Fußball

Droht Jürgen Klopp der Rauswurf? "Albtraum" Neapel reißt FC Liverpool in Stücke

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Jürgen Klopp muss Liverpool im verflixten siebten Jahr neu erfinden. Hat er dafür die Kraft?

(Foto: picture alliance / firo Sportphoto/PSI)

Am Mittwoch fliegen nach Pleiten in der Champions League erst Domenico Tedesco und dann Thomas Tuchel. Wenig später geht Liverpool mit 1:4 in Neapel unter. Auch das Team von Trainer Jürgen Klopp leistet sich einen fulminanten Fehlstart. Droht der Legende jetzt ein ähnliches Schicksal?

Thomas Tuchel? Beim FC Chelsea gefeuert! Domenico Tedesco? Von RB Leipzig vor die Tür gesetzt! Kein Wunder, dass sich nach dem deutlichen 1:4 des FC Liverpool beim SSC Neapel die ersten Scherzkekse auch mit einem möglichen Abgang der Trainer-Legende Jürgen Klopp beschäftigen. Der befindet sich nicht nur in seinem verflixten siebten Jahr, sondern steuert mit den Reds auf eine veritable Krisensituation zu. Den Saisonstart hat der Klub der englischen Premier League verhauen, in der Champions League sieht es jetzt nicht anders aus.

"Demütigung für Liverpool, das von Neapel in Stücke gerissen wird", titelte der weithin für seine Zurückhaltung bekannte "Guardian" nach der Pleite im Stadio Diego Armando Maradona. "Albtraum in Neapel", schrieb der "Daily Mirror" und sprach von einer "Horrorshow" der Reds, einem der dominierenden Teams in Europa in den vergangenen Jahren. Es war nicht weit entfernt davon. So viel ist sicher.

Bereits zur Halbzeit führte Neapel durch Treffer von Piotr Zielinski, Andre-Frank Anguissa und Giovanni Simeone mit 3:0, einen Elfmeter hatten sie zusätzlich noch vergeben. Nach Zielinskis zweitem Treffer des Abends konnte allein Luis Diaz das Ergebnis in einem erträglichen, wenngleich historischen Rahmen halten. Das 1:4 war die höchste Niederlage der Reds in Europa seit den 1960er-Jahren.

Erschöpfung nach erfolgloser Jagd

"Der Abend heute lässt sich nicht so einfach verarbeiten, erklären lässt es sich aber", sagte Klopp nach dem Spiel. "Neapel hat richtig gut gespielt und wir nicht. Was alles falsch gelaufen ist, ist klar. Aber ich kann nicht sagen, warum es passiert ist. Darüber muss ich nachdenken. Es ist wirklich schwer zu verdauen, aber ich muss es verdauen."

In der vergangenen Saison hatte Liverpool bis zuletzt um die historische Chance auf das Quadruple aus Ligapokal, FA Cup, Meisterschaft und Champions League gekämpft. Am Ende jedoch blieb es bei den Trophäen aus den beiden nationalen Pokalwettbewerben. In der Liga rettete Manchester City einen knappen Vorsprung über die Ziellinie, in der Champions League sorgte der kaugummikauende Carlo Ancelotti für Klopps dritte Niederlage in einem Finale um den Henkelpott nach 2013 (mit Borussia Dortmund) und 2018 (mit Liverpool).

Über den Sommer verloren die Reds nicht nur Sadio Mané an den FC Bayern, sondern auch den Antrieb. Das Mittelfeld hat wenig Kontrolle über das Spiel, die Neujustierung des Angriffs um den 75-Millionen-Euro-Stürmer Darwin Núñez ist noch lange nicht abgeschlossen. Zudem geht der Mannschaft, die in der Premier League bei Manchester United verloren und gegen Fulham, Crystal Palace und Everton nur unentschieden gespielt hat, momentan die Gier und in Teilen auch die Mentalität ab.

"Wir arbeiten nicht als Team", sagte Klopp. "Es sieht ein wenig danach aus, dass wir uns neu erfinden müssen. Es fehlen doch viele Dinge, zwar nicht in allen Spielen, aber aktuell. Die spannende Sache ist, dass wir es in einer laufenden Saison tun müssen. Wir müssen ein Set-up finden, um in eigentlich allen Dingen besser zu werden."

Dortmund-Star soll für Linderung sorgen

Besonders das Mittelfeld um den Veteranen James Milner, der nach 63 Minuten für Thiago Platz machte, sowie den 19-jährigen Harvey Elliot und den Sechser Fabinho frustrierte ihn. "Uns fehlte die Kompaktheit. In der Defensive und Offensive. Ich kann mich an keine Gegenpressing-Situation vor Thiagos Einwechslung erinnern."

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Die Problemstellen seiner Mannschaft hat Klopp also bereits identifiziert und so kann es nicht überraschen, dass die Planungen für die kommende Saison bereits begonnen haben. Eine zentrale Rolle dabei soll laut Medienberichten der Dortmunder Jungstar Jude Bellingham spielen. Der erst 19-jährige Engländer steht beim BVB noch bis Ende Juni 2025 unter Vertrag. Doch es käme einer Dortmunder Meisterschaft gleich, den Mittelfeldspieler bis zu diesem Zeitpunkt auch im Westfalenstadion zu sehen. Der BVB soll sich eine Ablöse rund um die 100-Millionen-Euro-Marke vorstellen, eine in England aktuell mehr als vorstellbare Summe.

Vorerst jedoch muss Klopp auf das aktuelle Personal zurückgreifen und es über sein verflixtes siebtes Jahr schaffen. Er glaubt nicht daran, dass ihn nun ein ähnliches Schicksal wie Thomas Tuchel ereilt. "Nicht wirklich, aber wer weiß das schon", sagte der 55-Jährige am späten Abend in Neapel. Mit Verweis auf den nervösen Neu-Eigentümer des FC Chelsea, ergänzte er: "Der Unterschied ist, dass wir verschiedene Arten von Besitzern haben. Unsere sind ruhiger und erwarten von mir, dass ich das in Ordnung bringe, und nicht, dass es jemand anders tut. Das ist ihre Art zu denken. Wenn sie irgendwann ihre Meinung ändern, sagen sie es mir vielleicht."

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 08. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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