Fußball

Mit feiner Ironie zum Trainerjob Miroslav Klose spielt weiter munter mit

faecad59e6b75b5194300c8fb305519d.jpg

Gegen alle Wahrscheinlichkeit: Miroslav Klose.

(Foto: dpa)

Der Münchner Mia-san-mia-Kosmos liegt ihm vielleicht nicht, aber Miroslav Klose setzt sich einst auch beim FC Bayern durch. Nun beendet der Weltmeister und Rekordmann seine Karriere und startet eine neue. Und beim DFB freuen sie sich.

Da freuen sie sich beim Deutschen Fußball-Bund. Das mit Miroslav Klose passt prima ins Konzept, ließ Sportdirektor Hans-Dieter Flick verlauten. Und so sei es für den Fußball insgesamt "ein absoluter Gewinn, wenn jemand wie Miroslav Klose sich entschließt, als Trainer arbeiten zu wollen". Die feine Ironie der Geschichte ist, dass einer wie Miroslav Klose es heute gar nicht mehr in die Nationalmannschaft schaffen würde. Oder halt viel früher.

d029dc92df3577171458dc6fd01b9345.jpg

Ups, was ist hier passiert? Müssen wir schreiben, dass der Salto sein Markenzeichen war?

(Foto: dpa)

Aber wenn einer wie Miroslav Klose mit 20 Jahren noch in der fünften Liga kickt, dann darf er heutzutage nicht mehr darauf hoffen, irgendwann zu den besten Fußballern des Landes zu gehören, 137 Länderspiele mit der deutschen Mannschaft zu absolvieren, mit 71 Treffern erfolgreichster Schütze der Geschichte zu werden, mehr Tore bei WM-Turnieren zu schießen als jeder andere auf dieser Welt, nämlich 16, und dann auch noch Weltmeister zu werden. Miroslav Klose aber hat all das geschafft. Nun hat er mitgeteilt, dass er mit dem Fußballspielen aufhört, nicht aber mit dem Fußball. Eine Überraschung ist das nicht, seine letzte Partie für seinen letzten Verein Lazio Rom bestritt er Mitte Mai.

Nun geht er als Praktikant zum DFB und begleitet Bundestrainer Joachim Löw. Er kann das in der Gewissheit tun, dass es mit ihm und dem Verband stets gut gepasst hat. Und das wird auch in Zukunft so sein. Er ist, so klischeehaft das klingt, ein feiner Kerl. Stets bescheiden, zurückhaltend, und im Gespräch fast ein wenig schüchtern aber bestimmt. Wer wissen will, warum Miroslav Klose so ist, wie er trotz aller Erfolge stets geblieben ist, der fährt in die westpfälzische Provinz nach Kusel, die "Kreisstadt mit Charme und Charakter". Im Stadtteil Diedelkopf, gegenüber vom Klinikum, liegt neben dem Schwimmbad das Aalbachstadion, das sich beim Ortstermin vor einigen Jahren als schlichte Sportanlage mit zwei Fußballplätzen und schmuckem Vereinsheim samt Terrasse entpuppte. Hier hat Miroslav Klose von 1987 bis 1998 gespielt, hier in der Bezirksliga fing alles an. Nach zwei Jahren beim FC Homburg spielte er von 1999 bis 2004 beim 1. FC Kaiserslautern, erst in der zweiten Mannschaft.

Ja, ein Klischee. Aber er ist halt bescheiden

Sein Debüt in der Bundesliga gab er am 15. April 2000 beim 1:0 gegen Eintracht Frankfurt wechselte Trainer Otto Rehhagel ihn eine Viertelstunde vor dem Ende der Partie ein - knappe zwei Monate vor seinem 22. Geburtstag und das auf dem Betzenberg, knappe 42 Kilometer vom Aalbachstadion entfernt. Und ein Jahr später, am 24. März 2001 spielte Miroslav Klose zum ersten Mal in der Nationalmannschaft. Beim 2:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien in Leverkusen bringt ihn Rudi Völler ebenfalls 15 Minuten vor dem Ende der Partie für Oliver Neuville. Und wer köpft kurz vor Schluss das 2:1? Genau.

Der Rest ist Geschichte, eine Erfolgsgeschichte gegen alle Wahrscheinlichkeit. Er war nie der ganz große Star, dessen Popularität beim Publikum an die eines Lukas Podolski herangereicht hätte. Aber er hat sich beharrlich durchgesetzt, in Kaiserlautern, bei Werder Bremen. Und auch beim FC Bayern hat er seine Tore geschossen, 24 in 98 Spielen zwischen 2007 und 2011. Aber man hatte selten das Gefühl, dass das mit München und Miroslav Klose so richtig passt. Vielleicht war ihm dieser Mia-san-mia-Kosmos auch einfach nur zu großkotzig. Und bei aller Bescheidenheit: Selbstbewusst ist Miroslav Klose. Schließlich hat er es als Sohn polnischer Einwanderer geschafft, "ganz nach oben", wie er einmal der "Süddeutschen Zeitung" erzählte. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe." Bevor er Gerd Müller im Juni 2014 als deutschen Rekordtorschützen ablöste, hatte er ihn dennoch vorsichtshalber gefragt, ob das in Ordnung sei. "Ich habe das mit dem Gerd besprochen, er wäre nicht böse." Und er war es, der stets darauf hinwies, dass Müller seine 68 Treffer in nur 62 Partien erzielte.

Nun also schickt Miroslav Klose sich an, jungen Menschen beizubringen, wie sie am besten den Ball ins Tor befördern. Es dürfte schlechtere Lehrmeister geben. Er hat es auch geschafft, sich vom reinen Mittelstürmer zu einem Angreifer zu entwickeln, der nicht nur vorne lauerte, sondern munter mitspielte, für jede Kombination zu haben und sich nie zu schade war, sich auch um die Defensive zu kümmern. Wer einen Miroslav Klose im Team hatte, der musste sich um einen falschen Neuner keine Gedanken machen. Joachim Löw wusste das durchaus zu schätzen. So sehr sich die Zeiten änderten, Miroslav Klose traf immer. Da dürfen sie sich beim DFB wirklich freuen. Und nicht nur dort.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema