Fußball

"Endlich, endlich" am Ziel? Reus macht Berlin zur Trauma-Therapie

Marco Reus könnte Weltmeister sein, Champions-League-Sieger und mehrfacher Pokalsieger. Doch irgendwas kam immer dazwischen. Das soll sich endlich ändern. Der "ewige Fußball-Pechvogel" des BVB will in Berlin sein erstes Finale gewinnen.

Marco Reus hat sich zerrissen. Er wird nach dem DFB-Pokal-Finale seine EM-Teilnahme absagen und vier Monate ausfallen. Am 21. Mai 2016 verlieren Borussia Dortmund und sein Superstar erneut ein Endspiel. Es wäre nicht verwunderlich, verspürte Reus bereits beim Erklingen des Wortes Finale ein heftiges Ziehen im Magen. Denn zu vier Endspielen ist er angetreten, alle hat er verloren, meist auf dramatische Weise - und gegen den FC Bayern München. Mal in vorletzter Minute (Champions League 2013), mal in der Verlängerung (Pokal 2014), mal im Elfmeterschießen (Pokal 2016).

Doch, weit gefehlt: "Ich freue mich unglaublich", sagt der Nationalspieler von Borussia Dortmund vor seinem Finale Nummer fünf gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (20 Uhr in der ARD und im n-tv.de-Liveticker) im Berliner Olympiastadion. "Weil wir es verdient haben, dort zu sein. Ich werde bereit sein, wir werden bereit sein." Um, wie er sagt, "endlich, endlich" seinen ersten Titel zu holen.

Immer wieder Schockmomente

Am Samstag, beim Bundesliga-Finale gegen Werder Bremen (4:3), gab es einen dieser Marco-Reus-Schreckmomente, wie man ihn häufig gesehen hat. Krachend rauschte der 27-Jährige da mit dem Schienbein gegen den Torpfosten, und Zehntausende hielten den Atem an. Er wird doch nicht wieder...? Nein, diesmal keine schwere Verletzung zur Unzeit. Reus stand auf und sagte später bester Laune: "Ich würde das Finale auch mit einem Bein spielen."

Derzeit, das ist bemerkenswert, scheint sich Reus tatsächlich auf seinen Körper verlassen zu können. Er geht topfit ins Endspiel, er schleppt nicht hinein. "Für den Kopf", sagt er, "ist das unheimlich wichtig." Denn: Ist der Kopf frei, tanzen seine Füße. Seit Marco Reus Mitte April nach einem Muskelfaserriss zurückkehrte, spielt er grandios. Er erzielte sagenhafte acht Tore seitdem, darunter in Mainz, in Frankfurt, in Mönchengladbach, gegen Hoffenheim und im Pokal-Halbfinale beim FC Bayern. Alle waren das 1:0.

Schwarzgelber Nussknacker

Er ist ein Nussknacker, der beste Dosenöffner im deutschen Fußball. Kein Offizieller bei Borussia Dortmund, der derzeit nicht darauf verweisen würde, dass der Flügelstürmer "gereift" sei. "Er hat wahnsinnig an Persönlichkeit gewonnen", sagt Trainer Thomas Tuchel gerne, Sportdirektor Michael Zorc sieht seinen Star "gerne in der Verantwortung".

Vielleicht ist dies der Moment, in dem sich bei Marco Reus alles zum perfekten Gesamtbild fügt: Aus Rückschlägen gezogene Stärke, Reife, körperliche Fitness, dadurch auch Vertrauen. "Ich habe einiges erlebt, ich muss vorangehen", betont er. Und da ist ja noch die ungestillte Gier nach Erfolg. Ein 27-Jähriger, der ohne Verletzungspech wohl Weltmeister wäre, der Champions-League- und Pokalsieger hätte werden können. Spötter sagen, sein einziger Titel sei das Titelbild des Konsolenspiels Fifa 17. Das soll sich nun ändern - alleine schon, damit die Fragen aufhören. "Endlich, endlich."

Dafür wird er sich wieder zerreißen.

Quelle: n-tv.de, Thomas Nowag & Jan Mies, sid