Fußball

Summer School trifft Altmeister Löw warnt, DFB-Elf wittert, Chile tönt

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Alles im Blick oder so: Joachim Löw.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Dänemark, San Marino, Australien - und nun Chile. Für die jungen deutschen Fußballer geht's erstmals gegen einen starken Gegner. Ist ja auch Confed Cup. Der Bundestrainer ist indes entzückt und wagt einen historischen Vergleich.

Worum geht's?

Drei Mal ist die fußballspielende Summer School des DFB bisher angetreten. Und die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Alles begann mit einem 1:1 beim Freundschaftsspiel in Kopenhagen gegen Dänemark; dem ließ das unter dem Label Perspektivteam firmierende Team in Nürnberg ein 7:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino folgen; und dann gelang der jungen deutschen Mannschaft zum Auftakt des Konföderationenpokals in Russland ein 3:2 gegen Australien.

Deutschland - Chile, 20 Uhr in Kasan

Deutschland: ter Stegen - Ginter, Mustafi, Rüdiger - Kimmich, Goretzka, Can, Hector - Brandt, Draxler - Wagner. - Trainer: Löw
Chile: Herrera - Isla, Medel, Jara, Beausejour - M. Díaz - Vidal, Aránguiz - Fuenzalida, E. Vargas, Sánchez. - Trainer: Pizzi
Schiedsrichter: Alireza Faghani (Iran)

Mittlerweile ist Bundestrainer Joachim Löw mit den Seinen von Sotschi nach Kasan geflogen, da dort heute (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die zweite Partie des Confed Cups ansteht. Gegner ist der Südamerikameister aus Chile. Und das wiederum heißt: Diese deutsche Elf trifft erstmals auf einen richtig starken Gegner. Der Bundestrainer sagt, Chile sei eingespielt, habe fantastische Einzelspieler und sei taktisch eine der besten Mannschaften der Welt. Kurzum: "Das wird für uns eine besondere Herausforderung. Wir müssen 90 Minuten hellwach sein, dürfen nie schlafen. Es ist wichtig für die Entwicklung der Spieler, auf so einem Level gegen so eine Mannschaft zu spielen."

So experimentell die DFB-Elf ohne ihre besten Spieler momentan auch aufgestellt ist: Das Halbfinale dieser Mini-WM, an der acht Mannschaften teilnehmen und die als Generalprobe für die richtige Weltmeisterschaft in einem Jahr gilt, will sie schon gerne erreichen. Und damit das auch klappt, sollte sie heute zumindest nicht verlieren. Die Chilenen sind, obwohl sie viele ihrer Chancen nicht zu nutzen wussten, mit einem letztlich überzeugenden 2:0 gegen Kamerun ins Turnier gestartet und führen die Tabelle dieser Gruppe B an.

Die Teams, die am Ende auf den Plätzen eins und zwei stehen, qualifizieren sie sich für die Vorschlussrunde. Der Gruppensieger spielt sein Halbfinale in Sotschi - also im Fischt-Stadion, wo für die DFB-Elf alles begann und wo sie am Sonntag (ab 17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Kamerun ihr drittes und letztes Spiel dieser Vorrunde bestreitet. Will meinen: In dem Fall müsste sie nicht wieder reisen, könnte weiter im Radisson Blu Paradise Resort & Spa unweit des Stadions im Stadtteil Adler logieren und den Blick aufs Schwarze Meer genießen.

Wie ist die DFB-Elf drauf?

Der Bundestrainer ist so begeistert, dass er einen Vergleich wagt. Er sehe durchaus Parallelen zu den Anfängen vieler späterer Weltmeister bei der WM 2010 in Südafrika. Damals seien Spieler wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil oder Thomas Müller neu in der Nationalmannschaft gewesen, sagte Löw der ARD: "Sie waren wissbegierig, sie waren hungrig - und diese Generation ist jetzt genau so, die sind auch wissbegierig, die sprühen vor Ehrgeiz, die wittern ihre Chance." Beim Confed Cup sind nur drei Akteure dabei, die 2014 in Brasilien mehr oder weniger mitgeholfen hatten, Weltmeister zu werden: Julian Draxler, der in diesem Sommer den Kapitän geben darf, Shkodran Mustafi und Matthias Ginter.

Sein Ziel ist es, sagte Löw, mehrere Spieler so weit zu bringen, dass sie "2018, 2020 oder 2022 dabei" sind. "Diese Mannschaft ist die Zukunft, wenn die anderen mehrheitlich ihre Karriere bei der Nationalmannschaft beenden." Ansonsten sagte der Bundestrainer, er werde "drei, vier Wechsel" in der Startelf gegenüber dem ersten Spiel vornehmen. "Zu dem Wort stehe ich, das kann ich auch nicht revidieren: Ich habe gesagt, dass ich möglichst versuchen werde, allen Spielern eine gewisse Einsatzzeit zu geben." Emre Can, vielleicht Timo Werner und Matthias Ginter wären die Kandidaten. Und im Tor wird auf jeden Fall Marc-André ter Stegen stehen, Bernd Leno, der gegen Australien anderthalbmal gepatzt hatte, sitzt auf der Bank. Ein "gewisses Gerüst" müsse aber bleiben. Jonas Hector, Joshua Kimmich, Mustafi und Draxler würden spielen, verriet Löw: "Daran können sich die anderen ein bisschen aufrichten."

Was machen die Chilenen so?

Dass der Bundestrainer so etwas wie ein Fan der Chilenen ist, hatte er bereits im März 2014 offenbart, nachdem der DFB-Elf in der Vorbereitung auf die WM in Stuttgart ein doch arg schmeichelhaftes 1:0 gelungen war. "Wir waren nicht in der Lage, Dominanz auszustrahlen", hatte er geknickt resümiert. Und Innenverteidiger Per Mertesacker hatte gar gesagt: "Die Chilenen haben uns gezeigt, wie man guten und produktiven Fußball spielt - bis aufs Toreschießen." Die Deutschen gewannen dann aber drei Monate später doch die WM, und Chile wurde zweimal, 2015 und 2016, Südamerikameister. Und nun? Kann die Partie heute zum Duell der Generationen stilisiert werden. Chile hat mit einem Schnitt von 29 Jahren und einem Monat den ältesten Kader in der Confed-Cup-Historie, das deutsche Perspektivteam kommt auf ein Durchschnittsalter von 24 Jahren und vier Monaten. Die Stars der Chilenen sind der 28 Jahre alte Alexis Sánchez vom FC Arsenal, der 30 Jahre alte Arturo Vidal vom FC Bayern und Claudio Bravo von Manchester City, 34 Jahre alt. Den Torhüter plagt allerdings eine Verletzung an der Wade, daher wird er heute fehlen. Ansonsten hält Trainer Juan Antonio Pizzi an seinen Altmeistern fest, weil sie gut sind. Und weil es ihm ein wenig an jungen Talenten für einen soliden Umbruch fehlt. Vidal ficht das nicht an. Er erwartet "ein schönes Spiel" - und verfolgt große Ziele: "Wir sind jetzt gut genug, die wichtigen Dinge zu gewinnen, den Confed Cup und auch die WM im kommenden Jahr."

   

Quelle: n-tv.de

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