Fußball

Bayern-Fans droht Quarantäne Uefa spielt die Budapest-Gefahr herunter

imago0048393896h.jpg

"Super safe" wird beim Supercup in Budapest mit Sicherheit nichts.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Der Supercup in Budapest wird zum Politikum. Aufgrund der Sorgen vor einem "Fußball-Ischgl" stehen ein Geisterspiel oder eine Absage im Raum - doch die Uefa bleibt bei der Zuschauerrückkehr. Die Fußball-Prominenz sagt für das Duell zwischen dem FC Bayern und Sevilla ab, Ministerpräsident Orban kommt.

Fritz Keller will kein Teil von "Fußball-Ischgl" sein. "Ich selbst werde nicht nach Budapest reisen", sagte der DFB-Präsident. "Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen." Letzteres zu tun verspricht auch die Uefa - und doch will sie sich ihr "Pilotprojekt" zur Zuschauerrückkehr nicht nehmen lassen.

Der Supercup im ungarischen Corona-Hotspot zwischen Bayern München und dem FC Sevilla am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky) wird stattfinden - und zwar mit Zuschauern. Das teilte die Europäische Fußball-Union auf Anfrage mit. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban soll auf der Tribüne der Puskas Arena sitzen, wie um aller Welt zu demonstrieren: alles halb so wild in Budapest!

Zuvor hatte es intensive Gespräche zwischen allen Beteiligten gegeben, neben einem Geisterspiel stand auch eine komplette Absage der umstrittenen Begegnung im Raum. Doch am Ende hatten die Zweifler keine Chance gegen die Lobbyisten um den mächtigen ungarischen Verbandschef und Uefa-Vize Sandor Csanyi. Der Supercup, behaupten die Befürworter um Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, werde "so sicher sein wie kein Spiel zuvor."

Wird das Duell zum Superspreading-Event?

Markus Söder steht an der Spitze derjenigen Kritiker, die darüber nur den Kopf schütteln. Der bayerische Ministerpräsident hatte das Spiel mit seiner Aussage über ein mögliches "Fußball-Ischgl" zum Politikum gemacht. Die große Sorge des CSU-Chefs: Ein Superspreading-Event an der Donau wie im Frühjahr im österreichischen Après-Ski-Mekka mit Hunderten oder Tausenden Infizierten in ganz Europa.

Die Uefa beteuert dagegen, es würden alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen unternommen. Doch daran zweifeln inzwischen auch viele Fans, die die Freigabe von bis zu 20.000 Plätzen (30 Prozent) zunächst begrüßt hatten. Nur noch 1300 Bayern-Fans wollen nach Budapest, Tendenz fallend. 2100 hatten sich um eines der zuletzt 4500 zur Verfügung stehenden Tickets bemüht. Aus Sevilla sollen nur 500 Anhänger anreisen.

Fußball-Fans aus Bayern müssen nach der Rückkehr auf jeden Fall zum Corona-Test oder in Quarantäne. Das Kabinett des Freistaats verschärfte seine Einreise-Quarantäneverordnung und strich eine bislang vorgesehene Ausnahmeregel. Demnach sind Sport-Anhänger bei Aufenthalten von weniger als 48 Stunden in Risikogebieten nicht mehr von der Quarantänepflicht befreit. Das gilt auch für Reisen zu Kulturveranstaltungen oder aus Freizeitgründen. "Das trifft insbesondere das Thema Supercup", sagte Söder. Der CSU-Chef appellierte erneut, dass Anhänger auf einen Besuch des Champions-League-Siegers FC Bayern am Donnerstag gegen Europa-League-Gewinner FC Sevilla verzichten sollten. "Jeder soll sich das nochmal ganz genau überlegen, ob das sinnvoll ist, denn Budapest ist ein Hochrisikogebiet", sagte Söder.

Die Rückkehrer aus Budapest müssten gleich einen Test machen, sagte Söder. "So wollen wir verhindern, dass es da eine mögliche Infektionsgefahr gibt." Erst nach ärztlichem Zeugnis, wonach keine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 vorliegt, sind die Personen wieder von der häuslichen Quarantäne ausgenommen. Gesundheitsministerin Melanie Huml wies auf die Empfehlung hin, einige Tage später einen weiteren Corona-Test durchführen zu lassen. "Es macht alles keinen Sinn", sagte auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei t-online.de über das Uefa-Projekt, das Ceferin zur Chefsache erklärt hatte. Lauterbach hielte es für "eine großartige Geste", wenn sich die Bayern-Bosse zu einer Art Reisewarnung an die eigenen Fans durchringen könnten.

Porto will gegen Supercup klagen

Derweil hat der Bürgermeister von Porto, Rui Moreira, auf einer Stadtratssitzung der Uefa mit Klage gedroht. Hintergrund ist die Vergabe des Supercups. Ursprünglich war Porto als Austragungsort vorgesehen gewesen. Auf der Sitzung präsentierte Moreira ein entsprechendes Schreiben. "Ich hoffe, ich erhalte eine Antwort. Wenn nicht: Es gibt in Genf, wo sich in der Nähe das Hauptquartier der Uefa befindet, Gerichte", drohte Moreira. Er bezichtigte die Uefa, die Unwahrheit gesagt zu haben. Ausschlaggebend für die Verlegung sei gewesen, dass das Finalturnier der Königsklasse in Lissabon stattgefunden habe. Deshalb habe man das Supercup-Duell nicht ebenfalls in Portugal austragen lassen wollen. Allerdings sei dies nicht offiziell so erklärt worden, sondern vielmehr sei die kritische Corona-Lage in Porto als Begründung herangezogen worden, so Moreira.

Der Bürgermeister ergänzte sarkastisch: "Ich wüsste nicht, dass es in Budapest keine Pandemie gibt..." Laut seiner Darstellung sei die Corona-Lage in Lissabon während der Champions-League-Finalrunde schlimmer gewesen als derzeit die Situation in Porto. Es wird vermutet, dass sportpolitische Gründe die Verlegung des Supercups mit beeinflusst haben. Uefa-Vize Csanyi ist auch der reichste Mann Ungarns.

Flick hofft auf "das i-Tüpfelchen"

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge möchte seinem Freund Ceferin nicht in den Rücken fallen und kritisierte den Supercup vor Fans nicht - wenngleich die Münchner Delegation deutlich kleiner ausfallen soll als bei solchen Spielen üblich. Er hat sich das Uefa-Diktum vom "Schritt in Richtung Normalität" zu eigen gemacht. Diesen hatte auch Hansi Flick zunächst befürwortet. Weil die Infektionszahlen vor Ort allerdings weiter steigen, hat sich der Trainer inzwischen bei den Skeptikern eingereiht.

Allein: Flick fühlt sich machtlos - und sucht die Flucht ins Sportliche. Der silberne Pokal, den die Uefa am Dienstag auf einer Donau-Brücke in Szene setzte, wäre "das i-Tüpfelchen" auf der Münchner Triple-Saison, sagte Flick. Er erwarte aber "ein schwieriges Spiel" gegen den Europa-League-Sieger. Zumal Toptorjäger Robert Lewandowski eine Prellung am linken Fuß plagt.

Quelle: ntv.de, dbe/sid