Fußball

Bizarre Geschichte des Transfers Man United war Ronaldos letzter Ausweg

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Wieder ein Red Devil: Cristiano Ronaldo.

(Foto: REUTERS)

Cristiano Ronaldo kehrt an den Ort zurück, an dem er zum Superstar aufgestiegen war. Der 36 Jahre alte Portugiese spielt wieder bei Manchester United. Den „Red Devils“ soll er nach acht Jahren wieder die Meisterschaft bescheren. Er selbst hat wohl Größeres im Sinn.

Für Cristiano Ronaldo war es mittlerweile echt eng geworden. Viel Zeit hatte der Superstar nämlich nicht mehr, einen neuen Verein zu finden. Am Montagabend schließt das Transferfenster. Nun wird es weltweit eine sehr ausreichende Zahl an Klubs gegeben haben, die sich über ein Engagement des Portugiesen gefreut hätten. Allerdings waren die definierten Bedingungen für fast alle Vereine auf diesem Planeten nicht zu stemmen. Und so kam nur der derzeit so umtriebige „Club der Superreichen“ für die Inobhutnahme des 36-Jährigen infrage.

Dabei war das Geld aber wohl weniger das dominierende Leitmotiv als der Wunsch des Spielers, nochmal in einer Superstar-Truppe zu spielen. So einen letzten Henkelpott - den bekommt man für den Triumph in der Champions League - das wäre ja tatsächlich die schöne und perfekte Krone auf einer außergewöhnlichen Karriere. Und ganz nebenbei wäre es auch noch ein persönlicher Sieg im ewigen Weltfußballer-Duell mit Lionel Messi, der mit Paris St. Germain mindestens gleichwertig wuchtige Chancen auf den Titel hat wie nun eben Ronaldo, der auf spektakuläre Weise zu Manchester United zurückkehrt ist. Und so emotional diese Comeback-Geschichte ist, so wenig geplante Herzensangelegenheit war sie.

Vorerst egal. In der Arbeiterstadt im Norden Englands ist der totale Hype ausgebrochen. Zumindest im roten Teil der Stadt. Der "Sohn" des Klubs, der hier zwischen 2003 und 2009 zum Superstar und zum teuersten Fußballer der Welt aufgestiegen war, kehrt nach zwölf Jahren heim. Die Euphorie des Wechsels legt vorübergehend die Webseite des Klubs lahm und aktuelle Spieler wie ehemaligen Legenden teilen ihre Begeisterung überall. "Wow wow wow, er ist zuhause", twitterte Englands Nationalspieler Marcus Rashford. Der frühere Dortmunder Jadon Sancho, der im Sommer für 85 Millionen Euro zu den Red Devils gewechselt war, kommentierte die Mitteilung mit den Worten: "Unheimliche Stunden". Abwehr-Ikone Rio Ferdinand gönnte sich vor lauter Ekstase einen Sekt.

Eigentlich war City doch in der Pole Position

Nicht ganz so enthemmt war die Stimmung im himmelblauen Teil der Stadt. Denn eigentlich hatte doch alles danach ausgesehen, dass City, das Team von Startrainer Josep Guardiola, den Coup mit dem Superstar landen würde. Doch dann, am Freitagmittag steuerte alles massiv auf die spektakuläre Wende hin, ehe schließlich um 17.53 Uhr Gewissheit herrschte. Es ist eine Gewissheit, verbunden mit sehr großen Hoffnungen. Ronaldo soll die große Titelsehnsucht stillen. Die letzte Meisterschaft ist bereits acht Jahre her, der Triumph in der Königsklasse sogar schon 13 Jahre. Ob der Superstar aber das entscheidende Puzzleteil ist? Im Sturm herrschte tatsächlich eher weniger Not. Dort tummelt sich mit Edinson Cavani, mit Anthony Martial, mit Mason Greenwood und Marcus Rashford eine sehr gute Mischung aus Qualität und Talent. Nun, keine Frage, Ronaldo hebt das Niveau noch einmal deutlich an. Nicht nur sportlich, sondern auch als Mentalitäts- und Führungsspieler.

Das hätte er auch bei den Citizens getan. Und dort hätte er tatsächlich auch die Lücke des Mittelstürmers gefüllt. Nach dem hält Guardiola gerade verzweifelt Ausschau. Harry Kane, den Kapitän des englischen Nationalteams, hätte er gerne gehabt, doch die Verhandlungen scheiterten. Wohl auch wegen der Ablöse im Bereich um 180 Millionen Euro. Ronaldo soll übrigens nur irgendwo zwischen 15 und 25 Millionen Euro gekostet haben. Ob er wirklich ins Anforderungsprofil von City gepasst hätte? Eher fraglich. Zu laufintensiv ist das Spiel von Guardiola. Für Uniteds eher abwartenden Konterfußball scheint er dagegen gut zu passen. Die spanische "Marca" schreibt: "Die letzte Bombe. CR7, was für ein Teufel! Er sollte bei City unterschreiben .. und landet am Ende bei United."

Aber wie viel Wunsch und wie viel Verzweiflung steckt in diesem Wechsel zu den Red Devils tatsächlich. Dass der Klub völlig beseelt ist, das scheint absolut unstrittig. Der Traum der Rückkehr des Superstars, der während seiner ersten Zeit 118 Tore in 292 Spielen für United erzielt hatte, wurde in Old Trafford schon so oft geträumt. Aber wie schaut es mit dem Spieler aus? In den vergangenen Tagen wurde immer wieder berichtet, dass CR7 unbedingt zu City wechseln wollte. Allerdings wurden in den Berichten aus Spanien, Frankreich und Italien nie eine offizielle Quelle genannt. Warum der Superstar unbedingt Abschied von Juve nehmen wollte, ist nicht klar. Atmosphärische Störungen wurden kolportiert. Am Ende auch egal.

Wilde Offerten-Odysee durch Europa

Der "Guardian" berichtet nun davon, dass der Agent des Spielers, Jorge Mendes, in diesem Sommer eine gewaltige Odysee unternommen hatte, um seinem Klienten eine neue Top-Herausforderung zu suchen. Angeblich wurde der portugiesische Spielervermittler bei fast allen Spitzenklubs in Europa vorstellig, unter anderem auch bei Paris St. Germain (sie gönnten sich lieber Messi) und beim FC Chelsea (der verpflichtete Romelu Lukaku). Am weitesten fortgeschritten waren dann wohl tatsächlich die Gespräche mit City, auch wenn es im Verein Vorbehalte gegen die Verpflichtung eines 36-Jährigen gegeben haben soll. Woran die Gespräche letztlich gescheitert sind, das ist unklar. An der Ablöse? Am Gehalt? Oder am Wunsch der Turiner im Gegenzug den Stürmer Gabriel Jesus zu bekommen? Letztes kann man vermutlich ausschließen, denn ein Tauschdeal wurde ja auch mit United nicht vereinbart.

Klar ist laut "Guardian" nur, dass Mendes die Verhandlungen mit den Agenten der "Skyblues" am Donnerstag nach drei Tagen abgebrochen und sich dann an United gewandt hatte. Binnen weniger Stunden wurde der Deal dann durchgezogen. Womöglich auch unter kräftiger Mithilfe von Sir Alex Ferguson. Nach Informationen der "Manchester Evening News", des "Daily Mirror" und der "Sun" rief die Trainer-Legende am Freitagmorgen bei Ronaldo an, um ihn zur Rückkehr ins Old Trafford zu bewegen. "Sir Alex", der den Spieler im Alter von 18 Jahren im Sommer 2003 zu den Red Devils holte, gilt als als sportlicher Ziehvater Ronaldos. Sein Wort hat also offenbar noch immer Gewicht beim Superstar. Andere Medien berichteten, United habe schon lange an der Rückkehr des Portugiesen gearbeitet und bereits seit Monaten Gespräche geführt. Die Glazers, die umstrittenen milliardenschweren Klubinhaber aus den USA, hätten Zahlungsbereitschaft signalisiert. Gut möglich, dass nicht alles so spontan ablief, wie es jetzt aussah.

Die Turiner, die Ronaldo nun nach drei nicht ganz so erfolgreichen Jahren (zumindest nicht ganz so erfolgreich wie erwünscht) verlässt, waren in dem ganzen Zinober offenbar nur Passagier. Immer wieder hatten die Bosse betont, dass Ronaldo in diesem Sommer bleiben werde. Und selbst der Spieler hatte sich die wilden Gerüchte, unter anderem auch eine Rückkehr zu Real Madrid, vor wenigen Tagen noch klar verbeten. Ronaldo beklagte die Berichte und Gerüchte als "respektlos" und "frivol".

Und jetzt? War's das jetzt mit den Big Deals in diesem Sommer, die auf der Fußball-Landkarte der Mächtigen neue Grenzen zieht? PSG, City, United und Chelsea, sie haben mit ihren Transfers doch noch ihre eigene kleine Super League gegründet. Eventuell stößt Real Madrid noch in diesen elitären Zirkel vor. Der Transfer des Pariser Starstürmers Kylian Mbappé für rund 180 Millionen Euro steht offenbar kurz bevor. Die spanische Zeitung "Sport" schreibt dazu: "VERRÜCKT! Der Endspurt des Transfermarktes wird nichts für schwache Nerven sein." Und der FC Bayern? Was macht der? Der soll sich angeblich mit den Nationalspielern Jonas Hofmann und Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach beschäftigen. Was für eine gegensätzliche (Fußball)-Welt.

Quelle: ntv.de

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