Fußball

Matthäus als Bundestrainer Lobbyarbeit für Loddar

imago0033477931h.jpg

Der Nachfolger?

(Foto: imago/Moritz Müller)

Jürgen Klopp soll es werden, so wünscht es sich die Mehrheit der deutschen Fußball-Fans. Doch er wird nicht der nächste Bundestrainer. Das Name-Dropping für die Nachfolge von Joachim Löw läuft heiß - ganz oben dabei: Lothar Matthäus.

Selbst beim FC Bayern haben sie den ewigen Widerstand gegen Lothar Matthäus mittlerweile aufgegeben. Mehr noch, sie haben sogar Wort gebrochen. Sie haben zugelassen, dass der 59-Jährige auf dem heiligen Grün der Allianz Arena eine schöne weiße Linie zieht. Im deutschen Fußball wird gerade mit reichlich Ewigkeiten gebrochen. Matthäus, der Greenkeeper. Joachim Löw, der Bald-Ex-Bundestrainer. Die erste März-Hälfte des Jahres 2021, sie ist historisch.

Und tief im Ozean der Experten bäumt sich bereits ein wuchtiger Lobby-Tsunami zusammen, auf dessen Welle eine Sensation surft: Lothar Matthäus, der Kurzzeit-Rasenpfleger des FC Bayern - Anlass dieser Aktion ist ein Interview im Vereinsmagazin zum 60. Geburtstag des Rekordnationalspielers am 21. März - soll Bundestrainer werden. Angeschoben wird dieser Lobby-Tsunami von einer Gruppe von Menschen, die zwar viel reden (zumindest die meisten von ihnen), aber eben auch wissen worüber. Zu ihr gehören Ottmar Hitzfeld, Mehmet Scholl, Peter Neururer, Christoph Daum und Pal Dardai. Und auch Bastian Schweinsteiger kann sich gut vorstellen, dass Matthäus künftig Deutschlands (einst) liebstes Kind versorgt.

Nicht erst in den eilig organisierten Fachgesprächen und Fachrunden nach dem überraschend verkündeten Rückzug von Joachim Löw (nach der Europameisterschaft im Sommer) machte die Gruppe tüchtig Lobbyarbeit für Matthäus. Hitzfeld sieht sogar "keinen besseren als ihn. Er war ein Weltklassespieler, kennt den Fußball wie kein Zweiter, ist ein Top-Experte." Herthas Dardai warb bereits am Sonntag mit emotionaler Vehemenz für den Weltmeister-Kapitän von 1990: "Ich habe mit Lothar gearbeitet, er war mein Trainer und er hat etwas Großes drauf. Er hat das Potenzial, ein Gewinner zu sein." Für Neururer ist er absolut der "richtige Mann".

Matthäus selbst wirbt für einen anderen

Matthäus hat derweil bereits eine kritische Distanz zum Werben seiner (nicht angeworbenen) Lobbyisten aufgebaut. In der TV-Debatte "Sky 90" sagte er am Sonntag zu einer möglichen Kandidatur: "Natürlich interessiere ich mich für den Fußball und die Nationalmannschaft, aber ich bin mit meinem Leben zufrieden. Das schließe ich aus, damit beschäftige ich mich gar nicht. Ich habe eine ganz andere Planung." Seine TV-Expertentätigkeit nämlich. Nun ist es aber mutmaßlich so: Würde der Deutsche Fußball-Bund wirklich offensiv um ihn werben, es wäre ja kaum vorstellbar, dass er diese Gespräche gar nicht erst zulässt. Schließlich sagte er 2004, als die Ära Löw (als Assistent von Jürgen Klinsmann) begann, zu seinen Ambitionen auf das Chefamt: "Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen."

Mehr zum Thema

Nun, wer soll's denn machen, wenn nicht er? Ralf Rangnick, völlig klar. "Er ist frei. Er ist einer, der etwas aufbauen kann", sagte Matthäus bei Sky Sport News. Tatsächlich hat sich Rangnick als erfolgreicher Projektarbeiter bewährt: Die spektakulären Aufstiege (finanziell indes satt unterfüttert) der TSG Hoffenheim und von RB Leipzig sind untrennbar mit ihm verbunden. Und Rangnick würde der Suche des DFB dringend den Druck nehmen. So müsse man "auch nicht hoffen, dass in Liverpool die Ergebnisse weiter schlecht sind und Jürgen Klopp in die Kritik gerät." Klopp, der emotionale Herzenswunsch der Deutschen, hatte das Trainerhochamt indes am Dienstag ein weiteres Mal abgelehnt. Zumindest für den Moment im Sommer.

Übrigens, die legendäre Greenkeeper-Affäre zwischen Matthäus und Hoeneß ist freilich ausgestanden. "Über die Aussage können wir nun auch längst beide lachen", erzählte Matthäus im Interview mit dem Vereinsmagazin, auch wenn sie ihn damals doch tief getroffen hatte. "Uli hat mir erst jetzt wieder gesagt, dass ihm dieser Ausspruch schon am nächsten Tag leidtat." Ob diese Reue auch für ein anderes legendäres Hoeneß-Zitat gilt? "Wenn Matthäus Bundestrainer geworden wäre, das wäre, wie wenn der Chefspion des KGB Bundeskanzler geworden wäre."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.