Fußball

DFL bittet Politik um Hilfe Profiklubs hoffen auf Ausnahmegenehmigung

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Mehrere Ideen stehen zur Diskussion.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Es könnte so einfach sein: Homeoffice beenden, kurze Vorbereitung und dann Geisterspiele. Das wäre zumindest eine Möglichkeit, die Bundesliga-Saison rechtzeitig zu Ende zu spielen. Dafür braucht es jedoch die Zustimmung der Politik - und auch einige medizinische Fragen sind noch offen.

Wenn es nach der Logik des Profifußballs geht, ist es eigentlich ganz einfach: Die Spieler kehren am Montag aus dem "Homeoffice" auf den Rasen zurück und starten die Vorbereitung auf die "Geisterspiele", mit denen ab Mai die Saison trotz Corona-Pandemie zu Ende gebracht wird. Schließlich sind Profis auch nur Berufstätige, die gemeinsam ihre Arbeit verrichten müssen. Ob diese Argumentation angesichts der geltenden Restriktionen etwas mit der Realität zu tun hat, wird sich allerdings erst noch zeigen. Angewiesen sind die Klubs dabei auf die Politik. Sie muss die Pläne absegnen. Das weiß auch die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL).

"Es ist selbstredend, dass viele Klubs ohnehin in engem Dialog mit den Behörden am jeweiligen Standort sind. Gleichzeitig sind wir im Gespräch mit Vertretern des Bundes", sagte DFL-Boss Christian Seifert nach dem virtuellen Treffen der Vereinsverantwortlichen am Dienstag: "Jedem ist klar, dass wir am Ende auch ein Wirtschaftsunternehmen sind."

Genauer gesagt ist die Liga ein milliardenschweres Unternehmen aus der Unterhaltungs-Industrie - was Seifert bei den Gesprächen mit den Entscheidungsträgern auch ins Feld führt. "Bei uns kommt hinzu, dass sich in diesen Zeiten viele Menschen freuen würden, wenn sie wieder einiges anderes haben, über das man sich unterhalten, ärgern, freuen kann", äußerte der DFL-Chef: "Das ist auch vielen politischen Ansprechpartnern klar. Ich habe den Eindruck, dass man uns zuhört."

"Viele Menschen würden sich freuen"

Zwischen zuhören und zustimmen besteht allerdings ein Unterschied. Das weiß auch Hans-Joachim Watzke. "Wir können natürlich nicht unsere eigenen Regeln machen, das ist klar. Wir richten uns nach den Beschlüssen der Politik", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, der in der "WAZ" ähnlich wie Seifert argumentiert: "Ich bin sicher, dass sich - wenn es einmal so weit ist - viele Menschen über die Rückkehr der Bundesliga freuen werden."

Derzeit wird bei vielen Klubs neben der individuellen Arbeit in Kleinstgruppen von zwei Spielern trainiert, die zu verschiedenen Zeitpunkten und/oder in verschiedenen Einrichtungen (Platz/Kraftraum/Laufgelände) ihre Einheiten absolvieren. Selbst bei den Vereinen, bei denen mehrere Spieler gleichzeitig auf dem Platz stehen, gelten die Abstandsregeln. Diese Regeln müssten wie zahlreiche andere von der Politik gelockert werden.

Falls die Behörden tatsächlich dem Szenario von Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab Mai als "Beruhigungspille für das Volk" grünes Licht geben, sollten die Mannschaften nach Ansicht von Stefan Reuter zuvor entsprechend trainieren dürfen. "Es ist zwingend erforderlich, dass es nach der Corona-Pause eine Vorbereitungszeit von mindestens zwei Wochen für jedes Team gibt", sagte der Sport-Geschäftsführer des FC Augsburg der "Sport Bild".

Ist der Neustart medizinisch vertretbar?

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die neu eingesetzte "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" unter der Leitung von DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer ein schlüssiges Konzept vorlegt. Darin muss die Antwort auf die Frage enthalten sein, wie der Spiel- und Trainingsbetrieb medizinisch vertretbar fortgeführt werden kann. "Wir dürfen nichts tun, um die Gesundheit von Spielern infrage zu stellen. Insofern wird diese medizinische Einheit sehr, sehr eng zusammenarbeiten", sagte Seifert: "Es wird einen permanenten Austausch mit den Mannschaftsärzten und allen Sportverantwortlichen der Klubs geben."

Sollten all die fraglichen Punkte auf dem Weg zum Wiederbeginn tatsächlich erfolgreich abgearbeitet werden, steht noch die Frage der Spieltags-Gestaltung im Raum. Dabei reichen die Spekulationen von täglichen Spielen über Partien an wenigen Standorten bis hin zu einem Turnierformat.

"Den einen Plan gibt es noch nicht. Wir haben über gewisse Denkmodelle nachgedacht", äußerte Seifert dazu: "Wir glauben, dass wir es hinbekommen, die Saison auf einigermaßen regulärem Weg bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen."

Quelle: ntv.de, Alexander Sarter, sid