Fußball

Abgang noch in der Winterpause? Paco Alcácer entliebt sich vom BVB

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(Foto: imago images/Kirchner-Media)

Der Einstand von Stürmer Paco Alcácer bei Borussia Dortmund ist phänomenal: Mit seiner Abgezocktheit im Abschluss mischt der Spanier die Bundesliga auf. Doch so spektakulär wie sein Aufstieg ist sein Absturz beim BVB. Wie konnte es dazu kommen?

Dass Stürmer Paco Alcácer in den ersten Tagen des BVB-Trainingslagers in Marbella überwiegend abseits der Mannschaft individuell arbeitete, war leichten Knieproblemen geschuldet. Ein Szene mit Symbolwert war die Isolation des 26-Jährigen dennoch. Glaubt man übereinstimmenden Medienberichten, stehen die Zeichen zwischen Alcácer und Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund auf Abschied. Es gehe sogar nur noch darum, dass ein Klub eine adäquate Ablösesumme für den 19-fachen spanischen Nationalspieler bietet. Angeblich verlangen die Dortmunder rund 40 Millionen Euro.

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Paco Alcácer und der BVB, das war auch mal phänomenal gut.

(Foto: imago images / Sven Simon)

"Ich lese das nur", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc dem "Kicker" angesprochen auf die Gerüchte. "Ich mache mir grundsätzlich erst einen Kopf über diese Dinge, wenn etwas konkreter wird." Ein Dementi klingt anders. Wie es in der als Traumehe gestarteten Beziehung zwischen Alcácer und Dortmund so schnell so weit kommen konnte, überrascht durchaus. Denn zu Beginn seines Gastspiels bei der Borussia im Sommer 2018 wurde alles zu Gold, was der Neuzugang vom FC Barcelona mit seinem Fuß berührte.

Für seine ersten neun Bundesliga-Tore benötigte Alcácer nur 237 Spielminuten - Rekord. Alle 29 Minuten traf er zwischenzeitlich im Oberhaus. Sogar beim legendären Gerd Müller lagen durchschnittlich 105 Minuten zwischen seinen Torerfolgen. "El Matador" tauften die BVB-Profis ihren Kollegen aufgrund seines beeindruckenden Killerinstinkts. Darüber, dass Alcácers Fitnessprobleme monatelang keine Einsätze über 90 Minuten zuließen, er immer wieder wegen kleinerer und größerer Wehwehchen ausfiel und auch seine Tor-Quote letztlich annähernd auf Normalmaß schrumpfte, sah man in Dortmund großzügig hinweg.

Leistungsstagnation statt Leistungsexplosion

Sport.de

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Logische Folge: Die BVB-Verantwortlichen wandelten im Frühjahr 2019 Alcácers Leihe per Kaufoption für rund 21 Millionen Euro in ein dauerhaftes Engagement um. Als es vor der Vorbereitung auf die laufende Saison hieß, Alcácer habe seine körperlichen Schwierigkeiten nun überwunden, erwarteten nicht wenige im Umfeld des BVB eine weitere Leistungsexplosion. Und tatsächlich wirkte Alcácer fit wie nie - und lieferte beeindruckend ab: Fünf Treffer in den ersten vier Bundesligaspielen im BVB-Trikot schafften vor ihm nur Pierre-Emerick Aubameyang (2015/16) und Vereinsikone Lothar Emmerich (1967/68).

Doch im Herbst stoppte eine hartnäckige Achillessehnenreizung den Rekordjäger. Im Oktober bestritt Alcácer kein einziges Spiel. Bitter für den nur 1,73 Meter kleinen Mittelstürmer: Als er die Spätfolgen der Blessur überwunden hatte, wurde er beim BVB urplötzlich nicht mehr gebraucht. Trainer Lucien Favre setzte in seinem neuen 3-4-3-System auf einen spielstarken Angreifer. Marco Reus oder Thorgan Hazard erfüllten dieses Anforderungsprofil besser als Alcácer. In den letzten vier Ligaspielen vor Weihnachten kam er nur noch auf zehn Minuten Spielzeit - viel zu wenig für einen Spieler, der noch wenige Monate zuvor in einem Interview zugegeben hatte, ein "komplizierter Typ" zu sein, wenn er auf der Bank sitzt.

Alcácer will zurück nach Spanien

Gegenüber der "Marca" ließ Alcácer zudem Heimweh durchblicken. "In Zukunft" würde er gerne wieder in Spanien spielen. Er vermisse "spanisches Wetter, das Essen, die Gewohnheiten und andere Sachen", klagte der Wahl-Dortmunder, dessen Familie sich im Ruhrgebiet ebenfalls nicht wohlfühlen soll. Auch das Verhältnis zu Favre soll massiv gestört sein. Es herrsche "Eiszeit", schrieb die "Bild"-Zeitung zuletzt. Der Profi fühle sich von seinem Coach "links liegen gelassen". Die Verpflichtung des Super-Talents Erling Haaland und der dadurch noch einmal verschärfte Konkurrenzkampf sollen Alcácers Laune zusätzlich verschlechtert haben.

Ob sich bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar zu den von der BVB-Führung gewünschten Konditionen ein Abnehmer für Alcácer findet, ist allerdings offen. Sein Heimatverein FC Valencia hat nicht die finanziellen Mittel, um eine Rückholaktion zu stemmen. Atlético Madrid, ebenfalls als möglicher Interessent gehandelt, wäre wohl flüssig genug, soll sich allerdings mit Edinson Cavani von Paris Saint-Germain einig sein. So ist es möglich, dass der BVB mit Haaland als Stammspieler im Sturm in die Rückrunde startet - und mit einem komplizierten Typen auf der Bank.

Apropos Sturm: Erling Braut Haaland mischt den europäischen Fußball auf. Mit feiner Technik und großer Wucht spielt der Stürmer sich in die Notizbücher aller Top-Klubs. Ein (etwas älteres) Porträt des jungen Norwegers lesen Sie hier!

Quelle: ntv.de