Fußball

Saison "nicht ausreichend" Dem FC Bayern bleibt nur der Trostpreis

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Aus und vorbei: Nichts ist es mit dem Champions-League-Titel.

(Foto: dpa)

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Der FC Bayern kann zum zehnten Mal in Folge die Meisterschaft gewinnen. Was Vorstandschef Oliver Kahn betonen will, ist der Versuch, vom sonstigen Scheitern abzulenken. Das Aus in der Champions League schmerzt. Erst recht gegen den Außenseiter Villarreal. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Der Mann, der für sein "Weiter, immer weiter" bekannt ist, war es auch jetzt, der das einzig noch zu erreichende Ziel des FC Bayern groß verkaufen wollte. Die deutsche Meisterschaft, die zehnte in Folge. Vorstandschef Oliver Kahn redete das schön: "Das ist eine großartige Möglichkeit. Das hat noch keine Mannschaft in Europa geschafft. Da werden wir alles reinwerfen."

FC Bayern München - FC Villarreal 1:1 (0:0)

München: Neuer - Pavard, Upamecano, Hernandez (87. Davies) - Sané, Kimmich, Goretzka, Coman - Musiala (82. Gnabry), Thomas Müller (90. Choupo-Moting) - Lewandowski. - Trainer: Nagelsmann

Villarreal: Rulli - Foyth, Albiol, Torres, Estupinan - Capoue - Parejo (90.+3 Aurier), Coquelin (84. Chukwueze) - Moreno, Danjuma (85. Pedraza), Lo Celso. - Trainer: Emery

Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)

Tore: 1:0 Lewandowski (52.), 1:1 Chukwueze (88.)

Der FC Bayern hat nun auch Zeit, alles reinzuwerfen. Denn kein weiterer Wettbewerb könnte sie noch dabei stören. Aus im Viertelfinale der Champions League, nur 1:1 gegen das vermeintliche Bayern-Dusel-Los FC Villarreal. Ausgeschieden, am eigenen Anspruch gescheitert. Mindestens das Halbfinale hätte es sein sollen. Weil im DFB-Pokal schon in der zweiten Runde gegen Borussia Mönchengladbach (0:5) Schluss war, bleibt jetzt "nur" noch die Meisterschaft. Bei vier verbleibenden Spieltagen und neun Punkten Vorsprung ist diese Formsache. Zu wenig für die hohen Ansprüche des deutschen Rekord-Meisters.

Trainer Julian Nagelsmann war da realistischer als der trotzige Kahn: "Nicht ausreichend" sei die Saison, bewertete er nach dem 1:1, das nach dem 0:1 im Hinspiel nicht fürs Weiterkommen reichte. "Ich weiß nicht, was da auf mich zurollt. Auf jeden Fall einmal Bielefeld in der Liga. Was soll ich machen?", so Nagelsmann bei Amazon Prime: "Angst habe ich nicht, es gibt Schlimmeres." Für ihn war das sehr schwache Hinspiel "der Schlüssel", anders als in der Runde zuvor gegen den FC Salzburg gelang diesmal eben keine deutliche Leistungssteigerung, kein 7:1-Wegfegen aus der heimischen Arena.

"Extrem bitter"

Auch Thomas Müller war frustriert, dass Villarreal-Joker Samu Chukwueze in der 88. Minute zum Ausgleich - und damit zum Weiterkommen - traf, nachdem Robert Lewandowski die Bayern in der 52. Minute in Führung geschossen hatte. "Es ist extrem bitter, dass wir trotz dieser Performance ein Gegentor kassieren. Wir haben von Anfang an mit den Fans im Rücken gedrückt, gedrückt, gedrückt. Ein Gegentor lag auf keinen Fall in der Luft", so Müller. Der sonst meist in Plauderlaune befindliche Offensivmann fand nur schwer Worte: "Dass dieses Spiel hier 1:1 ausgeht, hat der Spielverlauf nicht hergegeben."

Bei 14 Torschüssen und 65 Prozent Ballbesitz ein legitimes Fazit aus Bayern-Sicht, aber auch ein geschöntes. In der Tat spielte meist nur der FC Bayern mit dem Ball am Fuß. Von Beginn an startete die Nagelsmann-Elf engagiert, schob tief in die gegnerische Hälfte. Der Trainer hatte eine sehr offensive Mannschaft ins Spiel geschickt, vor allem über die Flügel sollten Kingsley Coman und Leroy Sané mit Flanken Druck aufs Tor machen. Doch das gelang eben nur so halb. Villarreal bot bis zum Strafraum Platz an, stand dann aber total verdichtet im Sechzehner, das Zentrum war quasi blockiert. Hereingaben wurden weggeköpft, Durchtankversuche konsequent unterbunden.

Engagiert, aber ohne zündende Idee

Engagement - ja, doch die zündende Idee, wie das Bollwerk zu überwinden war - nein. Die größte Chance in Halbzeit eins war ein zentraler Kopfball von Jamal Musiala (29.), den Villarreal-Torhüter Geronimo Rulli aber abwehren konnte. Trotz der gefühlten Überlegenheit standen für Müller und Robert Lewandowski am Ende von Hälfte eins lediglich 8 und 13 Ballkontakte zu Buche.

In die zweite Hälfte ging es dann mit mehr Durchsetzungsvermögen. Lewandowski bestrafte schließlich die nun deutlich weniger gut sortierten Spanier, die Partie schien zugunsten der Bayern zu kippen. Das 2:0 nur eine Frage der Zeit, ein Bayern-Angriff folgte dem anderen. Die Entscheidung hatte Müller dann auf dem Kopf (72.), der Ball ging nach der Hereingabe von Sané aber rechts am Tor vorbei. Es gab in der Folge weniger Zwingendes, die Villarreal-Abwehr konnte wieder etwas entspannen - und schließlich war es Dani Parejo, der den Ball in der eigenen Hälfte behauptete. Weil der eingewechselte Alphonso Davies das Abseits aufhob, konnte der nur vier Minuten zuvor auf den Platz gekommene Chukwueze über Neuer hinweg ins Tor schießen.

Aus ist nicht schönzureden

Das Halbfinale steigt nun mit den Spaniern, nicht mit den Bayern. Villarreal schreibt seine Erfolgsgeschichte weiter: Als Europa-League-Sieger in die Champions League eingezogen, hat das Team seit dem Amtsantritt von Trainer Unay Emery im Sommer 2020 kein K.-o.-Spiel verloren. Zuletzt warf der Klub Juventus Turin aus dem Turnier. Belohnung ist, dass das Team erstmals seit der Saison 2005/06 zu den besten vier Klubs Europas gehört.

Dagegen geht für den FC Bayern die Leidenszeit weiter. Es ist bereits das vierte Mal, dass die Münchner in den vergangenen sechs Spielzeiten spätestens im Viertelfinale ausscheiden, zum zweiten Mal hintereinander. In der Vorsaison schien es dabei aber weniger dramatisch, schließlich war Paris St. Germain der Endgegner. Ein Klub mit dem großen Geld, einer der Topfavoriten, ein Team voller Stars um Neymar und Kylian Mbappé.

Diesmal aber ist es ein Außenseiter, der die Bayern düpiert. Der FC Villarreal ist eben kein international anerkannter Topklub, kann in der spanischen Liga nicht mit Real Madrid und Co. mithalten, ist nur Tabellen-Siebter. Ausgestattet mit einem Jahresetat von 125 Millionen Euro zählt der Klub aus der Kleinstadt nördlich von Valencia zu den Underdogs. Für die Bayern wiegt das erneute frühe Aus also doppelt schwer.

Nicht mehr so breit aufgestellt

Der Traum, ach was, das erwarte Ziel, vom Spiel im Halbfinale gegen Jürgen Klopp und seinen FC Liverpool, ist Geschichte. Das liegt diesmal nicht am großen Gegner, das liegt ganz allein am FC Bayern selbst. Die Mannschaft ist gut genug, um die Liga zu dominieren, doch fürs internationale Geschäft fehlt die Beständigkeit. Ja, Lewandowski steht schon wieder bei 47 Toren in 41 Saison-Spielen. Ja, Manuel Neuer ist ähnlich zuverlässig wie in den Spielzeiten zuvor auch. Doch Außergewöhnliches gelingt aktuell nicht. Nicht Raumdeuter Müller, nicht Antreiber Joshua Kimmich, nicht dem Anfang der Saison so hochgelobten Sané, erst recht nicht der immer wieder schwächelnden Abwehrkette, egal wie sie aufgestellt ist. Dazu kommen langwierige Ausfälle wie der von Davies wegen Herzmuskelentzündung oder Leon Goretzka mit Knieproblemen, die das Team immer wieder empfindlich schwächen.

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Ausfälle, die eine früher beständig großartige zweite Reihe mittlerweile nicht mehr kompensieren kann. Auf der Bank hat es der Klub deutlich weniger dicke, da sitzen neben den Großen, Serge Gnabry und Davies, eben auch weitgehend unbekannte Nachwuchskräfte wie Gabriel Vidovic, Paul Wanner und Malik Tillman. Den Luxus seiner Vorgänger hat Nagelsmann nicht mehr. Die Abgänge von David Alaba und Jérôme Boateng, aber auch von Thiago und Philippe Coutinho spürt der Trainer.

So ist es eine logische Folge, dass dem FC Bayern in dieser Saison erneut nur der Trostpreis bleibt: die Meisterschaft.

Quelle: ntv.de

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