Fußball

"Wir sind ja nicht doof" Liverpool bestraft Leipziger Fehler-Flut

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Mohamed Salah traf für Liverpool nach einem RB-Fehlpass zum 1:0.

(Foto: REUTERS)

Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League tritt RB Leipzig die Heimpartie in Budapest an - und leistet sich haarsträubende Fehler. In der ersten Hälfte haben die Sachsen noch Glück, nach der Pause bestrafen Jürgen Klopps Liverpooler die RB-Aussetzer eiskalt. Julian Nagelsmanns Team steht vor dem Aus.

Julian Nagelsmann klatschte mit eingefrorener Miene mit seinen Spielern ab, als Jürgen Klopp erleichtert die Faust zum Jubel ballte. Mit schweren Abwehr-Patzern hat sich RB Leipzig fast aller Chancen auf das Champions-League-Viertelfinale beraubt - und dem kriselnden FC Liverpool von Welttrainer Klopp zu einem unheimlich wertvollen Sieg verholfen.

Im coronabedingt nach Budapest verlegten Achtelfinal-Hinspiel verlor der Bundesliga-Zweite von Trainer Nagelsmann am Dienstag gegen den englischen Meister in einer höchst intensiven Partie mit 0:2 (0:0). "Die Enttäuschung ist groß. Mit zwei so individuellen Fehlern in die zweite Hälfte zu starten, ist sehr ärgerlich. Über weite Strecken haben wir ein ordentliches Spiel gemacht", sagte Leipzigs Marcel Sabitzer bei DAZN.

Im Rückspiel am 10. März an der legendären Anfield Road reicht Liverpool somit jedes Unentschieden zum Weiterkommen, Leipzig braucht dagegen einen hohen Erfolg auf der Insel. Mohamed Salah (53.) und Sadio Mane (58.) trafen nach hanebüchenen Fehlern von Sabitzer und Nordi Mukiele für die Reds. "Natürlich haben wir zwei krasse Fehler gemacht, die nicht nur auf dem Niveau bestraft werden", sagte Nagelsmann: "Ich finde schlimmer, dass wir die Chancen nicht verwerten. Das müssen wir uns ankreiden lassen. Ich finde nicht, dass wir zwei Tore schlechter waren."

Liverpool will dagegen nun in drei Wochen zu Hause mit aller Macht den Einzug unter die letzten Acht perfekt machen, da sie nur noch in der Königsklasse eine Titelchance haben. In der Premier League hat das Klopp-Team 13 Punkte Rückstand auf die Spitze. "Leipzig ist eine richtige Top-Mannschaft und normalerweise können sie es besser umsetzen, als sie es heute gemacht haben. Aber wir waren heute gut. Wir waren wahrscheinlich besser, als viele gedacht haben", sagte Klopp und warnte gleichzeitig: "Wir wissen, dass das Ding noch nicht durch ist. Wir sind ja nicht doof."

Liverpool profitiert von Unzulänglichkeiten

In der Puskas-Arena - wo das Hinspiel stattfand, weil der FC Liverpool aufgrund der in Großbritannien umhergehenden Corona-Mutation nicht nach Deutschland einreisen durfte - setzte Liverpool in der Innenverteidigung wieder auf Schalke-Leihspieler Ozan Kabak. In seiner allerersten Partie für Liverpool hatte er am Samstag beim 1:3 bei Leicester City im Zusammenspiel mit Torwart Alisson noch folgenschwer gepatzt. Diesmal bekam Kabak es mit den flinken Leipzigern zu tun, die Klopp für dem Spiel bei DAZN mit einer "Gruppe junger, hungriger Hunde" verglich. Anstatt den Stoßstürmern Yussuf Poulsen und Alexander Sörloth vertraute Coach Julian Nagelsmann zunächst den quirligen Christopher Nkunku und Dani Olmo in vorderster Linie. "Wir haben uns für viel Geschwindigkeit entschieden", so Nagelsmann im Vorfeld.

Und zu Beginn ging der Plan auf, Leipzig nutzte die fehlende Abstimmung in der Reds-Abwehr früh beinahe perfekt. Flügelflitzer Angelino setzte sich auf der linken Seite gut durch und flankte halbhoch in die Mitte auf Olmo (5.), der per Flugkopfball nur den Pfosten traf. In der Folge zog Liverpool sein berüchtigtes Pressing stärker auf und Leipzig stand defensiv nicht immer sicher. Mit Leichtigkeit ließ sie sich von Trent Alexander-Arnold überspielen, dessen Steilpass Salah (15.) jedoch nicht im Tor unterbringen konnte - Leipzigs Keeper Peter Gulacsi parierte stark. In einem Spiel von höchster Intensität fand Liverpool immer besser zu seinem Stil, kontrollierte den Ball umsichtig und erspielte sich Chancen.

Leipzig beging derweil zu viele Fehler im Spielaufbau und Liverpool profitierte von den Unzulänglichkeiten. Nach Hereingabe des Ex-Hoffenheimers Roberto Firmino zielte Mané (24.) mit dem Kopf nur knapp über das RB-Tor. Acht Minuten später überwand Liverpools Andy Robertson per Bogenlampe aus 40 Metern Gulacsi fast. Doch Robertsons Lupfer ging knapp drüber.

Auch im zweiten Durchgang erwischte Leipzig einen vielversprechenden Start, nach einem Pass von Olmo scheiterte Nkunku (47.) frei an Alisson. Dass sich RB wenig später eklatante Abwehrfehler leistete, ärgerte Nagelsmann sichtlich. Erst spielte Sabitzer Salah den Ball in die Füße, der davonzog und eiskalt vollstreckte. Danach tauchte Mukiele unter einem langen Ball hinweg, sodass Mané alleine auf Gulacsi zulaufen konnte und problemlos einschob. In der Nachspielzeit vergab der eingewechselte Hee-chan Hwang die große Chance zum Anschlusstreffer.

Quelle: ntv.de, dbe/sid