Fußball

Was ist denn da los auf Schalke? Plötzlich Euphorie (oder so)

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Der Weg zurück wird hart.

(Foto: imago images/Fotografie73)

Noch ist das Leiden des FC Schalke 04 in der 1. Fußball-Bundesliga nicht beendet. Noch vier Spiele stehen da, erst dann ist auch die dritte Horror-Halbserie in Folge Geschichte. Parallel zu dieser tristen Abschiedstour keimt aber bereits eine kleine Euphorie.

Namen, es sind Namen, die den Schalkern Mut machen. Simon Terodde ist einer von ihnen. Und das mit der natürlichen Selbstverständlichkeit, mit der er sonst den Ball vor dem gegnerischen Tor verwandelt. Der 33-Jährige kommt zur neuen Saison vom wieder einmal an sich selbst verzweifelndem Hamburger SV (wird eher schwierig mit dem Aufstieg). Was man von Terodde bekommt (und erwartet): Tore. Das ist nicht nur ein Versprechen. Das ist eine Garantie. Zumindest in der 2. Bundesliga. In der ewigen Torjägerliste steht er 139 Treffern auf Rang drei. Hinter Karl-Heinz Mödrath (vornehmlich Fortuna Köln) und Didi Schatzschneider (vornehmlich Hannover 96).

Schalke 04 und zweite Liga, das klingt immer noch komisch, aber dort sind die Gelsenkirchener ab dem 1. Juli 2021 eben zu Hause. In der Stadt, sofern sie es mit ihrem großen Traditionsklub gut meinen, hoffen sie sehr, dass es nur eine Herberge auf Zeit ist. Möglichst schnell soll der seit Januar 2020 und bald mit dem Abstieg endende Horrorfilm in eine schöne Heldengeschichte umgeschrieben werden.

Einer der Protagonisten: Terodde. Ein anderer: Klaas-Jan Huntelaar. Der Niederländer, der seine Karriere in diesem Sommer eigentlich beenden wollte, hat bereits angedeutet, dass er bereit wäre, den tüchtig angehäuften Mist auf Schalke in einer finalen Mission mit wegzuschaufeln. Auch Sead Kolasinac soll gehalten werden. Die Mentalitätsmaschine. Der Herzensschalker. Für einen Klub, der einen heftigen Umbruch vollziehen soll, eine gute Sache. Und eine noch bessere für die Fans, die sich nach Spielern sehnen, die sich für ihren Klub aufzehren.

Von denen haben sie in Gelsenkirchen lange kaum noch welche mehr gesehen. Dass sich diese Wut bei einigen Fans vor knapp zwei Wochen in einer Hetzjagd gegen Fußballer und Verantwortliche brutal entladen hatte, der schlimmste Auswuchs der Schalker Abstiegs-Tragödie.

Es geht plötzlich zügig voran

Nun befreit sich der Verein indes zügig und konstruktiv aus dem Schock aus Abstieg und Gewalt. Die Ereignisse der Nacht werden gemeinsam mit der Polizei intensiv aufgearbeitet, die Mission Blitz-Rückkehr ins Oberhaus durchgeplant. Nun, Terodde ist fix. Der Mainzer Danny Latza als solider Abräumer im Mittelfeld ebenfalls. Zwei wichtige Position besetzt. Bei Kolasinac wird es wohl schwieriger, den FC Arsenal von einer günstigen Abgabe zu überzeugen, als den Spieler. Und bei Huntelaar liegen die Hürden einer weiteren Zusammenarbeit wohl eher im Bereich der Teilnehmerurkunde bei Bundesjugendspielen.

Welcher Name (als Gerücht) ebenfalls für Begeisterung sorgt, zumindest in den gängigen Fan-Foren, ist Serdar Dursun. Der Mann spielt beim SV Darmstadt 98. Und dort die wohl beste Saison seiner Karriere. Wie Terodde hat er bereits 21 Tore erzielt. Eine solche mögliche Doppelspitze? Nun, da changiert der Emotionspegel zwischen Euphorie und Hype. Klar, ein paar Mopperköppe unter den Fans gibt es natürlich auch. Viele sind es nicht.

Ein zweitligatauglicher Kader ist damit noch nicht gebaut, aber zumindest ein spektakulärer Anfang gemacht. Wer sonst noch kommt? Das liegt künftig in den Händen von Rouven Schröder. Ab dem 1. Juni ist er als Sportdirektor für die Kaderplanung zuständig. Wie gut er weitgehend unbekannte Talente erfolgreich für einen Klub gewinnen kann, hat er beim FSV Mainz 05 gezeigt. Unter anderem gehen die Transfers der talentierten Franzosen Abdou Diallo, Moussa Niakhaté und Jean-Philippe Mateta auf seinen Anschreibezettel. Für einen hoch verschuldeten Klub, der wenig finanzielle Möglichkeiten hat, der den Kader in größten Teilen umbauen muss, scheint Schröder mit seinem Netzwerk eine durchdachte Lösung. Die Stimmung bei den Fans? Zwischen Euphorie und etwas mehr Skepsis (weil in Mainz zuletzt nicht mehr so erfolgreich, vor allem bei der Trainerwahl, und deswegen aktuell arbeitslos) als bei den anderen Personalien.

Nun, der Auftrag für Schröder ist gewaltig. Denn ist es ja kaum vorstellbar - noch ein wenig unvorstellbarer nach der Randale gegen die Spieler - dass viele Profis aus dem aktuellen Aufgebot bleiben. Das ist weder im Sinne des Vereins, noch im Sinne der Fußballer, die ja zuletzt teilweise bereits etwas unsensibel kundgetan haben, dass sie arg größere Ambitionen haben als Auswärtsspiele im Erzgebirge. Champions League und Titel sind da die Stichworte eines Nationalspielers wie Suat Serdar.

Was Schröder die Arbeit erleichtern wird: Aus der eigenen Knappenschmiede, die mit "Eurofighter" (der so sehr verehrten UEFA-Pokalsieger-Mannschaft von 1997) Matthias Schober seit heute ebenfalls einen neuen Direktor (Beförderung) hat, bietet sich eine sehr üppige Zahl von spannenden Talenten an, die den Weg zu den Profis erfolgreich gehen wollen. Oder diesen bereits eingeschlagen haben, nun aber in ein Mehr an Spielzeit ummünzen wollen. Da wären zum Beispiel Can Bozdogan, Nassim Boujellab, Kerim Calhanoglu oder Malick Thiaw (er ist ja bereits Stammspieler). Weniger bekannt sind dagegen (noch): Vasilios Pavlidis, Mehmet Aydin oder aber Mikail Maden. Namen, es sind Namen, die Schalke Hoffnung machen. Die großen und die eigenen.

Quelle: ntv.de, tno

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