Fußball

Verschwörung für den FC Barcelona Mourinho attackiert die Uefa

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"Wenn ich zum Schiedsrichter und zu der Uefa sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden": Jose Mourinho

(Foto: AP)

Nach Real Madrids 0:2 gegen Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League verliert Jose Mourinho die Nerven. Unverhohlen beschuldigt der Real-Coach die Uefa, den Gegner seit Jahren systematisch zu bevorzugen. Auch gegen Barca-Trainer Josep Guardiola tritt er verbal kräftig zu.

Der Champions-League-Clasico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona dürfte für Madrids Trainer Jose Mourinho ein disziplinarisches Nachspiel haben. Der Portugiese, der für seine Psychospielchen und gezielten Pöbeleien über Gegner und Schiedsrichter berüchtigt ist, beschuldigte die Europäische Fußball-Union (Uefa) nach dem mit 0:2 verlorenen Halbfinal-Hinspiel unverhohlen, den FC Barcelona gezielt zu bevorzugen.

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Das Schiedsrichter-Gespann um Wolfgang Stark steckte auf Geheiß der Uefa mit dem FC Barcelona unter einer Decke, ...

(Foto: AP)

Zwar sagte Mourinho in der offiziellen Pressekonferenz nach dem Spiel: "Wenn ich zum Schiedsrichter und zu der Uefa sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden." Tatsächlich erhob er aber schwere Anschuldigungen gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark und die Uefa und sprach indirekt von einer Verschwörung zugunsten der Katalanen: "Sie (der FC Barcelona, Anm. d. Red.) haben die Macht und wir haben keine Chance."

"Sie sollen ins Finale gelangen"

Die Rote Karte gegen seinen Spieler Pepe, der nach einem brutalen Tritt gegen Barcelonas Dani Alves in der 60. Minute vom Platz geflogen war, bezeichnete Mourinho als ebenso ungerechtfertigt ("Er hat nichts gemacht") wie seinen eigenen Platzverweis zwei Minuten später. Gleichzeitig machte er Pepes Platzverweis allein verantwortlich für die Niederlage seines Teams: "Es hätte mit 0:0 enden können heute Abend, doch plötzlich waren wir nur noch zu zehnt und der Weg für Barcelona war frei um Lösungen zu finden, die sie vorher nicht gefunden hatten: wir hätten drei Stunden weiterspielen können und sie hätten kein Tor geschossen. Aber heute haben wir gesehen, dass so etwas nicht nur schwierig ist - es ist unmöglich."

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... davon ist Real-Coach Jose Mourinho überzeugt.

(Foto: REUTERS)

Es widere ihn manchmal an, in der Welt des Fußballs zu leben und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zudem stellte Mourinho die Frage in den Raum, warum so ein "fantastisches Fußballteam" wie Barcelona auch noch so offensichtlich bevorteilt werde. Dabei mutmaßte er, dass der Verein von der Uefa vielleicht wegen des Trikotsponsorings für das UN-Kinderhilfswerk Unicef begünstigt werde und stellte fest: "Sie sollen ins Finale gelangen, und sie gelangen ins Finale."

Verbalgrätsche gegen Guardiola

Auch einen weiteren direkten Angriff auf Josep Guardiola mochte sich Mourinho nicht verkneifen, nachdem er den Barca-Coach schon vor der Partie verhöhnt hatte. Diesmal ätzte er dem "Guardian" zufolge: "Josep Guardiola ist ein fantastischer Trainer, aber ich habe zwei Champions-League-Titel gewonnen. Er hat die Champions League einmal gewonnen, aber über diese eine wäre ich beschämt." Damit spielte er auf das Halbfinal-Rückspiel zwischen Barcelona und dem FC Chelsea im Jahr 2009 in London an. Damals waren den Londonern mehrere mögliche Elfmeter verwehrt worden. Barca zog durch ein Tor in der Nachspielzeit ins Finale ein und gewann dort gegen Manchester United mit 2:0.

"Ich würde mich schämen, die Champions League dank des Skandals von der Stamford Bridge (das Chelsea-Stadion, Anm. d. Red.) gewonnen zu haben", wird Mourinho weiter zitiert, der zum FC Chelsea seit seiner Zeit als Trainer in London von 2004 bis 2007 noch ein inniges Verhältnis pflegt: "Und wenn er dieses Jahr gewinnt, dann wird er wegen des Skandals vom Bernabeu gewonnen haben. Ich hoffe, dass er eines Tages einen richtigen Champions-League-Titel gewinnen wird."

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"Ich hoffe, dass er eines Tages einen richtigen Champions-League-Titel gewinnen wird." Sagt Jose Mourinho über Josep Guardiola.

(Foto: REUTERS)

Der FC Barcelona kündigte inzwischen an, die Aussagen von Mourinho von der Rechtsabteilung des Vereins prüfen zu lassen. Anschließend werde entschieden, ob die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union eingeschaltet werden müsse. Sehr wahrscheinlich wird die Uefa nach diesen massiven Anschuldigungen aber ohnehin von sich aus tätig werden. Klar ist, dass Mourinho nach seiner Verbannung auf die Tribüne für das Rückspiel am kommenden Dienstag gesperrt ist, wie die Uefa inzwischen bestätigte.

Erinnerungen an Anders Frisk

Es ist nicht das erste Mal, dass Mourinho nach einem Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona schwere Anschuldigungen erhebt. Nachdem er am 23. Februar 2005 mit Chelsea das Achtelfinal-Hinspiel in Barcelona trotz 1:0-Pausenführung noch mit 1:2 verloren hatte, beschuldigte Mourinho den schwedischen Schiedsrichter Anders Frisk, in der Halbzeitpause mit dem damaligen Barca-Trainer Frank Rijkaard in seiner Schiedsrichterkabine Absprachen getroffen zu haben.

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Anders Frisk trat 2005 zurück. Nach schweren Vorwürfen von Mourinho hatte er Morddrohungen erhalten.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Grund war vor allem eine umstrittene Gelb-Rote Karte für Chelsea-Stürmer Didier Drogba in der 56. Minute. Anschließend erhielt Frisk per Post, Telefon und E-Mail Morddrohungen von aufgebrachten Chelsea-Fans gegen sich und seine Familie und sagte dazu später: "Ich bin Dingen ausgesetzt worden, die für mich früher unvorstellbar waren." Als Konsequenz erklärte der Fifa-Schiedsrichter drei Wochen nach der Partie seinen sofortigen Rücktritt vom Fußball. Jose Mourinho wurde für zwei Champions-League-Spiele gesperrt.

Quelle: ntv.de

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