Fußball

Plan B für die WM-Rumpftruppe Löw will in Spanien die Krise auskontern

Europameister Spanien gegen Weltmeister Deutschland, das ist ein Fußball-Leckerbissen - wäre das DFB-Team keine WM-Rumpftruppe. Doch Joachim Löw hat einen Rettungsplan - und Toni Kroos ohnehin Großes vor.

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Der Bundestrainer und sein Taktgeber.

(Foto: dpa)

Wenn Fußball-Bundestrainer Joachim Löw einmal durchzählt, wer ihm heute ab 20.45 Uhr aus seiner WM-Final-Startelf von Rio noch übrig ist zum Jahresabschluss gegen Spanien, dann ist er schnell fertig. Zu schnell, wie Löw in Vigo andeutete, denn es sind genau drei Spieler geblieben: WM-Aushilfsaußenverteidiger Benedikt Höwedes, Taktgeber Toni Kroos und die unverwüstliche Angriffsallzweckwaffe Thomas Müller. Der Rest ist entweder zurückgetreten, krank oder verletzt. Das stellt auch einen Weltmeister-Trainer wie Löw vor Probleme. Er habe zwar mit postweltmeisterlichen Belastungsstörungen gerechnet, sagte er in Vigo, allerdings in bescheidenerem Ausmaß: "So krass hätte ich das nicht erwartet".

Insgesamt stehen ihm gegen Spanien noch elf von 23 Brasilien-Fahrern zur Verfügung, darunter vier der fünf Null-Minuten-Weltmeister. Dass Löw und seine WM-Resterampe vor dem prestigeträchtigen Duell gegen Weltmeister-Vorgänger und Doppel-Europameister Spanien trotzdem einen Sieg als Ziel ausgeben, ist weniger dem Vertrauen in die eigene Stärke geschuldet. Die nach-weltmeisterliche Formbeule mit einem sieglosen Oktober und einem blamablen 4:0 gegen Gibraltar verlangt ganz einfach nach großen Taten. Große Worte können da ein Anfang sein - oder besser als nichts, wenn man den abwägenden Joachim Löw richtig deutet.

Löw rüstet verbal ab

Sein Spielmacher Kroos wägte nicht ab. Er trug die Zielvorgabe "Sieg in Vigo" mit seiner gewohnten mecklenburgischen Nonchalance vor, aber dennoch äußerst bestimmt: "Wir kommen als Weltmeister her, und daher haben wir die Aufgabe, jedes Spiel zu gewinnen - das werden wir auch versuchen." Löw öffnete hingegen zahlreiche Hintertürchen. Er kalkuliert das Scheitern offensiv ein und wirkte vor dem Duell mit den großen Spaniern ein wenig, als sei er von seiner eigenen öffentliche Teamkritik rund um das Gegurke gegen das kleine Gibraltar ein wenig überrascht worden. Diesmal rüstete er lieber verbal ab und deutete an, wie er die Krise in Spanien auskontern will: ausnahmsweise undominant, mit Kevin Voland in der Offensive und schnellem Umschaltspiel.

"Ich denke nicht, dass wir in dieser Zusammensetzung mehr Ballbesitz als Spanien haben werden", umriss Löw die deutsche Taktik. Die Mannschaft müsse stattdessen versuchen, in Kontersituationen zu kommen, etwa durch Ballgewinne im Mittelfeld. Außerdem erwarte er "Kompaktheit und Stabilität gegen einen richtig gut organisierten Gegner". Seine WM-Finalstarter Kroos, Müller und Höwedes nahm Löw dabei namentlich als Anführer in die Pflicht.

Nach einem zehrenden Jahr lässt sich eine gewisse körperliche und mentale Müdigkeit im DFB-Team nicht leugnen. An Lust auf Fußball, betonte Löw, soll es gegen Spanien aber nicht mangeln: "Ich spüre in Einzelgesprächen, dass die Spieler schon auch Lust haben, gegen Spanien zu spielen. Er habe bei seinen Spielern noch einmal die "geistige Bereitschaft" erkannt, "Dinge gut zu machen".

Ob das gegen eine "technisch hervorragende Mannschaft" wie Spanien gut genug sei, wollte Löw nicht versprechen. Dafür versprach er, sich das Jahr 2014 auszuschneiden und ins Löw'sche Poesiealbum zu kleben. Denn nicht nur Löw dürfte finden: "Dieses Jahr war sensationell gut."

Quelle: ntv.de