Fußball

"Insiderhandel" bei Aston Villa Plumpe Indiskretion macht Trainer rasend

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Jack Grealish fehlt Aston Villa wohl länger verletzt.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Jack Grealish gilt als höchst talentierter Fußballer, fällt aber neben dem Platz immer wieder negativ auf. Diesmal verbocken es seine Teamkollegen beim englischen Klub Aston Villa. Durch einen Online-Fußballmanager gerät Grealishs eigentlich geheime Verletzung an die Öffentlichkeit.

Als Aston Villa am Sonntagabend gegen Leicester City verlor, stand Kapitän Jack Grealish nicht auf dem Feld. Das wird er wohl auch in den nächsten Wochen nicht. Der englische Nationalspieler musste am Tag vor dem Spiel das Training abbrechen und fiel so kurz vor Spielbeginn mit einer Beinverletzung aus. So weit, so normal. Dass das aber durch einen Tweet zu einem Online-Manager-Spiel an die Öffentlichkeit drang, ohne dass der Verein das kommuniziert hatte und die Verletzung vielleicht sogar geheim halten wollte, das ist eher kurios und unüblich.

Auch der gegnerischen Trainer Brendan Rodgers wusste nicht so recht, was er mit der ungewöhnlichen Information machen sollte. Nach dem 2:1-Erfolg wollte sich der "Foxes"-Coach nicht allzu tief in die Karten schauen lassen und deutete nur an, dass er am Samstag gehört habe, dass der beste Vorbereiter Aston Villas "vielleicht" ausfallen würde. Am Freitagabend kursierten online schon Gerüchte zu dessen Verletzung. Die "Bestätigung" gab es dann durch einen Twitter-Bot. Der wusste, dass mehrere Spieler und Betreuer Aston Villas Grealish aus ihren Fantasy-Mannschaften geworfen hatten.

Ein verhängnisvoller Tweet

Beim "Fantasy Premier League Manager" können Fans (und auch Profis) vor jedem Spieltag ihre eigene Elf aufstellen, die sie sich vorher virtuell zusammengekauft haben. Immer, wenn etwa der echte Grealish ein Tor vorbereitet oder erzielt, gibt es Punkte für den virtuellen Grealish. Aber Vorsicht: Nur wenn der Fan ihn in seiner ersten Mannschaft aufgestellt hat, werden Grealishs Punkte auch auf das Konto des Fans eingezahlt. Und so versucht jeder, vor jedem Spieltag die formstärkste Elf seines Kaders online aufzustellen.

Als nun Aston Villas Trainer Dean Smith erfahren hat, dass seine Mitarbeiter so eine eigentlich geheime Verletzung geleakt haben, tobte er nach dem Spiel: "Wenn das aus unserem eigenen Lager kommt, dann werde ich das herausfinden und bestrafen". Prompt verhängte der Klub ein Verbot für seine Spieler, solche Online-Plattformen zu benutzen, wie die "Times" berichtete.

Dabei wird Smith wohl nicht lange brauchen, um herauszufinden, wer von seinen eigentlich geheimen Informationen Gebrauch gemacht hat. Der Twitter-Bot "FPL Insider" dokumentiert ziemlich detailliert, wer das wann gemacht hat. Der Bot veröffentlicht jeden Abend vor einem Spieltag, nachdem die Hobby-Manager ihre Aufstellungen für die Partien abgeben mussten, wer von seinem Insiderwissen Gebrauch gemacht hat. Demnach klagte Grealish schon am Donnerstag anscheinend über Probleme. Sein Physiotherapeut ahnte da schon die Verletzung und nahm den 25-Jährigen aus seiner Mannschaft. Als Nächstes war es ein Assistent aus dem Trainerstab (der "Performance Analyst"), dem schwante, dass Grealish für das Spiel gegen Leicester nicht rechtzeitig fit werden würde. Drei Mannschaftskollegen folgten daraufhin.

Im "Fall Grealish" könnte es nun auch sportlich schwierig werden, das Team von Dean Smith will den Anschluss an die Europa-Plätze halten. Doch der ehemalige Villa-Profi Paul Merson, selbst einst Nationalspieler, sagte, dass Aston Villa ohne Grealish nur "ein Absteiger" sei. Vor ein paar Monaten fragte das Fußballmagazin "11 Freunde", wann Jack Grealish wohl endlich erwachsen wird. Der Nationalspieler gilt als höchst talentiert, fällt aber neben dem Platz immer wieder mit Fehltritten auf. Diesmal hat es zur Abwechslung mal nicht der 25-Jährige verbockt.

Ein "Trottel" ist der Held seiner Mannschaft

Auch in der Bundesliga kommt es immer mal wieder vor, dass solche Online-Manager für kuriose Momente sorgen. Zehn Minuten vor Schluss wurde Mitte Dezember der Stuttgarter Sada Kalajdzic gegen Union Berlin eingewechselt. Nach einem starken Saisonstart schwächelte der 23-Jährige in den Spielen zuvor. Im Spiel gegen die Unioner gelang ihm das Undenkbare: Mit einem Doppelpack innerhalb von fünf Minuten glich er den 0:2-Rückstand aus.

Nach dem Spiel lobte Trainer Pellegrino Matarazzo seinen Stürmer in den höchsten Tönen, der Stuttgarter Held selbst wirkte im obligatorischen Interview nach Abpfiff abgelenkt. Reporter-Urgestein Ulli Potofski bemerkte, dass der 23-Jährige im Gespräch ständig aufs Handy blickte. Der Sky-Mitarbeiter sprach ihn darauf an, ob er für seinen beeindruckenden Kurzeinsatz etwa viele Zuschriften erhielt. "Ich habe auf Kickbase geschaut und ich Trottel habe mich nicht aufgestellt", entgegnete der beschämte Kalajdzic nach einem Blick in das Managerspiel. Für seine Mannschaft blieb der ärgerliche "Bock" folgenlos. Für ihn selbst sowieso, bis auf die virtuell fehlenden Punkte.

Quelle: ntv.de