Fußball

Bayern-Fünferpack in 8:59 Minuten Lewandowski sorgt für Tor-Wahnsinn

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Tore statt Worte.

(Foto: dpa)

24 Jahre lang schießt kein Bundesliga-Profi fünf Tore in einem Spiel. Dann kommt Robert Lewandowski und sorgt mitten in der VW-Krise nicht nur für einen Totalschaden beim VfL Wolfsburg. Er pulverisiert auch fast alle Rekorde.

Wenn der Meister den Vizemeister mit 5:1 demontiert und hinterher trotzdem keiner über das Spiel spricht, sondern nur über einen Spieler - dann muss etwas Besonderes passiert sein. Bei der Machtdemonstration des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg geschah genau das. Denn Robert Lewandowski, zur Pause beim Stand von 0:1 eingewechselt, erzielte binnen 3:22 Minuten nicht nur den schnellsten Hattrick der Ligageschichte. Der polnische Torjäger erzielte auch den schnellsten Viererpack der Ligageschichte (7 Minuten) und den schnellsten Fünferpack (8:59 Minuten). Und, was für eine fast überflüssige Randnotiz: Natürlich ist Lewandowski auch der erste Spieler, der in der Bundesliga nach seiner Einwechslung fünfmal traf.

Denn den Beginn des Spitzenspiels in der Münchner Arena erlebte Lewandowski von der Bank aus. Er sah, wie Daniel Caligiuri den Vizemeister mit einer spektakulären Direktabnahme in Führung brachte. Er sah, wie seine Teamkollegen auf dem Feld zwar spielbestimmend waren, sich aber erfolglos an der Abwehr des VfL Wolfsburg um den Ex-Bayern Dante abarbeiteten. Er sah, wie Bayern-Keeper Manuel Neuer spektakulär an der eigenen Mittellinie einen Ball klärte, den dann verlor - und Wolfsburgs Joshua Guliavogui den Ball aus gut 50 Metern an den linken Pfosten des verwaisten Münchner Tores setzte.

Es wäre das 2:0 für die Wolfsburger gewesen und durchaus verdient, denn die Niedersachsen zeigten eine erstaunlich abgeklärte Leistung. Es schien, als könnte der Autoklub in der VW-Krise für einen Lichtblick sorgen. Doch dann, mit Anpfiff der zweiten 45 Minuten durfte der polnische Nationalspieler mitwirken. Und was er dann zeigte, war einfach unglaublich, wobei das Adjektiv für das Geschehene eigentlich noch zu schwach ist. Selbst Lewandowski schwärmte hinterher von sich selbst: "Das war Wahnsinn. Ich wollte einfach schießen und schießen. Das ist ein unglaublicher Abend für mich, ein super Gefühl. Ich wusste, nach dem 0:1 müsste ich mindestens zwei Tore schießen."

Das Protokoll der historischen Minuten 51 bis 60:

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Er zeigt's an: Fünf Tore. Robert Lewandowski zerlegt den VfL Wolfsburg in nicht mal neun Minuten.

(Foto: imago/Team 2)

51. Minute: Toooor, 1:1 Robert Lewandowski. Die Bayern attackieren die Wolfsburger von der linken Seite. Über die Stationen Götze, Vidal per Hacke und Müller landet der Ball beim Stürmer, der leicht bedrängt zum Ausgleich einschiebt.

52. Minute: Toooor, 2:1 Robert Lewandowski. Stadionsprecher Stephan Lehmann hat die Toransageprozedur gerade abgearbeitet, ehe er erneut ansetzen darf. Die Gäste stoßen an, verlieren sofort den Ball, der landet bei Lewandowski und der Stürmer verwandelt mit einem platzierten Schuss zur Führung, nicht mal 60 Sekunden sind vergangen.

55. Minute: Toooor, 3:1 Robert Lewandowski. Unglaublich, 3:22 Minuten nach dem Ausgleich macht den Pole den Hattrick klar. Gegen weit aufgerückte Wolfsburger kommt Lewandowski am Ende eines Konters nach Pass von Götze zum Abschluss - im dritten Versuch bringt der 27-Jährige den Ball schließlich unter.

57. Minute: Toooor, 4:1 Robert Lewandowski. Kein Eintrag mehr im Ticker ohne ein Tor von Lewandowski. Costa kommt über den linken Flügel und bringt den Ball scharf nach innen, wo der Knipser goldrichtig steht und Volley den nächsten Treffer nachlegt.

60. Minute: Toooor, 5:1 Robert Lewandowski. Ohne Worte, Flanke Götze, Weltklasse-Seitfallzieher von Bayerns Nummer Neun, drin, natürlich.

Robert Lewandowski knackte mit seinem unfassbaren Spiel Rekorde aus mehr als 52 Jahren Bundesliga reihenweise. Als bislang letzter Spieler hatte der Duisburger Michael Tönnies beim 6:2 gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991 fünfmal getroffen, Tönnies erzielte damals auch den bislang schnellsten Hattrick (sechs Minuten). Im Tor stand damals übrigens, man glaubt es kaum, Titan Oliver Kahn. Tönnies nahm den Verlust seiner Rekorde übrigens sportlich fair: "24 Jahre habe er den Hattrick-Rekord gehabt", ließ er auf der offiziellen Facebook-Seite des MSV Duisburg mitteilen: "Dass er jetzt weg ist, ist natürlich ein bisschen schade. Aber was Robert da hingezaubert hat, war einfach sensationell. Das haste dir verdient, Robert! Herzlichen Glückwunsch!"

VfL-Coach Dieter Hecking erklärte nach der surrealen Blamage: "Was soll ich sagen? Ein Weltklassestürmer hat fünfmal aufs Tor geschossen und hätte siebenmal treffen können." Allerdings: Eine Bestmarke verpasste Lewandowski bei seiner Rekordshow. Die meisten Tore in einem Bundesligaspiel hat immer noch Dieter Müller erzielt, der beim 7:2 von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln am 17. August 1977 einst sogar sechsmal traf. Andererseits: Es gibt ja noch ein Rückspiel gegen Wolfsburg.

Quelle: ntv.de