Fußball

CL-Finale gegen Liverpool Real Madrid stirbt nie - oder?

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Königsklassendominanz der Königlichen: Ronaldo greift mit Real erneut nach dem Titel.

(Foto: imago/Bernd König)

Zum dritten Mal in Folge steht Real Madrid im Finale der Champions League. Gegen den FC Liverpool will der Fußballklub seine historische Königsklassen-Dominanz untermauern. Allerdings gibt es Zweifel an der Gier der Königlichen.

Kurz hatte Real Madrid dem Abgrund ins Auge geblickt. Im Halbfinal-Rückspiel im Estadio Santiago Bernabéu sah es für einen Moment so aus, als würde es dem FC Bayern München gelingen, die europäische Königsklassendominanz zu beenden. Aber: Wieder einmal hat es gereicht, wenn auch nur knapp. Wieder steht Real im Endspiel der Fußball-Champions-League. Die Hauszeitung "Marca" hatte also Recht, als sie titelte: "Madrid stirbt nie". Vor dem Finale im Olympiastadion von Kiew gegen den FC Liverpool (ab 20.45 Uhr/ZDF und im Liveticker bei n-tv.de) lässt der Titelverteidiger nun keine Zweifel aufkommen, wer in der 62. Auflage seit der Gründung 1955 - damals noch als Europapokal der Landesmeister - den Henkelpott hochhalten wird. Zum dann schon dritten Mal in Folge.

Trainer Zinédine Zidane reagierte deswegen auch ein wenig gereizt ob der Frage eines Journalisten: Vielleicht wolle der Gegner aus Liverpool den Titel ja doch ein kleines bisschen mehr? "Niemand kann behaupten", so der französische Weltmeister von 1998, "dass wir weniger Hunger auf Erfolg haben." Wer anders urteile, habe das Phänomen Real Madrid offenkundig nicht verstanden. Die Erklärung für den Erfolg - die sei im Prinzip ganz einfach. "Wir sind Madrid. Wir wollen immer mehr."

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Das Finale im Vorjahr: Eine Machtdemonstration der Madrilenen.

(Foto: imago/Gribaudi/ImagePhoto)

Wie das konkret aussieht, das hatte Real im vergangenen Jahr im Millennium Stadium von Cardiff gezeigt. Mit 4:1 war das - ausnahmsweise in lila gekleidete - Starensemble über Juventus Turin hinweggefegt. Spätestens das war eine Machtdemonstration, wie sie der Wettbewerb seit seiner Umbenennung in der Saison 1992/93 noch nicht gesehen hatte. Dreimal Real Madrid, einmal FC Barcelona: Die Champions League ist derzeit spanisch, zumeist madrilenisch. Vielleicht eine Marke für die Ewigkeit. Denn, so honorierte der deutsche Nationalspieler Toni Kroos die Leistung seines Teams: "Es ist sehr schwierig, ein Endspiel zu erreichen. Zwei ist noch schwieriger und drei (in Serie) ist einfach nur verrückt. Das ist nie zuvor passiert und ich glaube, dass sich das auch nicht wiederholen wird."

Selten war Madrid so angreifbar

Nun also geht es gegen Jürgen Klopp und seine Reds. Die Hoffnung, dass es in Kiew zu einem spannenderen Aufeinandertreffen als im vergangenen Jahr kommt, ist groß. Das Duell zwischen Liverpool und Madrid ist eines der krassen Gegensätze mit klar verteilten Rollen. Allerdings: Selten hat sich Real so angreifbar gezeigt, wie in der aktuellen Spielzeit. Die spanische Meisterschaft hat die Elf von Zidane mit 17 Punkten hinter dem FC Barcelona beendet. Ein Abstand, so groß wie seit 1985 nicht. Auch in der Champions League wankte der Titelverteidiger beträchtlich. Nicht nur gegen den FC Bayern, sondern schon in der Runde zuvor gegen Juventus Turin wäre beinahe Schluss gewesen. So wie in der Copa del Rey beim madrilenischen Totalversagen, als die Zidane-Elf gegen den Tabellen-17. CD Leganés ausgeschieden war. Da ist der mögliche Triple-Triumph der Königlichen wohl auch ein letztes Mittel, die national verkorkste Saison vergessen zu machen.

Ein Erwartungsdruck, wie ihn der Underdog FC Liverpool nicht verspüren wird. Schließlich haben sich die Reds mit ihrem furiosen "Heavy-Metal-Football" den Weg ins Finale spektakulär geebnet. Liverpool, das ist der Klub, der eine große Hoffnung auf sich vereint: Vielleicht gibt es ja doch eine gefühlte Sympathiebastion gegen die Scheichklubs aus Paris oder Manchester. Liverpool, das ist der Underdog, das Überraschungsteam mit Europas derzeit bestem Torjäger, Mohammed Salah. Angeführt von einem Trainer Jürgen Klopp, der im Vorfeld schon mal ankündigte: "Wir werden richtig on Fire sein." Auch Weltmeister Kroos ahnt, was von der Mannschaft zu erwarten ist, die sich mit rekordwürdigen 46 Toren nach Kiew geschossen hat: "Sie werden kämpfen wie Tiere."

"Keiner ist so wie ich"

Allerdings wird das ein Einstellungsmerkmal sein, dass die Reds nicht exklusiv für sich gepachtet haben. Denn da ist ja noch Real Madrid, der selbstbewusste Luxuskader mit Titel-Routine. So bekräftigte Weltfußballer Cristiano Ronaldo vor dem europäischen Gipfeltreffen, dass alles, was dem Gegner ein gewisses Maß an Chancen einräumt, im Prinzip Richtung Majestätsbeleidigung geht. "Bei allem Respekt vor Liverpool, aber wir sind besser", sagte der Portugiese, der auch an seiner persönlichen Legende schreibt. Sechsmal war er bereits Torschützenkönig des Klubwettbewerbs, Nummer sieben dürfte ihm bei 15 Toren in dieser Saison kaum zu nehmen sein: "Keiner ist so wie ich". Eine Ansage wohl auch an die Adresse derer, die in Liverpools Salah bereits seinen Nachfolger in Madrid sehen.

Das ist jedoch - wenn überhaupt - eine Geschichte für nach dem Finale. "Ich würde Salah nicht gegen Cristiano eintauschen", betonte sein Trainer vor dem Duell der Torjäger. Alles andere würde den Weltfußballer auch in maximale Aufruhr versetzen. Wenn es nach Ronaldo geht, kann es mit seiner unangefochtenen Weltfußballerklasse nämlich noch viele Jahre weitergehen. "Mein biologisches Alter liegt bei 23 Jahren. Mir bleibt noch eine lange Zeit. Ich kann spielen, bis ich 41 bin." Noch gibt es in der Tat auch keinen Grund, ans Aufhören zu denken. Ronaldo liefert, wenn es drauf ankommt – für den Erfolg ist er einer der wichtigsten Faktoren. Ist ein Ronaldo in Top-Form, läuft es bei Real Madrid. Und so wird Zidane hoffen, dass die Gier seines Weltfußballers tatsächlich noch nicht gesättigt ist.

Quelle: ntv.de