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Wie in der Vorsaison erlebten die Leipziger in Berlin eine grandiose Bundesliga-Abschlussparty.
Wie in der Vorsaison erlebten die Leipziger in Berlin eine grandiose Bundesliga-Abschlussparty.(Foto: imago/Jan Huebner)
Sonntag, 13. Mai 2018

Trainercrash nach Europa-Rausch?: RB Leipzig feiert Tor-Gala, der Boss flüchtet

Von Ullrich Kroemer, Berlin

Mit sechs Toren stürmt RB Leipzig beim rauschhaften Saisonfinale in Berlin noch nach Europa. Die Saison der Lehren und Leiden endet mit einem historischen Happy End. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Trainer Ralph Hasenhüttl droht das Aus.

Dass in der Party-Hauptstadt Berlin die besten Feiern des Landes veranstaltet werden, ist auch in Leipzig Konsens. Und spätestens seit dem gestrigen Samstag ist es auch kein Geheimtipp mehr, dass sich insbesondere die jährliche Torfete im Berliner Olympiastadion lohnt. Nach dem 4:1-Triumph im Vorjahr bejubelten nun nach Klubangaben 9000 mitgereiste Fans von RB Leipzig gemeinsam mit der Mannschaft einen 6:2 (3:1) - in Worten: sechs zu zwei - Auswärtssieg. So viele Tore hatte Rasenballsport noch nie in der Bundesliga geschossen.

Erst gefeiert, bald gefeuert? Ob Ralph Hasenhüttl in der neuen Saison Trainer von RB Leipzig bleibt, ist offen.
Erst gefeiert, bald gefeuert? Ob Ralph Hasenhüttl in der neuen Saison Trainer von RB Leipzig bleibt, ist offen.(Foto: dpa)

Die Party-Helden des Nachmittags waren Ademola Lookman mit einem Tor und zwei Assists sowie der Franzose Jean-Kévin Augustin, der zwei Treffer erzielte und einen auflegte. Zwei Spieler, die sinnbildlich für die Möglichkeiten stehen, die im RB-Kader stecken. Auch Rechtsverteidiger Konrad Laimer und Mittelfeldstratege Kevin Kampl boten gegen die Berliner, die beim Torefestival brav offensiv mitspielten und nicht der Partyschreck sein wollten, starke Leistungen. So hüpften die RB-Fans in den Blöcken links und rechts des Marathontores schon lange vor Abpfiff ekstatisch auf und ab und besangen lautstark den "Europapokal, Leipzig international" und ließen Trainer Ralph Hasenhüttl mit "Hasi, Hasi"-Sprechchören hochleben.

Dank des rauschhaften Erfolges im letzten Saisonspiel schloss RB Leipzig die Saison auf Rang sechs ab und darf auch im kommenden Jahr international dabei sein. Nicht unerheblich dabei: Ob die Leipziger direkt für die Europa-League-Gruppenphase (Start: 20. September) qualifiziert sind oder bereits in der zweiten Qualifikationsrunde Ende Juli einsteigen und sich durch sechs (!) Qualifikationsspiele quälen müssen, hängt nun noch davon ab, ob Meister FC Bayern München (Gruppenphase) oder der Achte Eintracht Frankfurt (Quali) den DFB-Pokal gewinnt. Natürlich fiebern die Leipziger am kommenden Samstag mit dem FC Bayern, wenn - wieder im Berliner Olympiastadion - das Pokal-Endspiel steigt. Leipzigs Co-Kapitän Diego Demme sagte: "Ich werde Joshua Kimmich eine Nachricht zukommen lassen, dass er richtig Gas gibt." Die Drähte zum Ex-Leipziger Nationalspieler in Diensten des FCB sind immer noch kurz.

"Erreicht, war wir verdient haben"

"Unterm Strich haben wir den Platz erreicht, den wir verdient haben": Die RB-Profis bewerteten das Erreichen der Europaliga realistisch.
"Unterm Strich haben wir den Platz erreicht, den wir verdient haben": Die RB-Profis bewerteten das Erreichen der Europaliga realistisch.(Foto: imago/Jan Huebner)

Dass es anders als im Vorjahr nicht zur Champions League reichte, sondern Rasenballsport in der kommenden Saison eine Etage tiefer in der Europa League (EL) antreten muss, hatten sich die Leipziger bereits in den Krisenwochen zuvor eingebrockt. Und es spielte an diesem Nachmittag zumindest für Fans, Trainer und Mannschaft keine große Rolle mehr. Realistisch schätzte Kapitän Willi Orban ein: "Natürlich hätten wir gern wieder die Champions League geschafft. Aber unterm Strich haben wir den Platz erreicht, den wir verdient haben."

Der gesamte Verein hatte schließlich erst lernen müssen, was es bedeutet, im Drei-Tages-Rhythmus auf höchstem internationalen Niveau und in der Bundesliga bestehen zu müssen. Mentale Überbelastung, Rotation, Spielidee, Gegentorflut - gerade nach Standards und Kontern - sind die Schlagworte an denen sich die Saisonanalysen entlanghangeln. Das Erreichen des EL-Viertelfinales bescherte den Leipzigern in der Liga im Vergleich zur Vorsaison 14 Gegentore mehr und kostete sie dadurch 14 Punkte und in der Endabrechnung vier Plätze.

"Wir mussten viel rotieren, dadurch gehen Automatismen verloren", analysierte Orban. "In der Hinrunde haben wir enge Spiele über Mentalität gezogen. In der Rückrunde haben wir das leider oftmals nicht geschafft. Das nehmen wir für die neue Saison mit." Bei diesem Lernprozess habe jeder, so Orban, Fehler gemacht: "Wir Spieler, wir als Mannschaft, vielleicht auch das Trainerteam. Aber darum geht es ja: Dass wir das im nächsten Jahr besser machen." Hasenhüttl musste angesichts der Doppelbelastung bilanzieren: "Man hat gemerkt, dass uns das schon sehr zugesetzt hat, manch jungem Spieler die Konzentration abhanden gekommen ist."

Die Spieler stehen zu Hasenhüttl

Der Kapitän, der in Berlin nur auf der Bank saß, nutzte sein Schluss-Statement auch für ein Plädoyer für den Verbleib von Chefcoach Ralph Hasenhüttl. "Ich will definitiv mit dem Trainer weitermachen." Und auch Orbans Stellvertreter Demme stärkte dem Chefcoach den Rücken. "Ich kann nur Positives sagen. Wir haben zwei Jahre sehr viel erreicht unter dem Trainer", so Demme. "Aber das müssen die Verantwortlichen entscheiden." Würde Sportdirektor Ralf Rangnick seine Meinung einholen, würde sich Demme wie wohl der Großteil im Kader für Hasenhüttl aussprechen.

Denn dass die Zukunft von Hasenhüttl tatsächlich offen ist, zeigte auch die Tatsache, dass sich weder Klubboss Oliver Mintzlaff noch Rangnick in Berlin öffentlich äußerten. Stellungnahmen und Saisonfazit der Funktionäre wurden auf den heutigen Sonntagabend nach dem Abschiedsspiel von Fanliebling Dominik Kaiser verschoben. So eilten Rangnick und Mintzlaff ohne ein Zeichen der Freude wortlos durch die Stadionkatakomben. Ein seltsamer Kontrast zur Feierstimmung auf dem Rasen und der blauen Tartanbahn zuvor. Rangnick habe einen wichtigen Termin, hieß es.

Viel Stolz, noch mehr Ungewissheit

Hasenhüttl betonte nach dem Triumph in Berlin, wie wichtig ihm die Wende nach zwischenzeitlich vier hohen Niederlagen und der "Berg- und Talfahrt" in dieser Saison war. "Ich bin sehr stolz, dass wir in den letzten beiden Spielen noch einmal gezeigt haben, was passiert, wenn wir Zeit haben zu trainieren und wenn Frische zurückkommt", sagte der Österreicher. "Das war eine komplett andere Mannschaft als in den Wochen davor. Es war ein schönes Zeichen, dass wir wieder dahin zurückfinden, wo wir hergekommen sind."

Gefragt nach seiner Zukunft in Leipzig wiederholte der Trainer nur: "Ich habe mich mit dem Verein auf die nächste Woche verständigt. Alles weitere ist Stand heute keine Überlegungen wert. Ich möchte mich heute nur über ein tolles Jahr freuen und dafür die Zeit und die Gedanken nutzen." Eine Antwort, die alles offen lässt: Verlängerung des noch bis 2019 datierten Vertrages oder eine Trennung, die angesichts der Leistungen in dieser Saison und dem Spektakel in Berlin paradox wäre. Trotz der fehlenden Konstanz in dieser Spielzeit. Doch für Kapitän Orban war das Zwischentief nur notwendiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zurück in die "Königsklasse": "Wir gehen gestärkt in die nächste Saison, das steht jetzt schon fest", kündigte der 25-Jährige an. "Wir wollen wieder am Honig lecken, ist doch klar." In den großen Stadien Europas, wo vielleicht noch bessere Partys gefeiert werden als in Berlin.

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Quelle: n-tv.de