte nach dem frühen Pokal-Aus gegen Gladbach und der Pleite gegen Villarreal in der Champions League besser sein. Und dann ist da noch der kommende Transfersommer.

Deutscher Meister und dann ist alles gut. 17 der 18 Klubs der Fußball-Bundesliga würden den Satz sofort unterschreiben und davon noch Jahre zehren. Dummerweise steht jetzt jedoch ausgerechnet der 18. Bundesligist vor dem Titelgewinn, zum zehnten Mal in Folge und dann sogar gegen den Dauer-"Rivalen" Borussia Dortmund, gegen die die Roten in der Allianz Arena in der Liga zuletzt sieben Siege in Serie bei einem Torverhältnis von 30:5 feiern konnten.

Mit der zehnten, schon lange nicht mehr zu verhindernden Meisterschaft ist der FC Bayern München unangefochtener Spitzenreiter in den fünf europäischen Top-Ligen. Das ist noch keinem Klub gelungen. Nicht Paris Saint-Germains, nicht Juventus Turin oder dem FC Barcelona, schon gar nicht einem englischen Klub. Etwas für den Briefkopf also.

Doch genau dieser einzige Titel der Saison ist auch etwas, was große Unruhe auslöst an der Säbener Straße. Denn in dieser Rekordserie manifestiert sich nicht nur der Niedergang des sportlichen Wettbewerbs in der deutschen Eliteliga, sondern mit Blick auf den Absturz der Bayern im internationalen Geschäft auch das massive Problem des Rekordmeisters. So wie sie den Rest der Liga hinter sich gelassen haben, so drohen nun nicht nur die englischen Klubs das Aushängeschild der Bundesliga zu distanzieren.

Müller und Neuer bleiben immerhin

Ohne nationalen Wettbewerb, aber mit den gravierenden Einnahmeausfällen der Pandemiezeit und den steigenden Gehaltsansprüchen des Kaders um alternde Stars wie Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer oder in der Form stark schwankenden Nationalspielern wie Serge Gnabry steht der FCB in diesem Sommer vor einer Mammutaufgabe: das Sichern der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Bei gleichzeitigenden Umsatzrückgängen: die Rede ist von weit über 50 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr. Keine einfache Aufgabe.

Mit Urgestein Müller und Nationaltorhüter Neuer stehen zwei Schlüsselspieler der erfolgreichsten Dekade der Vereinsgeschichte unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung. Die beiden Rio-Weltmeister hält nicht nur das Geld an der Säbener Straße, sondern auch die über Jahre aufgebaute gegenseitige Verbundenheit, die Macht der Historie und die Gewissheit weit über das eigene Lebensende hinaus als Ikonen des frühen 21. Jahrhunderts in den ewigen Erzählungen aufzutauchen. Beide prägten im vergangenen Jahrzehnt nicht nur die Bayern, sondern ja auch den Weltsport Fußball.

Neuer, weil er das Torwartspiel spätestens beim hart erkämpften Sieg über Algerien im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2014 revolutioniert hat. Müller, weil seine Definition von Fußball Einzug in die englischsprachigen Lexika gefunden hat. "The first raumdeuter was German footballer Thomas Müller", heißt es dazu im Urban Dictionary. Und natürlich auch, weil Müller wie kein anderer Spieler die MiaSanMia-Mentalität des Rekordmeisters verinnerlicht und in das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts übersetzt hat. Zeit aber wartet auf niemanden, nicht einmal auf den Raumdeuter, der in diesem September seinen 33. Geburtstags feiern wird.

Doch andere wollen weg

Doch abseits dieser Vereinsikonen hakt es gewaltig. Robert Lewandowski flirtet wie schon so oft offensiv mit einem Abgang. Sein Vertrag läuft im Jahr 2023 aus. Er will mehr Geld, mehr als die 24 Millionen Euro, die er ohnehin schon verdient. Dabei wird er im Sommer 34. Auch seine Karriere ist endlich. Und Barcelona ruft, so ist zu hören. Ein Abgang und somit auch eine letzte neue Aufgabe für den Stürmer, der seit zwölf Jahren in der Bundesliga glänzt, wäre kein Wunder, zumal der "Kicker" erstmals auch von einer Schmerzgrenze für den Polen berichtet. Die soll bei 40 Millionen Euro liegen. Viel Geld, immer noch, aber darstellbar für etliche Klubs, womöglich sogar die Blaugrana. Auch Serge Gnabry will mehr Kohle, auch sein Vertrag läuft bis 2023, auch sein Abgang ist mittlerweile wohl eher wahrscheinlich als auch unwahrscheinlich.

Und so könnte es in diesem Sommer zu einem Umbruch in München kommen. Wie würden die Bayern einen Jahrhunderstürmer wie Lewandowski ersetzen? Dessen Rolle hatte sich zuletzt unter Nagelsmann gewandelt. Das überladene Sturmzentrum behagte dem Polen nicht, der für sein Spiel immer auch ein wenig Luft zum Atmen braucht. Gewiss, Tore erzielte er immer noch und mehr als jeder Profi in der Bundesliga jemals - außer Gerd Müller, dessen 365 Tore er bei noch ausstehenden fünf Spielen und aktuell 309 Liga-Treffern nicht mehr erreichen wird. Als Nachfolger sind unter anderem Leverkusens Patrik Schick und Stuttgarts Sasa Kalajdzic im Gespräch. Noch keine Schwergewichte. Den für Bayern eigentlich prädestinierten Superstar Erling Haaland kann sich der Erfolgsklub in der momentanen Lage kaum noch leisten, deutete Oliver Kahn am Wochenende im Doppelpass an.

Was ist das Ziel?

Für die Lücke im Mittelfeld, die sich bereits seit Thiago Alcantaras Abgang zum FC Liverpool nach dem Sieg in der Champions League im August 2020 auftut und durch den bevorstehenden Abgang von Corentin Tolisso und den Spekulationen rund um Transfer-Flop Marcel Sabitzer eher größer werden wird, sind die Bayern ebenfalls auf der Pirsch. Der 19-jährige Ryan Gravenberch von Ajax Amsterdam ist im Gespräch, aber auch das Leipziger Duo Konrad Laimer und Christopher Nkunku sind laut "Kicker" eine Option. Sie wären nach Nagelsmann, Dayot Upamecano und eben Sabitzer die nächsten Spieler, die vom Red-Bull-Vorzeigeprojekt zum FC Bayern wechseln.

Es geht daher auch um die Frage, wie viel Macht die von Lothar Matthäus unlängst angezählte Vereinsführung um Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić in die Hände von Julian Nagelsmann legen will. Der 34-Jährige war mit Vorschusslorbeeren und gutem Geld aus Leipzig in seine Heimat gelotst worden und verlor im Laufe der Saison immer wieder die Kontrolle über sein Team. Das Aus gegen Villarreal mit einer auf absolute Offensivkraft ausgelegten Anfangself im Rückspiel wurde auch ihm angelastet. "Für mich ist immer die Frage: Wo willst du hin auf lange Sicht?", fragte Nagelsmann am Wochenende und gab die Top vier in Europa als Ziel vor. Dann warnte er: "Du darfst nicht viele Transferperioden verschlafen." Den Bayern steht eine unruhige Meisterfeier ins Haus. Deutscher Meister. Und wenig ist gut.

Quelle: ntv.de

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