Fußball

"Kein Grund zum Jammern" Moskau reizt den FC Bayern nur ganz kurz

Flughafen, Bus, Hotel, Stadion: Mehr gibt's für den FC Bayern nicht zu sehen, wenn er zur Champions League nach Moskau reist. Statt Sightseeing stehen nächtliche Corona-Tests an. Auch Serge Gnabry darf mitfahren.

Hansi Flick wischte all die Bedenken an der strapaziösen Risikoreise mit Sondergenehmigung und nächtlichen Corona-Tests einfach beiseite. "Wir reden die letzten Wochen immer nur über Belastung, aber die Mannschaft spielt guten Fußball, das ist Mentalitätssache", betonte der Trainer von Titelverteidiger Bayern München mit Blick auf den ungewöhnlichen Kurztrip zum Champions-League-Spiel bei Lokomotive Moskau am morgigen Dienstag (18.55 Uhr/DAZN und ntv.de-Liveticker). Getreu seinem Motto: "Kein Grund zum Jammern."

Dabei ist bei der Reise ins Ungewisse nichts wie sonst. Das wurde schon vor dem heutigen Abflug mit Rückkehrer Serge Gnabry deutlich. "Wir schauen, dass wir möglichst schnell hin und möglichst schnell wieder zurückkommen, weil das mit zur Belastung gehört", sagte Flick. Das Abschlusstraining fand nicht in der Moskauer RZD-Arena, sondern - wie die Pressekonferenz - noch in München statt. Im Privatjet ging es mit den Bossen in die russische Hauptstadt. Dort wurde sofort das Teamhotel angesteuert, in dem sich die Bayern hermetisch abschirmen.

"Wir bewegen uns ja, die Amerikaner sagen Bubble, in der Blase", sagte Thomas Müller. "Wir sehen außer dem Flughafen und dem Bus nur das Mannschaftshotel und den grünen Rasen." Das habe den Vorteil, dass das Corona-Risiko gering gehalten werde. "Ich wüsste nicht, wo da für uns eine Gefahr liegen sollte", meinte Müller, er halte die Reise für "unbedenklich".

"Serge ist immer eine Option"

Im Umfeld wird alles unternommen, um dieser Haltung gerecht zu werden. Die Bayern sind keine 30 Stunden vor Ort, nach dem Schlusspfiff am Dienstagabend um 22.40 Uhr russischer Zeit fliegen sie um 1.00 Uhr zurück. Dank einer Sondererlaubnis dürfen die Münchner nachts um 2.15 Uhr deutscher Zeit zu Hause landen - dann geht es für die müden Kicker direkt zum Klubgelände an die Säbener Straße. Dort sind nach dem ersten von vier (!) Auswärtsspielen mit dem Klassiker in Dortmund (7. November) binnen zwölf Tagen für 3.15 Uhr nachts die nächsten Corona-Tests angesetzt.

Trotz dieser Widrigkeiten wollen die Bayern nach der 4:0-Gala gegen Atletico Madrid ihren "Flow" auch in Moskau fortsetzen, wie Müller betonte, auch der Titel sei in diesem Jahr wieder "absolut" möglich: "Wir fühlen uns sehr, sehr stark!" Ein neuer Siegrekord, wie von einem russischen Fragesteller nahegelegt, sei zwar nicht das Ziel. "Das ist der völlig falsche Ansatz und wäre sehr überheblich", mahnte Müller, aber: "Die Motivation ist, dass ganz Fußball-Europa auf uns schaut und sagt: Woah!"

Das dürfte die Konkurrenz schon beim Blick auf die Offensive denken, Flick hat dort die Qual der Wahl. Mit Gnabry, der nach seinem "falsch positiven" Test vier negative und zwei negative Antigen-Tests abgelegt hat, stehen ihm wieder vier Flügelstürmer zur Verfügung. "Er ist eine Option für die Startelf, Serge immer", sagte Flick: "Er ist happy, und wir sind froh, dass er wieder da ist." In der Abwehr will der Coach nach dem Ausfall von Alphonso Davies (Knöchel) "kreativ" werden.

Das dürfte bedeuten, dass erneut Lucas Hernández links verteidigt. Im Mittelfeld muss sich Flick für den Platz neben Joshua Kimmich zwischen Leon Goretzka und dem in der Liga rotgesperrten Corentin Tolisso entscheiden. Moskau, das zum Start ein glückliches 2:2 in Salzburg holte, ist krasser Außenseiter. "Ich fürchte, gegen diese Bayern in Topform wird Lok keine Chance haben", sagte der frühere Lok-Sportchef Erik Stoffelshaus dem "Kicker".

Quelle: ntv.de, Marco Mader, sid