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"Das ist Kirmes" Regionalligisten wettern gegen China-Plan

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Die Fans in der Regionalliga Südwest könnten deutlich internationaler werden.

(Foto: imago/VCG)

Mehrere Fußball-Regionalligisten fühlen sich vom DFB nicht ernst genommen. Pläne, wonach die U20-Auswahl Chinas bei ihnen mitspielen soll, entwerte die Liga zur "Kirmesliga". Längst nicht jeder wolle "für 30.000 Euro die Seele verkaufen", so Rot-Weiß Essen.

Wok-Gerichte beim 1. FC Saarbrücken, Böller-Verkauf bei der TuS Koblenz, Kung-Fu-Kurse bei Kickers Offenbach - so könnte demnächst das Rahmenprogramm in der deutschen Fußball-Provinz aussehen: Ab der kommenden Saison soll die chinesische Olympia-Auswahl als 20. Mannschaft außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest spielen, um so die Kooperation zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und China mit Leben zu füllen.

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Die Kooperationsvereinbarung wurde im vergangenen Jahr unterzeichnet.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Doch viele Vereine laufen Sturm gegen den Plan. Als erster Klub hat nun der SV Waldhof Mannheim angekündigt, etwaige Spiele gegen die Asiaten zu boykottieren. "Der SV Waldhof hat keine Zustimmung erteilt. Aktuell sind die notwendigen Details für uns noch nicht vollumfänglich geklärt", sagte Geschäftsführer Markus Kompp.  Nach interner Absprache werde der Verein nicht gegen die chinesischen Junioren spielen. "Auch wenn ein solches Spiel eine gute Vermarktungsmöglichkeit bietet, sollte man den regionalen Bezug nicht komplett verlieren", erklärte Kompp auf der Facebook-Seite des Klubs. "In den Regionalligen und bei den Vereinen gibt es wichtigere Probleme, welche unserer Meinung nach vorrangig zu klären sind." Dem Verband gegenüber habe der Verein bereits telefonisch seine Bedenken geäußert.

Auch Rot-Weiß Oberhausen wettert gegen den China-Plan: "Das ist Kirmes, eine Verarschung. Warum sollen wir uns in Zukunft noch den Arsch aufreißen?", sagte Präsident Hajo Sommers dem "Reviersport". Der DFB sehe die Regionalliga "als Kirmesliga". Wenn es aber um die Vorschriften gehe, "wird genau hingeschaut", monierte Sommers.

"Wir haben das Gefühl, dass der DFB nicht mehr erkennt, wo die Grenze der Kommerzialisierung liegt", sagte Michael Welling, Präsident vom West-Regionalligisten Rot-Weiß Essen, der "Sportbild" und meinte: "Wollen wir für 30.000 Euro wirklich die Seele des Fußballs verkaufen? Ich nicht!"

"Für mich ist das purer Kapitalismus"

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Entsetzt reagierte auch der abgestiegene FK Pirmasens. "Ich habe dafür keine Worte mehr, im Verein herrscht komplette Fassungslosigkeit", sagte Geschäftsstellenleiter Christoph Radtke "Zeit online". "Sechs Mannschaften steigen ab, und nun holt der DFB die chinesische Nationalmannschaft. Wir müssen das wohl hinnehmen, aber für mich ist das purer Kapitalismus." Pirmasens hatte Radtke zufolge "einen Antrag gestellt, die Liga auf 20 Teams aufzustocken, weil auch unser U23-Team als Achter der Oberliga absteigen muss, wenn wir absteigen. Aber statt uns zu behalten, wird nun offenbar, man muss es wohl so sagen, eine Geldquelle aus China ausgewählt. Eine Horrormeldung."

Andere Verantwortliche reiben sich allerdings bereits die Hände: "Ich sehe den Plan vom Grundsatz her sehr positiv. Solche Farbtupfer sind doch sehr interessant und bereichernd", sagte DFB-Vize Hans-Dieter Drewitz in seiner Eigenschaft als Präsident des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV) dem SID: "Zudem ist das Ganze für den Spielbetrieb interessant - und aufgrund der finanziellen Zuwendungen, die es geben soll, für die Vereine auch attraktiv."

Klub-Chefs reizen neue Vermarktungsmöglichkeiten

Zwischen 15.000 und 20.000 Euro soll jeder Klub dafür erhalten, dass er an seinem eigentlich spielfreien Tag in der Hin- und Rückrunde (also zweimal pro Saison) zu Hause gegen das chinesische Team antritt. Dass die Mannschaften der 4. Liga so im Spielrhythmus bleiben und die zahlreich erwarteten chinesischen Zuschauer zusätzlich die Kassen klingeln lassen, wären weitere positive Nebeneffekte. Der chinesische Nachwuchs soll in der 19er-Liga nämlich die Lücke für den jeweils spielfreien Verein füllen und gegen jeden Klub im Saisonverlauf zweimal antreten - ohne offiziell in der Tabelle geführt zu werden.

"Ich sehe bei einem Spiel gegen eine chinesische Mannschaft gute Vermarktungsmöglichkeiten", so der Offenbacher Geschäftsführer Christopher Fiori. Ähnlich sieht es der kaufmännische Leiter der Stuttgarter Kickers. "Wir finden es sowohl sportlich interessant, als auch wirtschaftlich unter dem Stichwort neue Märkte", sagte Marc-Nicolai Pfeifer den Stuttgarter Zeitungen.

Ob die Eingliederung der chinesischen Auswahl tatsächlich umgesetzt wird, soll bei der Managertagung der Regionalliga am 11. Juli entschieden werden. Dort wird der Spielplan für die am 28. Juli beginnende Spielzeit festgelegt. Die Asiaten wollen ihre Mannschaft auf diese Art für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa/sid

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