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Top-Leistung und Fairness Müller revidiert seine Elfmeter-Aussage

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Mit etwas Abstand revidiert Thomas Müller seine Meinung zum spielentscheidenden Elfmeter im PokalHalbfinale seines FC Bayern beim SV Werder Bremen.

(Foto: imago images / Team 2)

Thomas Müller grätscht, kämpft, vergibt Topchancen, erzielt ein Tor, provoziert die Fans des SV Werder Bremen. Und er verteidigt den fragwürdigen und entscheidenden Elfmeterpfiff im Pokal-Halbfinale. Nun rudert der Bayern-Profi überraschend ehrlich zurück.

Als wären die Fans des SV Werder Bremen in ihrem Weserstadion von Thomas Müller nicht schon genug provoziert worden, mussten sie nun auch noch diese Demütigung ertragen: Thomas Müller wurde nach dem dramatischen 3:2 (1:0)-Erfolg seines FC Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals als bester Fußballer des Abends ausgezeichnet. Wütende Pfiffe, verzerrte Gesichter, Hunderte gereckte Mittelfinger auf den immer noch gut gefüllten und immer noch höchst erregten Tribünen. Noch mehr Wut hätte es dort wohl nur gegeben, hätte sich das zuständige Gremium für den tatsächlich starken Kingsley Coman als "Man of the Match" entschieden. Für den Mann also, der in der 78. Minute dieses Wahnsinns von Theodor Gebre Selassies Ellenbogen im Strafraum angerempelt wurde. Und stolperte. Und fiel. Und Elfmeter bekam.

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Es war ein Elfmeter der Klarheit-Kategorie "darfst-du-niemals-musst-ihn-aber-absolut-pfeifen". Während sie in Bremen und an vielen anderen Orten in Deutschland aber ausschließlich die "Niemals"-Meinung vertraten, gab's beim FC Bayern kaum jemanden - die Ausnahme bildete der sehr faire Herr Kovac - der nicht Anhänger der "Absolut"-Theorie war. Auch Thomas Müller erkannte ganz in der Hoeneß'schen Maximalsicherheit: "Das war für mich aus der realen Perspektive absolut ein Elfmeter." Nun hatte Müller, wie alle anderen auch, mittlerweile die Zeit die reale Perspektive mit den Videobildern abzugleichen. Und nachdem am Donnerstag bereits der Chef der DFB-Videoschiedsrichter eingeräumt hatte, dass die Entscheidung "nicht korrekt" gewesen sei, korrigiert sich auch der Bayern-Angreifer.

"Aus dem Spiel heraus sah es für mich ganz klar wie ein Elfmeter aus, wie ein klarer Schubser von hinten. Ich denke, der Schubser ist auch da", sagte der 29-Jährige am Vormittag in einem Instagram-Video, in dem er sich auch für seine umstrittenen Aussagen nach dem Düsseldorf-Spiel zuletzt entschuldigt. "Es ist auch ein Foulspiel - allerdings kein Foulspiel, das in dieser Situation für einen Elfmeter ausreicht." Den (also den Elfmeter) aber hatte der Verantwortliche im Kölner Keller, dort sitzt der Videoschiedsrichter, nicht als Fehlentscheidung ausgemacht. Dass ausgerechnet dieser Mann, Robert Kampka heißt er, am 31. Spieltag beim Spiel der Bremer bei Fortuna Düsseldorf als vierter Offizieller eingesetzt werden sollte, hat der DFB spontan gekippt. Für die überreizte Seele der Bremer ist das eine der bessere Nachrichten der Woche.

Ein typisches Müller-Spiel

SV Werder Bremen - FC Bayern München 2:3 (0:1)

Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson (81. Harnik) - Möhwald (65. Pizarro), Klaassen (89. Johannes Eggestein) - Maximilian Eggestein, Kruse, Osako - Rashica. Trainer: Kohfeldt
München: Ulreich - Kimmich, Jerome Boateng, Hummels, Alaba - Martinez, Thiago (76. James) - Gnabry (58. Goretzka), Thomas Müller (89. Rafinha), Coman - Lewandowski. Trainer: Kovac
Tore: 0:1 Lewandowski (36.), 0:2 Thomas Müller (63.), 1:2 Osako (74.), 2:2 Rashica (75.), 2:3 Lewandowski (80., Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Klaassen (25.), Kruse (84.) - Hummels (26.), James (84.), Lewandowski (90.+3)
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)

Dabei hatte sich ausgerechnet Müller unmittelbar nach Spielende bereits um Versöhnung bemüht. "Ich bin ja ein Bremen-Liebhaber, auch wenn das jetzt nach einem Erfolg immer leicht zu sagen ist. Ich schaue der Mannschaft unheimlich gerne zu, das Publikum ist auch super. Das war ein brandheißes Duell, dass uns alles abverlangt hat." Es war ein typisches Müller-Spiel. Nach langer Zeit mal wieder. Hitzig, wuselig, nickelig - Müller, der Kapitän, müllerte wie zu besten Zeiten. Die wähnt ja zumindest Bundestrainer Joachim Löw bereits als eine nur noch schöne Erinnerung. Nun womöglich hat ausgerechnet der Radikal-Knockout in der Nationalmannschaft dafür gesorgt, dass Müller wieder ein Mann ist, der beim FC Bayern wichtig wird für besondere Momente. Coach Niko Kovac erkannte: "Seit der Ausbootung in der Nationalmannschaft macht er es richtig gut. Davor war es okay."

Richtig gut heißt bei Thomas Müller ja meistens auch so etwas wie: kaum zu fassen. Tatsächlich war es kaum zu fassen, wie er den Ball nach zehn Minuten am Tor vorbeihackentrickte. Noch weniger zu fassen war, wie er nach 17 Minuten den Ball statt in das offene Tor an das Knie des Bremer Verteidigers Niklas Moisander semmelte. Gar nicht erst zu fassen war, wie er den zu unpräzise gebeckenbauerten Ball von Jérôme Boateng vor dem Toraus rettete und ihn physikalisch eigentlich unmöglich von der hintersten Linie an den entfernteren der beiden Innenpfosten köpfte - als dann Torvorlage für Robert Lewandowski. So richtig müllerig wurde es dann beim 2:0 als er einen abgefälschten Schuss von Leon Goretzka stoppte, um den Ball dann mit dem Standbein erfolgreich zu verwerten - mit folgendem Hampelmann-Tanz.

Der Thomas, so urteilte der von den Bayern-Fußballern faszinierte Präsident Uli Hoeneß, "sei gelaufen wie ein Hase". Überall war er, der Thomas Müller. Da wo der Ball war, aber auch dort wo der Ball nicht war. Er grätschte, er schimpfte, er traf, er provozierte. Bei seinem Abgang. In langsamster Langsamkeit machte er sich Richtung Rafinha auf, der sollte Müller nämlich ersetzen. Ein langer Gruß an die eigenen Fans, eine kleine Rangelei mit Bremens Verteidiger Niklas Moisander, dann waren die Müller-Spiele vorbei. Auch in seinem 22. Pflichtspiel gegen Werder Bremen hatte er nicht verloren. Mit ein bisschen Glück. Wie er nun ehrlich einräumte. Auch das ist Thomas Müller.

Quelle: n-tv.de

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