Fußball

Ab in die Champions League RB Leipzig ist verdammt nah dran

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Große Freude in Leipzig: RB-Oldie Marvin Compper tätschelt Marcel Sabitzer.

(Foto: imago/Contrast)

Da dürfte Bundestrainer Joachim Löw große Augen bekommen haben: Leipzigs Fußballer fügen der TSG Hoffenheim die erste Niederlage zu und sind auf dem Weg in die Champions League. Nur sagt das keiner.

Die Frage, ob das das Beste ist, was die Bundesliga zu bieten hat, ist schnell beantwortet. Nein, ist es nicht. Der FC Bayern hat ja nicht mitgespielt. Und die Frage, ob diese beiden Sponsorenklubs die Zukunft des deutschen Fußballs sind, lässt sich ganz bestimmt nicht anhand eines Spiels beantworten. Aber Trainer Ralph Hasenhüttl durfte nach der Partie zurecht behaupten: "Wir haben heute gesehen, warum diese beiden Mannschaften da stehen, wo sie stehen." Und das heißt: nicht ganz oben, aber verdammt nah dran.

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Fairer Verlierer: Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Es war ein intensives, kurzweiliges und enorm temporeiches Spitzenspiel an diesem Samstag vor knapp 40.000 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Zentralstadion, das Hasenhüttls Leipziger mit 2:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim gewonnen haben. Für die Gäste und ihren Trainer Julian Nagelsmann war es am 18. Spieltag die allererste Niederlage in dieser Saison, was zur Folge hat, dass sie vorerst nur noch auf Platz vier der Tabelle stehen. Und falls die Dortmunder Borussia am frühen Sonntagabend in Mainz gewinnt, ist es gar nur noch Rang fünf. Aber das war es nicht, was Nagelsmann am frühen Samstagabend nach der Partie umtrieb. Was er recht gut in diesem Satz ausdrückte: "Glückwunsch dem verdienten Sieger, wir waren heute die schwächere Mannschaft." Aber eben die schwächere von zwei sehr guten, da war er sich mit seinem Kollegen einig.

"Scho au schnell und schön"

Dabei hatte es für die Gäste ganz wunderbar begonnen, Das erste Tor nach einer guten Viertelstunde hatten sich die Gäste herrlich herausgekontert. Der deutsche Nationalspieler Sebastian Rudy, der ab der kommenden Saison in Diensten des FC Bayern steht, führte den Ball am Fuß bis zur Mittellinie, passte zum Kollegen Kerem Demirbay, der mit einem wunderschönen Diagonalpass Andrej Kramaric bediente. Der legte vor dem Tor der Leipziger quer auf Nadiem Amiri. Und schon stand es 0:1. Es war der erste Spielzug, bei dem sich Joachim Löw, der als Bundestrainer und Freund des schönen Fußballs erstmals auf der Tribüne ein Heimspiel von RB Leipzig ansah, hinter seiner sehr großen Sonnenbrille gedacht haben dürfte: "Ei, die Hoffenheimer. Scho au schnell und schön."

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Mit Pilotenbrille im Leipziger Stadion: Joachim Löw.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Und die Leipziger? Scho au aggressiv. Vor allem, wenn sie zurückliegen. Überhaupt war die Partie schnell von einer gewissen Gereiztheit gekennzeichnet, beide Mannschaften führten ihre Zweikämpfe bissig und schenkten sich - wenig überraschend - nichts. Was folgte, war eine Demonstration dessen, was die Rasenballsportler so stark macht. Sie griffen Ball und Gegner an, sobald die Hoffenheimer sich auch nur auf den Weg in Richtung Mittellinie machten. Nun ist im Fußball bei weitem nicht alles logisch. Aber völlig überraschend kam es nicht, dass den Leipzigern sieben Minuten vor der Pause der Ausgleich gelang. Erst verloren sie am Strafraum des Gegners den Ball, doch Naby Keita stahl Kevin Vogt unmittelbar darauf den Ball vom Fuß, Timo Werner griff ein und spitzelte den Ball am machtlosen Torhüter Oliver Baumann vorbei ins Tor. "Das 1:1 war so eine Situation, wo wir nachsetzen, nochmal nachsetzen und noch mal nachsetzen", konstatierte Hasenhüttl.

Sandro Wagner dann einfach mal dumm

Weder schnell, noch schön, sondern einfach dumm stellte sich Sandro Wagner an. Nach einer Stunde war die Sonne zwar bereits hinter dem Zentralstadion verschwunden, der Bundestrainer dürfte aber auch ohne schützende Brille genau gesehen haben, wie der Hoffenheimer Angreifer mit der Sohle seines Schuhs Stefan Ilsacker derart rüde auf den Knöchel sprang, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark ihm völlig zurecht die Rote Karte zeigte. Seinen Titel als, wenn nicht bester, so doch erfolgreichster deutscher Stürmer, ist Wagner auch noch los, weil Werner nun auf elf Treffer kommt und somit einen mehr auf dem Konto hat als der Mann, der unbedingt in die Nationalmannschaft möchte.

Und wer sich mit einem Spieler weniger gegen unverzagt aggressive Bullen wehren muss, der steht aller Wahrscheinlichkeit nach auf verlorenem Posten. Die Leipziger nutzen die Gelegenheit zwar nicht, die dezimierten Hoffenheimer in Grund und Boden zu rennen und aus dem Stadion zu schießen. Auch, weil beileibe nicht alles so funktionierte, wie sich das Trainer Ralph Hasenhüttl vorgestellt hatte. Aber RB schoss eine gute Viertelstunde das letztlich entscheidende Tor. Marcel Sabitzer war es, der es aus 22 Metern erzielte. Fabian Schär fälschte den Ball noch so ab, dass sein Torhüter keine Chance hatte. Und Nagelsmann sprach davon, dass die Leipziger ihr Glück auch ein wenig erarbeitet hätten. Wie sie das gemacht haben, ist in dieser Saison nahezu stilbildend. Hoffenheims Trainer formulierte das so: "RB lauert, geht gnadenlos auf den zweiten Ball und kommt mit Tempo über die Flügel. Das ist nicht immer einfach zu verteidigen."

Und so schwärmte der Kollege Hasenhüttl von einem "Big Point gegen einen wirklich starken Gegner". Davon, dass sie Leipziger auf allerbestem Weg in die Champions League sind sprach er nicht. Auch Sportdirektor Ralf Rangnick wollte nun nicht das Erreichen der europäischen Königsklasse als Ziel ausrufen - warum auch? Lieber sprach er davon, dass die Rasenballsportler mit ihren 42 Punkten ganz bestimmt nicht absteigen würden. "Von mir werden sie in dieser Saison nichts anderes hören, als dass es unser Ziel ist, das nächste Spiel zu gewinnen." Das findet am kommenden Samstag im Westfalenstadion statt - wenn die Zukunft des Fußballs bei Borussia Dortmund gastiert.

Quelle: ntv.de

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