Fußball

Liverpool gegen Barça vor Aus Messi zeigt Klasse, Klopp fürchtet Leere

imago40141188h.jpg

Der Beste: Lionel Messi.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Der FC Liverpool macht in diesem Halbfinale gegen Barcelona wenig falsch, lässt aber seine Chancen ungenutzt und steht nun vor allem wegen Lionel Messi vor dem Aus in der Champions League. Eine herausragende Saison könnte für Jürgen Klopp erneut ohne Titel enden.

Er wusste, dass das alles ein bisschen seltsam klang, nach diesem Ergebnis, aber er war überzeugt. "Wie wir verteidigt haben, wie mutig wir in diesen Situationen waren, das hat mir gefallen", sagte Jürgen Klopp im beengten Pressesaal des Camp Nou. Und: "Wenn wir den Ball hatten, waren wir fast immer ziemlich gut." Und, als Krönung seiner Ausführungen: "Das war unsere beste Auswärtsleistung in der Champions League, nicht nur in dieser Saison, sondern auch in der vergangenen." Zur Erinnerung: In der abgelaufenen Spielzeit waren die von Klopp trainierten Fußballer des FC Liverpool bis ins Finale vorgedrungen, diesmal sind die Aussichten darauf nur noch minimal nach dem 0:3 beim FC Barcelona.

5c841c339f86e3699c6b71b88dceaaed.jpg

"Das war unsere beste Auswärtsleistung in der Champions League": Jürgen Klopp.

(Foto: dpa)

Doch so seltsam es klingen mag, Klopp hatte Recht: Seine Mannschaft hatte an diesem Mittwochabend eine gute Vorstellung geliefert in diesem Halbfinal-Hinspiel. Sie hatte sich nicht einschüchtern lassen von dem Lärm in diesem riesigen Kessel, sie hatte sich mehrmals gut durch die gegnerischen Reihen gespielt, sie hatte eine Drangphase mit guten Gelegenheiten gleich nach der Pause, und sie hatte Barcelonas Wunderwaffe Lionel Messi über weite Strecken ganz ordentlich im Griff. Das Problem allerdings, aus Sicht des FC Liverpool und aus Sicht aller Teams, die sich mit Messi herumschlagen müssen: Er muss gar nicht das ganze Spiel dominieren, um irreparablen Schaden anzurichten.

Er muss gar nicht das ganze Spiel dominieren, um zum Helden zu werden. Und so war diese Partie wieder einmal eine Messi-Show. Sie war wieder einmal der Beweis dafür, dass die Welt gerade mit einem außergewöhnlichen Fußballer gesegnet ist, vielleicht mit dem außergewöhnlichsten überhaupt. Zwei Tore steuerte er zum Sieg seines Teams bei, das 2:0 und das 3:0, beide waren auf ihre Weise besonders. Vor seinem ersten Treffer in der 75. Minute setzte Messi nach einem Lattenschuss von Luis Suárez nach und trug den Ball über die Linie, fast so, als wäre es Vorsehung, dass er dieses Halbfinale entscheiden sollte. Sein zweites Tor in der 82. Minute war ein Freistoß, wie man ihn nicht besser schießen kann. Aus 25 Metern trat Messi den Ball links oben in den Winkel. Es war sein insgesamt 600. Tor im Trikot des FC Barcelona, 14 Jahre nach seinem ersten Treffer, damals war noch Ronaldinho der Vorbereiter.

"Meeeeeeessi! Meeeeeeessi!

Die Fans, mehr als 98.000 waren beim Spiel gegen Liverpool anwesend, huldigten Messi mit dem gewohnten Ritual. Sie riefen seinen Namen und wogten dabei vor und zurück, wie Palmen bei starkem Wind. Von allen Seiten hallte es am Ende des Spiels: "Meeeeeeessi! Meeeeeeessi! Meeeeeeessi!" Auch wenn die Zeremonie schon unzählige Male stattgefunden hat – ist es immer noch beeindruckend, wenn sich Camp Nou vor seinem Meister verneigt. "Nicht aufzuhalten" sei der Argentinier in einigen Momenten gewesen, musste auch Liverpool-Trainer Klopp gestehen.

6f8b5ed3742a90f17dd3487571ba94b6.jpg

Retter: Marc-André ter Stegen.

(Foto: REUTERS)

Sein Verdruss zielte vor allem darauf, dass seine Mannschaft kein Auswärtstor erzielt hatte. Dabei waren die Chancen dafür da. Gleich nach der Pause hatte das Team drei gute Möglichkeiten, zweimal durch James Milner und einmal durch Mohamed Salah. In allen drei Situationen rettete Barcelonas deutscher Torwart Marc-André ter Stegen. Die Partie hätte anders ausgehen können, deutlich freundlicher für Liverpool, mit einem wichtigen Auswärtstor, wenn Klopps Mannschaft präziser im Abschluss gewesen wäre. Und wenn auf der Gegenseite nicht Messi mitgemacht hätte. So ist die Lage vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag an der Anfield Road klar: Liverpool braucht eine Art Wunder, falls es noch klappen soll mit der zweiten Teilnahme am Champions-League-Finale nacheinander. Die Aussichten darauf schätzt Klopp für seine Verhältnisse verhalten ein.

Auf die Frage, ob Liverpool zumindest ein bisschen optimistisch sein könne vor dem zweiten Treffen mit Barça, sagte er: "Ja, weil es Fußball ist. Aber vor dem Spiel hatten wir bessere Chancen." Es ist gut möglich, dass Liverpools Europapokal-Reise am Dienstag ihr Ende nimmt. Und dann könnte der Verein trotz einer herausragenden Saison – und nur einer Niederlage in der Premier League - am Ende ohne einen einzigen Titel dastehen, wieder einmal. In der Liga liegt Manchester City bei noch zwei verbleibenden Spielen mit einem Punkt Vorsprung vor Liverpool an der Tabellenspitze, die Hoffnungen auf die erste Meisterschaft seit fast 30 Jahren schwinden, dabei sind die Unterschiede zwischen den beiden Teams minimal. Er dürfte auch über das heimische Titelrennen gesprochen haben, als Klopp nach der Niederlage in Barcelona sagte: "In unserer Saison geht es um knappe, enge Entscheidungen, drin oder nicht, Tor oder kein Tor." Er scheint das Gefühl zu haben, dass sich die Dinge gerade zu Ungunsten seiner Mannschaft entscheiden. In Barcelona lag das vor allem an Messi.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema